An einer der vielen tausend unbedient vor sich hin wesenden Baustellen, die das Bild der Stadt Köln prägen und die Bürger täglich verzweifeln lassen, tat sich am Donnerstagabend plötzlich ein Zeichen der Hoffnung auf. Der Schauplatz war die Vogelsanger Straße im Stadtteil Ehrenfeld, und das Zeichen war eine Werbetafel mit der Aufschrift „Die 13 geht, die 10 bleibt!“ sowie einem Foto des Fußballers Saïd El Mala, der mit beiden Daumen auf seine Rückseite deutet. Auch diejenigen, die nicht ganz so eng vertraut sind mit den Vorkommnissen beim 1. FC Köln, ahnten: Da ist eine große Sache passiert.Oberflächlich besehen, sind die Neuigkeiten gar nicht so umwerfend, wie sie der 1. FC Köln mit seiner im ganzen Stadtgebiet verbreiteten Plakataktion erscheinen ließ: El Mala, der bisher die Nummer 13 auf dem Trikot getragen hatte, wird künftig mit der 10 ins Spiel gehen. Und seinen Vertrag, der bisher bis 2030 Gültigkeit besaß, hat er um ein Jahr verlängert, zu neuen Gehaltskonditionen zwar, aber weiterhin ohne eine Klausel, die ihm zu bestimmten Bedingungen den einseitigen Ausstieg aus der Vereinbarung ermöglicht. Insgesamt wird damit der Status quo zu etwas anderen Bedingungen bestätigt – wo ist also der Coup?Andoni Iraola:Dieser Trainer könnte dem FC Liverpool guttunDer englische Traditionsklub erlebt aufwühlende Zeiten. Da kommt der neue Coach, der die baskische Fußballschule und den Ansatz von Jürgen Klopp verkörpert, gerade recht.Abgesehen davon, dass jetzt wirklich niemand mehr an dem Verbleib des 19 Jahre alten Linksaußen im Verein zu zweifeln braucht – zumindest in der nächsten Saison –, ist die Überraschung der Coup. Der 1. FC Köln und Saïd El Mala haben allen einen Streich gespielt. Kein Medium, kein Transferjournalist, nicht mal die Transfergurus hatten bisher darüber berichtet, dass Klub und Spieler über die Vertragsverlängerung verhandeln. Stattdessen hieß es in der laufenden ebenso wie in der vorigen Woche, es könne nun „alles ganz schnell gehen“ mit dem Wechsel El Malas zu einem sogenannten Top-Klub. Bloß, dass der Abnehmer jetzt RB Leipzig heißen sollte statt wie in der Vorwoche Borussia Dortmund.Die 10 ist keine typische Rückennummer für einen LinksaußenViel Halbwahres und noch mehr Falsches wurde gepostet und gemeldet, während die Beteiligten heimlich den neuen Vertrag besprachen. El Malas Eltern und der Klub, unter anderem vertreten durch den Sportchef Thomas Kessler, handelten nicht nur für den Sohn Saïd, sondern auch für dessen 21 Jahre alten Bruder Malek eine längere Vertragsdauer aus. Er spielt für das Regionalliga-Team des 1. FC Köln.Anschließend trieb der Klub seine Scherze mit den Sitten und heuchlerischen Gebräuchen des Profifußballgeschäfts, als er die Vertragssache bekannt machte. In einem Video ließ er El Mala mit trauriger Stimme, untermalt von schwermütigen Klavierklängen, den Abschied von Nummer 13 verkünden, also seinen eigenen Fortgang, um dann, Überraschung! – die Rückkehr der Nummer 10 zu verheißen. Seit Lukas Podolskis finalem Auftritt beim FC im Jahr 2012 hatte lediglich Patrick Helmes für eine kurze Zeit die Rückennummer tragen dürfen, mit der einst Spieler wie Wolfgang Overath, Heinz Flohe und Herbert Neumann zum Ruhm des Klubs beitrugen.Die Nummer 10 ist für einen Linksaußen nicht die typische Einteilung. Das Trikot soll eine Beförderung ausdrücken. Umgekehrt ist El Malas Unterschrift ein Bekenntnis zu dem Klub, für den er seit dem vorigen Sommer in der Bundesliga spielt. Dass er dem 1. FC Köln so lang erhalten bleibt wie Overath und Flohe, ist allerdings unwahrscheinlich. Einstweilen wäre es schon ein Erfolg, wenn die Transferspekulationen erst im nächsten Sommer von vorn beginnen würden.
Saïd El Mala beibt beim 1. FC Köln – und trägt künftig die Nummer 10
Dortmund? Leipzig? Saïd El Mala wechselt nicht den Klub, sondern lediglich die Rückenziffern. Der 1. FC Köln feiert sich für einen Coup, den niemand durchschaut hatte.









