Trumps Kampf gegen den «Narkoterrorismus» stockt – nun zündet er eine neue Stufe im DrogenkriegDer amerikanische Präsident kann auf immer mehr Verbündete in Lateinamerika zählen. Doch auch diese Allianzen haben die Flut von Kokain und Fentanyl bisher nicht gestoppt.21.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDie amerikanische Drogenfahndungsbehörde (DEA) und die Geheimdienste weiten den Kampf gegen die Drogenkriminalität in Lateinamerika aus.Jeenah Moon / ReutersDiese Woche strömten hochrangige Drogenermittler aus der ganzen Welt nach Buenos Aires. In unmittelbarer Nähe des Präsidentenpalastes organisierten dort die amerikanische Drogenfahndungsbehörde (DEA) und das argentinische Sicherheitsministerium die 40. Internationale Konferenz zur Drogenbekämpfung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dass dieser Grossanlass erstmals seit 2015 wieder in Südamerika stattfand, ist kein Zufall: Es ist ein Zeichen des Dankes von Donald Trump an seine engen Verbündeten in der Region, allen voran Javier Milei. Der libertäre Präsident Argentiniens kooperiert voll und ganz mit der DEA und kritisiert seine linken Vorgänger, dass sie das Problem des Drogenschmuggels nicht ernst genommen hätten.Unter dem Motto «Gerechtigkeit durch Stärke und Einigkeit» diskutierten mehrere hundert Experten hinter verschlossenen Türen darüber, wie sich das Übel der von Chile bis Mexiko grassierenden organisierten Kriminalität am besten bekämpfen lässt. Dabei hat sich das politische Umfeld, in dem sie tätig sind, in den letzten Monaten stark verändert.Drogenkriminelle sind nun TerroristenAm 20. Januar 2025, dem ersten Tag seiner zweiten Präsidentschaft, hat Trump ein Dekret unterzeichnet, das international tätige Drogenkartelle zu terroristischen Organisationen erklärte. Mittlerweile figurieren zahlreiche Verbrecherorganisationen auf der Terrorliste, etwa das Sinaloa-Kartell, Tren de Aragua aus Venezuela, die salvadorianische Mara Salvatrucha und die beiden führenden brasilianischen Syndikate Primeiro Comando da Capital und Comando Vermelho.Das Weisse Haus sieht die Mitglieder der Kartelle damit nicht mehr als blosse Kriminelle, die man mit polizeilichen Mitteln bekämpfen soll. Vielmehr handelt es sich nun um feindliche Akteure oder Kombattanten, die eine akute Bedrohung für die Sicherheit in den USA sind – und gegen die man entsprechend auch mit militärischer Gewalt vorgehen darf. Das tut Washington bereits mit den Angriffen auf mutmassliche Drogenboote.Zwar ist die Einstufung der Kartelle als Terrororganisationen noch keine direkte Kriegserklärung. Aber sie dient laut amerikanischen Rechtsexperten als Grundlage dafür, beispielsweise Geheimdienstoperationen im Ausland zu rechtfertigen. Und sie ist ein klares Zeichen an die lateinamerikanischen Regierungen: Trump erwartet von ihnen, dass sie ihre eigenen Streitkräfte für den Kampf gegen die Drogenkriminalität mobilisieren oder amerikanische Eingriffe tolerieren.Zwei berüchtigte Gang-Chefs getötetWas das konkret bedeutet, zeigte sich in Venezuela: Am 12. Juni verbreitete Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social ein kurzes Video, das einen Luftangriff auf ein Gebäude vom Vortag zeigte. Bei der Explosion starb Niño Guerrero, der Anführer von Tren de Aragua. Die Gang gilt als eine der gefährlichsten Lateinamerikas.Dass die venezolanische Regierung, die nach dem Sturz von Nicolás Maduro von den USA installiert wurde, die Amerikaner einfach machen lässt, ist wenig erstaunlich. Doch auch Länder wie Mexiko müssen sich dem Druck beugen. Mexikanische Spezialstreitkräfte töteten im Februar mit Unterstützung der CIA Nemesio «El Mencho» Oseguera Cervantes, den Boss des berüchtigten Kartells Jalisco Nueva Generación.Vieles deutet darauf hin, dass Mexiko damit einer militärischen Intervention der USA zuvorkam, was für die linke Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum eine nicht hinnehmbare Verletzung der mexikanischen Souveränität bedeutet hätte. Trump stellte die Exekution von «El Mencho» denn auch als eigenen Erfolg dar: «Wir haben einen der gefährlichsten Kartellbosse ausgeschaltet», sagte der amerikanische Präsident.Fentanyl als KillerEs ist vor allem der starke Zustrom von Fentanyl aus Mexiko, der die amerikanischen Behörden beunruhigt. Im Zuge der Opioidkrise sind Überdosierungen mit dem hochpotenten Schmerzmittel zur Todesursache Nummer eins unter den 18- bis 44-jährigen Amerikanern geworden.Mexiko weigert sich jedoch, bei Trumps wichtigstem Projekt im forcierten «War on Drugs» mitzumachen: Das Land ist nicht Teil von Shields of the Americas. Diese Vereinigung hat Trump im vergangenen März gegründet, um den Kampf gegen die Bandenkriminalität in Lateinamerika zu koordinieren.Allerdings gibt es eine klare ideologische Trennlinie. Nur Staaten mit rechten Regierungen haben sich unter den «Schild der Amerikas» gestellt. Zu den dreizehn Gründungsmitgliedern sind in letzter Zeit auch noch Peru und Kolumbien hinzugestossen. Die beiden Länder zählen zu den Hotspots der Drogenkriminalität. Auch deshalb wurden mit Keiko Fujimori und Abelardo de la Espriella jüngst zwei Law-and-Order-Politiker ins Präsidentenamt gewählt. So sind nun in den meisten südamerikanischen Ländern Trump-Freunde an der Macht.Angriffe mit BodentruppenDe la Espriella hat in der vergangenen Woche in einer seiner ersten Amtshandlungen den USA erlaubt, militärische Operationen gegen «Narkoterroristen» auf kolumbianischem Grund durchzuführen. Ähnliche Abkommen hat Washington bereits mit Honduras und Ecuador. Die nun angedrohte militärische Offensive auf dem Boden läutet eine neue Phase im Drogenkrieg ein – und dürfte auch eine Folge davon sein, dass sich die bisherigen Methoden als wenig effizient herausgestellt haben.Seit September 2025 haben die USA in der Karibik und im Pazifik über sechzig Boote versenkt, die angeblich Suchtmittel transportierten. Dabei starben mehr als 200 Personen. Kritiker bezweifeln, dass diese Tötungen völkerrechtlich legitim waren und dass es stets genügend Beweise gab, dass wirklich Drogen an Bord waren.Vor allem aber konnten die Angriffe die Einfuhr von Kokain in die USA nicht unterbinden. Anfänglich führte die Strategie zwar zu Nachschubproblemen und entsprechend zu einem Anstieg des Kokainpreises. Doch mittlerweile bewegt sich dieser wieder auf dem Niveau von früher. Zu diesem Schluss kommt die Behörde DEA in internen Dokumenten, aus denen kürzlich die «Washington Post» zitiert hat.Schwachstellen finden und ausnutzenDamit widersprechen seine eigenen Beamten dem Präsidenten. Trump hatte behauptet, die Angriffe auf die Boote hätten 98,2 Prozent aller Drogen gestoppt, die auf dem Wasserweg ins Land gekommen wären. Die Drogenbanden haben sich jedoch schnell auf die neuen Umstände eingestellt.Laut der DEA nutzen sie nun grössere Schiffe und fahren näher an der Küste, wo die amerikanischen Streitkräfte zurückhaltender agieren. Denn dort ist das Risiko viel höher, dass es zu Verwechslungen mit Fischerbooten oder Ausflugsschiffen und zu einer Verletzung der Territorialgewässer anderer Staaten kommt.Ausserdem setzen die Kartelle nun vermehrt auf Kleinflugzeuge, um die Drogen von Venezuela und Kolumbien aus nach Guyana und Surinam zu fliegen und so die zu gefährlich gewordene Seeroute durch die Karibik zu umgehen. Besonders von Guyana aus schleusen die Banden dann das Kokain in Frachtcontainern oder halbtauchfähigen Booten in die USA oder nach Europa.Ein DEA-Beamter sagte der «Washington Post», die Kriminellen fänden bei jeder gegen sie gerichteten Strategie die Schwachstellen und nutzten diese aus. Es sei wie bei einem Ballon: Wenn man an einer Stelle auf ihn drücke, dehne er sich an einem anderen Ort aus.Passend zum Artikel
Trumps Drogenkrieg stockt – nun zündet er eine neue Stufe
Der amerikanische Präsident kann auf immer mehr Verbündete in Lateinamerika zählen. Doch auch diese Allianzen haben die Flut von Kokain und Fentanyl bisher nicht gestoppt.






