Donald Trump schrieb wieder einmal in Großbuchstaben, als er nach sechs Monaten Krieg eine neue Strategie gegen Iran ankündigte. Er plane die verheerendsten Wirtschaftsmaßnahmen, die jemals gegen einen Staat ergriffen worden seien, hieß es am Mittwochabend auf seiner Plattform Truth Social. „Wirtschaftliche Kriegsführung und Isolation in beispiellosem Ausmaß“, ein „Wirtschafts-D-Day“.Was dann folgte, waren keine Details zum Vorgehen, sondern vornehmlich Drohungen gegen jene Länder, die noch mit Iran Geschäfte machen. Der amerikanische Präsident schrieb: „Ihr wisst, wer ihr seid.“ Wer den „Wahnsinnigen“ in Teheran Unterstützung zukommen lasse, werde selbst gewaltige wirtschaftliche Konsequenzen tragen müssen. Scheinfirmen, Bargeldtransfers, der Schmuggel von Öl und Schattenflotten – all das müsse aufhören.Die Ankündigung des Kurswechsels kam zu einem Zeitpunkt, an dem Trump sich mit dem Irankrieg in eine Sackgasse manövriert hat. Die vom Präsidenten viel gelobten Militärangriffe reichten nicht, um Iran zu Eingeständnissen zu zwingen. Und auch die Frist der Absichtserklärung für einen Waffenstillstand und dauerhaften Frieden ist in dieser Woche ohne Ergebnis abgelaufen.Die Unzufriedenheit der Amerikaner wächstDas Timing ist gefährlich für Trump: Gut zwei Monate vor den Kongresswahlen, in denen die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen müssen, wächst die Unzufriedenheit der Amerikaner. In einer jüngsten Umfrage von Reuters und Ipsos ist der Präsident nicht nur so unbeliebt wie noch nie in der zweiten Amtszeit. Zum ersten Mal seit Jahren war eine Mehrheit der Befragten außerdem der Meinung, den Demokraten sei in Wirtschaftsfragen und bei den Lebenshaltungskosten eher zu trauen. Maßgeblich für diese Einschätzung dürften die Benzinpreise sein, die seit dem Irankrieg kontinuierlich hoch sind.Trumps verbaler Angriff auf Iran blieb jedoch insofern farblos, als er nicht ausführte, was neben den ohnehin geltenden Sanktionen gegen Iran getan werden soll. Vor seinem Beitrag am Mittwoch nach wirtschaftlichen Maßnahmen gefragt, gab er zurück, es gebe „neue Dinge“, die Washington sanktionieren könne. Man habe „sehr drakonische Sanktionen“ und müsse sehen, was passiere. Es werde entweder sehr gut laufen und der Ölpreis falle stark, „oder wir machen einfach genauso weiter wie bisher“. Die Lage sei „sehr gut“.Fachleute werfen ein, das seit Jahrzehnten an Sanktionen gewöhnte Iran wirtschaftlich auszubluten, könne Monate oder gar Jahre dauern. Dessen größter Handelspartner ist außerdem China. Trump hatte Anfang der Woche zwar hervorgehoben, es würden dieser Tage keine Gespräche mit dem Regime geführt. Doch Washington bemüht sich im Stillen offenbar doch um eine Lösung für die blockierte Straße von Hormus, die das wichtigste Nadelöhr der Welt für den Energiemarkt ist und vor dem Krieg geöffnet war. Nach Angaben des Nachrichtenportals Axios hat das amerikanische Militär einen Schifffahrtskorridor durch einen südlichen Kanal entlang der Küste Omans eingerichtet, durch den seit mehreren Wochen pro Nacht 15 bis 30 Tanker in die Meerenge ein- und ausfahren. So würden knapp zehn Millionen Barrel Öl am Tag in den globalen Energiemarkt eingespeist, etwa halb so viel wie vor dem Krieg.Schützenhilfe aus den EmiratenLaut mit dem Vorgang vertrauten amerikanische Regierungsbeamten fahren die Schiffe in bestimmten Zeitfenstern in Kolonne in die Straße von Hormus und wieder hinaus. Möglich geworden sei das durch einen amerikanischen Angriff, der Irans Radar- und Seeüberwachungssysteme geschwächt habe. Einige der größtenteils „blind“ abgefeuerten iranischen Raketen sollen trotzdem Schiffe getroffen haben; ein Großteil wurde bislang jedoch offenbar abgefangen. Präsident Trump nahm am Mittwoch indirekt Bezug auf den Bericht: Er sagte vor Journalisten, es werde eine „enorme Menge Öl“ aus der Straße von Hormus ausgeführt.Auch wenn zunächst unklar blieb, ob Washington dabei eine Rolle spielte – von einem seiner Alliierten am Golf erhielt Trump jedenfalls schon Schützenhilfe. Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten am Dienstag an, den Handel und alle Finanztransaktionen mit der Islamischen Republik auszusetzen. Kurz bevor die Führung in Abu Dhabi diese Entscheidung bekannt gab, hatte sie dem Regime in Teheran vorgeworfen, Raketen auf emiratisches Hoheitsgebiet abgefeuert zu haben. Der Schritt erfolge „im Lichte regionaler Eskalationen, die den regionalen und internationalen Frieden und die Sicherheit untergraben“, erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums.Auch hatte der emiratische Herrscher Muhammad Bin Zayid Al Nahyan vor der Verkündung des Schrittes mit Trump telefoniert. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio hatte außerdem mit dessen nationalem Sicherheitsberater Tahnoon Bin Zayid gesprochen. In den offiziellen Mitteilungen wurde das Thema nicht erwähnt. In jedem Fall ist der Vorstoß Abu Dhabis ein Schlag für die iranische Wirtschaft. Experten schreiben gerade Dubai – auch als Finanzplatz – eine Schlüsselrolle bei den Bemühungen Teherans zu, internationale Sanktionen zu umgehen.Laut Angaben der Welthandelsorganisation kommen 30 Prozent der iranischen Importe aus den Emiraten. Diese sind außerdem als Drehscheibe für den Handel wichtig. Das iranische Außenministerium zeigte sich erbost über den Schritt. Dieser untergrabe „die laufenden Bemühungen zur Stärkung des Vertrauens zwischen den Ländern der Region und zur Verhinderung einer Eskalation der Unsicherheit“, sagte ein Sprecher.
Trump kündigt Wirtschaftskrieg gegen Iran an
Der US-Präsident will Iran nun mit Sanktionsdruck in die Knie zwingen. Der Kurswechsel kommt zu einer Zeit, in der sich Trump mit dem Krieg in der Sackgasse befindet.










