Zehn Minuten hatte Anja Els am Sonntagabend Zeit, um ein paar Habseligkeiten zu packen, dann musste sie ihr Haus verlassen. Feuerwehrleute standen vor ihrer Tür und riefen »Raus hier!«, erzählte Els meinem Kollegen Maik Großekathöfer (die Reportage lesen Sie hier ). Els lebt zusammen mit ihrem Mann seit 30 Jahren auf einem Hof nahe dem Hohen Venn, an der belgisch-deutschen Grenze. Schon seit Ende vergangener Woche kämpften Feuerwehrleute dort gegen einen Großbrand, der sich auf rund 3000 Hektar durch die Landschaft gefressen hat. Das Feuer zählt zu den größten in der Geschichte Belgiens.Zur Wochenmitte konnten die Menschen im Waldbrandgebiet endlich ein wenig aufatmen. Die Lage habe sich etwas entspannt, sagte Monschaus Feuerwehr-Einsatzleiter Philipp Krüger der Deutschen Presse-Agentur. »Ich sitze hier und kann mal einen Kaffee trinken«, so Krüger. Am Mittwochnachmittag war die vorsorgliche Evakuierung eines Ortsteils von Monschau aufgehoben worden, auch auf belgischer Seite durften die Menschen in den Orten Küchelscheid, Leykaul und Sourbrodt zurück in ihre Häuser.Die Nachlöscharbeiten jedoch werden noch Wochen dauern.
Auch in anderen Regionen Europas brannte es in diesem Sommer bereits heftig, unter anderem in Frankreich, Spanien und Griechenland. Bis zum 12. August haben die Flammen in der EU schon mehr als 585.000 Hektar vernichtet – mehr als doppelt so viel wie im 20-jährigen Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt des Jahres.Aber es könnte noch wesentlich schlimmer kommen: »Die von Waldbränden betroffene Fläche in Europa könnte sich durch den Klimawandel bis Ende des Jahrhunderts nahezu verdreifachen«, erzählte Maik Billing jetzt meiner Kollegin Alina Schadwinkel. Der Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist an einer Studie beteiligt, für die das Team mithilfe von zwei Modellen die durchschnittliche jährlich verbrannte Fläche für den Referenzzeitraum 2000 bis 2030 mit den Erwartungen für 2070 bis 2100 verglich. Die Ergebnisse sind diese Woche im Fachmagazin »Global Change Biology« erschienen.Laut einem der beiden Modelle könnte die verbrannte Fläche in Europa von etwa 1,8 Millionen Hektar im Referenzzeitraum auf rund 2,6 Millionen Hektar am Ende des Jahrhunderts steigen, sofern die Treibhausgasemissionen stark sinken. Falls der Ausstoß hingegen hoch bliebe, wären es demnach etwa 5,3 Millionen Hektar pro Jahr. Laut dem zweiten Modell wäre die Entwicklung weniger dramatisch: Die verbrannte Fläche bliebe in etwa konstant oder sinke sogar. »Die Annahmen beruhen auf statistischen Zusammenhängen aus der Vergangenheit, als extreme Feuer noch seltener waren«, erklärt Billing. Das Autorenteam schätzt die Ergebnisse daher als eher optimistisch ein.In beiden Fällen wäre der künftige Kurs der internationalen Klimapolitik maßgeblich.Auch bei den Bränden im Hohen Venn, einer Landschaft aus Moor, Heide und Wald, an der belgisch-deutschen Grenze zeigt sich, dass der Mensch Einfluss auf das Geschehen hat – in diesem Fall hatte: »Der Brand im Hohen Venn ist symptomatisch für das, was wir in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten mit den Mooren gemacht haben«, sagte der Moorforscher Gerald Jurasinski von der Universität Greifswald (mehr dazu lesen Sie hier ). »Wir haben sie weitgehend entwässert – für die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft, teilweise auch für den Torfabbau. Nun stehen wir mit sehr viel potenziell brennbarem Material da.«Wenn Sie mögen, informieren wir Sie einmal in der Woche über das Wichtigste zur Klimakrise – Storys, Forschungsergebnisse und die neuesten Entwicklungen zum größten Thema unserer Zeit. Zum Newsletter-Abo kommen Sie hier.










