AnalyseDie Aktien nehmen Anlauf auf den Höchststand vom August 2025. Der Versicherer aus Hannover hat die Jahresprognose erhöht und vieles deutet darauf hin, dass er schon bald nochmals nachlegt. Dabei baut er unter anderem auf einen grossen Vorteil.Der Schwung ist zurück beim Versicherungskonzern Talanx aus Hannover. Als The Market den Titel im Mai 2024 erstmals empfahl, lag der Kurs bei 75 €. Danach stieg er auf das Rekordhoch von 126.20 €, das allerdings bereits vom 14. August 2025 datiert. Im Juni 2026 war zeitweilig die 100-€-Marke unterschritten worden. Inzwischen werden die Aktien jedoch wieder nahe 120 € gehandelt. Und es gibt handfeste Gründe für die Annahme, dass der Kursrekord schon bald eingestellt werden könnte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am 14. August 2026, genau ein Jahr nach dem Rekordhoch an der Börse, präsentierte Finanzchef Jan Wicke ein starkes Ergebnis des zweiten Quartals und hob die Jahresprognose an. Der Kurs des MDax-Werts sprang an jenem Tag um mehr als 5% in die Höhe.«Wir haben in jedem Segment ein Rekordergebnis», sagte Wicke. Das bedeutet Bestwerte in der Industrieversicherung, im deutschen und im internationalen Geschäft mit Auto-, Unfall- Transport, Feuer- und Lebensversicherung und auch in der Rückversicherung.Die Erstversicherer tragen inzwischen etwas mehr zum Ergebnis bei als die Tochter Hannover Rück, an der Talanx 50,22% der Anteile hält. Der Rückversicherer wächst bei derzeit fallenden Preisen nur um 1%, die Erstversicherer dafür um 4%. Der Markt hat seit 2024 begonnen, den neuen, wachstumsstarken Schwerpunkt durch Kursgewinne zu honorieren.Erneute Erhöhung der Ergebnisprognose winktCFO Wicke erhöhte die Ergebnisprognose für 2026 auf «deutlich über 2,7 Mrd. €» von zuvor «ungefähr 2,7 Mrd. €». Vieles deutet darauf hin, dass die Niedersachsen im Herbst weitere gute Nachrichten verlauten lassen.«Normalerweise tun wir uns sehr schwer, die Guidance vor dem dritten Quartal anzupassen, denn dann ist die Hurrikansaison», sagte der Finanzchef. Die tropischen Wirbelstürme richten in manchen Jahren insbesondere in den Monaten von Juni bis September zwischen Nordamerika und der Karibik schwere Schäden an. «Wir gehen in 100-Mio.-€-Schritten vor und sagen ‹mehr als 2,7 Mrd. €›, aber nicht ‹2,8 Mrd. € oder mehr›», präzisierte er und kündigte an: «Nach dem dritten Quartal schauen wir uns die Guidance nochmals an.»Talanx-Zentrale in Hannover.ZVGDiese Aussage wird durchaus registriert: Berenberg-Analyst Michael Huttner erwartet, dass Talanx die Ergebnisprognose bei Vorlage des Berichts zum dritten Quartal am 12. November auf dann mehr als 2,8 Mrd. € anheben wird. «Das dritte Quartal ist bereits zur Hälfte vorüber und es hat noch kein bedeutender Hurrikan das US-Festland getroffen», sagt der erfahrene Branchenbeobachter. Als Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison gilt allerdings der September.«Talanx betreibt das Geschäft und auch die Finanzkommunikation sehr professionell und wird nach dem dritten Quartal die Jahresprognose leicht oberhalb der Analystenerwartung konkretisieren», sagt Alexander Lippert, Fondsmanager bei der GS&P Kapitalanlagegesellschaft, die mit dem Mischfonds Deutsche Aktien Total Return bei Talanx engagiert ist. Die bei Bloomberg erfassten Analysten erwarten im Durchschnitt einen bereinigten Jahresüberschuss von 2,84 Mrd. €.Ergebnissteuerung mit dem KapitalanlageportfolioFinanzchef Wicke hat die Möglichkeit, das Jahresergebnis zu beeinflussen, indem er die Kapitalanlage entsprechend steuert. «Das Anlageportfolio ist sehr konservativ und besteht zum grossen Teil aus Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität, anders als bei manchen Wettbewerbern, die erheblich auf illiquidere Anlagen wie Private Equity und Private Debt gesetzt haben», sagt Lippert. Trotz der eher risikoarmen Anlagestrategie erzielt Talanx eine Kapitalanlagerendite von 3,8%, bei durchschnittlich nur etwas mehr als fünf Jahren Restlaufzeit. Die Wiederanlagerendite für neue Investitionen liegt mit 4,3% deutlich darüber.Wenn Talanx ältere Anleihen mit niedrigeren Zinskupons verkauft und neue Anleihen mit höherer Rendite erwirbt, steigt also die laufende Anlagerendite des Portfolios. Kurzfristig muss der Konzern dafür jedoch einen Verlust realisieren, weil die älteren Anleihen mit niedrigeren Zinskupons unter ihrem Rückzahlungswert (im Jargon: Nennwert) gehandelt werden, um die niedrigere Verzinsung auszugleichen und eine für die Restlaufzeit übliche Rendite für den Käufer zu ermöglichen. Der CFO kann aussteuern, wie viel Verlust er dabei in Kauf nimmt, um für die folgenden Jahre höhere Renditen einzukaufen.Auskömmliche Rendite trotz des erhöhten EigenkapitalsSchon seit Jahren weisen Versicherer hohe Eigenkapitalrenditen auf. Bereits 2024 lag der Sektordurchschnitt mit 16% am oberen Ende jener Spanne von 11 bis 17%, in der er sich seit der Finanzkrise bewegt hat. Talanx wiederum erzielte mit 18,6% (2024) und dann sogar 19,7% (2025) noch stärkere Werte beim Return on Equity. Für das laufende Jahr stellt der Konzern «ungefähr 19%» in Aussicht.Als Grund für den leichten Rückgang schon im ersten Halbjahr (21,5% nach 23,4% im Vorjahreszeitraum) bezeichnete der CFO den Anstieg des Eigenkapitals seit Jahresanfang um 1,1 Mrd. € auf 22 Mrd. €. «Das Eigenkapital entwickelt sich sehr schön, auch weil der Euro etwas schwächer geworden ist», sagte er. Die von Bloomberg erfassten Analysten sehen Talanx bei der Eigenkapitalrendite auch 2026 im Konkurrenzvergleich mit an der Spitze.Kostendisziplin und Fokus auf profitables WachstumDie starken Halbjahreszahlen zeigten einmal mehr, dass sich Diversifizierung und Kostenführerschaft auszahlen, gab Talanx-CEO Torsten Leue zu Protokoll. Im Halbjahresbericht beziffert der Konzern den Kostenvorteil für die drei grössten Sparten, die zusammen 93% des Jahresüberschusses einbringen. Die niedrigen Kosten sind ein erheblicher Vorteil, der die Profitabilität absichert und weiteres Wachstum ermöglichen dürfte.Als Risikofaktor für Talanx bezeichnet Fondsmanager Lippert den Preisdruck, der nach Jahren branchenweiter Preiserhöhungen nun wieder zunimmt. «Manche Versicherer haben undifferenziert ihre Preise erhöht, so dass andere nun durch Preissenkungen nach Marktanteilsgewinnen streben dürften», erwartet er. Talanx werde sich an Preiskämpfen zu Lasten der Profitabilität allerdings kaum beteiligen, ist der Investor überzeugt.«Talanx gehört zu den am besten geführten Unternehmen, die ich kenne», lobt Lippert. CEO Leue betont stets das dezentrale Führungsmodell, das die Verantwortung bei den für das Geschäft verantwortlichen Managern in den einzelnen Ländern und Sparten belässt.Ausserdem hilft es dem Konzern, dass er auch in vielen Wachstumsmärkten präsent ist. In einigen Märkten seien die Preise zuletzt gestiegen, sagt CFO Wicke.Dax-Aufstieg wegen Börsenwert und Handelsumsatz möglichTalanx gilt als Kandidat für den Dax-Aufstieg bei der nächsten Überprüfung der Indexzusammensetzung am 3. September. Allerdings ist Lufthansa der Favorit für die Dax-Aufnahme, zu Lasten der Immobilienplattform Scout24, schreiben die Index-Experten Moritz Müseler und Carsten Hesse von Berenberg. «Talanx ist in Wartestellung», urteilt das Duo. «Die Dax-Aufnahme ist möglich, wenn Scout24 und Zalando auf Rang 48 oder schlechter abrutschen.»Für die Aufnahme in Dax, MDax und SDax ordnet Indexbetreiber Deutsche Börse die Unternehmen nach dem Marktwert des Streubesitzes und dem Handelsvolumen. Talanx rangierte im August zeitweilig auf Platz 40, Zalando auf 46 und Scout24 auf 47, kalkuliert Berenberg. Bei der Berechnung des Marktwerts werden 76,7% der Stimmrechtsaktien nicht berücksichtigt, da sie beim Grossaktionär liegen, dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI). Auch wenn es im September noch nicht klappen sollte mit dem Dax-Aufstieg, dürfte das erwartete Wachstum die Niedersachsen in absehbarer Zeit trotz des niedrigen Streubesitzanteils in den Leitindex tragen. Das bringt ein wenig zusätzliche Nachfrage durch Dax-ETF und vor allem: mehr Aufmerksamkeit der Anleger.Dividende soll schneller wachsen als bei der KonkurrenzBei der Dividendenrendite liegt Talanx mit 3,7% etwas niedriger als die Allianz (4,2%) und deutlich niedriger als Zurich Insurance (5,4%) sowie die Rückversicherer Swiss Re (4,8%) und Münchener Rück (5%), jeweils berechnet an der für 2026 geschätzten Dividende. Allerdings bieten die Hannoveraner dafür ein erheblich höheres Wachstum: Die Dividende von Talanx soll laut Analystenschätzung 2026 um 20% steigen und in den beiden Folgejahren um je rund 10%. Bei der Allianz werden jährliche Steigerungen der Dividende zwischen 7 und 8% erwartet. Die reinen Rückversicherer wiederum stecken in der Abschwungphase des Rückversicherungszyklus. Die Münchener Rück berichtete Anfang August von fallenden Rückversicherungspreisen. Die Dividende soll gleichwohl bis 2028 jährlich um 7% zulegen, erwarten die Analysten; also ebenfalls nicht so stark wie bei Talanx.Gemessen am Verhältnis von Unternehmenswert zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EV/Ebitda) gehört Talanx zu den günstigsten der grösseren Versicherer an den europäischen Börsen. Niedriger bewertet ist der Rückversicherer Scor, der allerdings mitten im Turnaround steckt.The Market betrachtet Talanx wegen des gut vorhersehbaren, profitablen Wachstums, der erheblichen Kostenvorteile, des starken Managements und der niedrigen Bewertung weiterhin als Basisposition für langfristig orientierte Anleger.
Talanx: Der Dax-Kandidat hat die Kraft zum Ausbruch auf Rekordniveau
Die Aktien nehmen Anlauf auf den Höchststand vom August 2025. Der Versicherer aus Hannover hat die Jahresprognose erhöht und vieles deutet darauf hin, dass er schon bald nochmals nachlegt. Dabei baut er unter anderem auf einen grossen Vorteil.






