So langsam beginne ich, die Reisen zum Wein zu vermissen. Fast sechs Wochen bin ich mittlerweile an Haus und Hof gefesselt, die sich zwar nicht fernab der Zivilisation, aber doch längst nicht mehr in Fußweite zur selbigen befinden. Und fahren darf ich nicht, weder zu den Menschen noch zu den Fischen. Nicht des Alkohols wegen – ich kann und darf nicht lenken. Mir fehlen Kraft und Rotation eines Armes, nachdem mir ein weithin gepriesener Chirurg aus dem alten Reich der Achäer die Rotatorenmanschette zusammengeflickt hat, die ich unter anderem dazu benötige, anstoßen, austrinken und jubeln zu können.Ein bewachtes WeinlagerSo sitze ich also hier im Forst, der weit kühler und grüner ist als jeder Wald südlich der Heide, und komme mir vor wie zu fast vergessenen Lockdown-Zeiten. Täglich gibt es nur Verheerendes bis Absurdes zu lesen oder von verblassten Mythen, weswegen mir mein Ältester dieser Tage einen Pettersson-und-Findus-Zeichentrickfilm zukommen ließ. Vor gut 20 Jahren hatte ich ihm die Geschichten des frechen, abenteuerlustigen Katers und seines etwas schrulligen alten Herrchens vorgelesen; anscheinend sind sie ihm hängen geblieben, vermutlich aus Gründen.Den Tischlerschuppen des alten Pettersson gibt es auch hier am Forsthof. Doch ich habe ihn vor Jahren in ein von Jagdhunden bewachtes Weinlager umgewandelt, während sich mein eigentlicher privater Weinkeller meilenweit entfernt befindet. Von dort lasse ich mich bedienen. Freunden gebe ich Adresse, Schlüssel, Code und Carte blanche. Und, was soll ich sagen?