Drei EU-Staaten teilen sich eine Grenze mit Belarus: Polen, Lettland und Litauen. Die Grenzen sind gut gesichert, vor allem Polen rühmt sich einer Hightech-Anlage, um Migrantinnen und Migranten, die aus Belarus in die Europäische Union wollen, abzuhalten. Nun sollen jedoch mehrere Minitunnel entdeckt worden sein, mit denen Menschen dennoch durchschlüpfen können.Laut lettischen Behörden waren vom Grenzschutz nahe dem Ost Kraslava 28 Migranten aufgegriffen worden. Bei der Aufklärung der Umstände und Untersuchung des angrenzenden Gebiets sei dann rund 20 Meter von der Grenze entfernt ein mit Moos abgedeckter Geheimgang ausfindig gemacht worden, teilte der lettische Grenzschutz mit.Besonders groß sind die Bauwerke nicht. Nach SPIEGEL-Erkenntnissen geht es um mickrige, nur zehn Meter lange Tunnel. Die Tunnel könnten mit Billigung aus Minsk gebuddelt worden sein. Litauen wirft dem Regime des belarussischen Machthabers und Kremlfreundes Alexander Lukaschenko seit Längerem vor, gezielt Migranten aus Krisenregionen an die Außengrenze der Europäischen Union zu bringen, um Druck auf die EU auszuüben.

Nach Recherchen von NDR und WDR erhob auch Frontex schwere Vorwürfe gegen Belarus: Die EU-Grenzschutzagentur geht in einer internen Analyse demnach davon aus, dass staatliche Stellen in Belarus den Bau der Grenztunnel unterstützen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Regime von Lukaschenko Spezialisten für die Konstruktion der Tunnel und Migranten zum Graben nutzen würde, heißt es in den Papieren, die NDR und WDR vorliegen.Hoffen auf »Operation Werwolf«Zur Eindämmung der im Sommer deutlich gestiegenen Zahl an irregulären Grenzgängern startete Lettland zuletzt die »Operation Werwolf« zur Sicherung seiner Ostgrenze. Dabei sollen Grenzschutz, Staatspolizei, Streitkräfte und Geheimdienste enger zusammenarbeiten. Auch sollen im Grenzgebiet etwa verstärkt Radarsysteme und Drohnen zum Einsatz kommen, um illegale Grenzübertritte festzustellen.