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Wohnmobile stehen auf einem Campingplatz am Rhein. Foto: Arne Dedert/dpa Wohnmobile: Iran-Krieg, Preisschock, Insolvenzen – wie robust ist der Camper-Boom? Vor dem Caravan Salon häufen sich Insolvenzen bei Vermietern und Händlern und sorgen für Unruhe in der Branche. Warum der Markt trotzdem nicht vor einem Einbruch steht.
In wenigen Tagen startet der Düsseldorfer Caravan Salon, die wichtigste Messe der mobilen Reisebranche. Vom 28. August bis zum 6. September präsentieren die rund 800 Aussteller Caravans, Reisemobile und Campervans – vom preiswerten Einstiegs- bis zum ausgefeilten Luxusmodell. Zehntausende Besucher werden die neuesten Fahrzeuge nebst Zubehör, Ausbaulösungen, Dachzelten, Mobilheimen sowie Camping- und Caravaning-Bedarf begutachten. Und viele wollen nicht nur schauen, sondern direkt bestellen. Gute Zeiten also für die Branche?Tatsächlich ist die Lage nicht eindeutig. Einerseits scheinen weder die hohen Spritkosten noch die gestiegenen Preise für Neufahrzeuge die Begeisterung zu schmälern. Längst sind mehr als eine Million Reisemobile in Deutschland registriert. Den Jahresumsatz der Freizeitfahrzeug-Industrie taxieren Experten mittlerweile auf über 15 Milliarden Euro. Andererseits mussten in den vergangenen Monaten gleich mehrere Reisemobil-Händler und -Vermieter Insolvenz anmelden.Bestes Beispiel: die FreeVenture GmbH, die unter der Marke „Vanever“ mehr als 430 Campervans und Wohnmobile vermietet. Das Unternehmen stellte Anfang August Insolvenzantrag. Danach ging alles sehr schnell. Bereits am 16. August wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt.Vanever-Insolvenz Camper-Vermieter Vanever hat den Betrieb eingestellt Für Hunderte Urlauber platzt der Sommertraum: Einer der größten Vermieter für Camper und Wohnmobile wird abgewickelt. Was Kunden jetzt wissen müssen. von Henryk HielscherDas Unternehmen war in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hatte sich zu einem der größten Camper-Vermieter in Deutschland entwickelt. Erst Anfang 2025 wurden Teile der insolventen Campervermietung Off übernommen. „Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs, stark steigenden Kraftstoffpreisen und einer allgemeinen wirtschaftlichen Eintrübung veränderte sich das Buchungsverhalten der Kunden im Frühjahr 2026 erheblich“, begründete Geschäftsführer Philipp Jacke den Insolvenzantrag.Kürzere Buchungsvorlaufzeiten, steigende Stornierungsquoten und ein deutlicher Nachfragerückgang im gesamten Campermarkt hätten zu einem Liquiditätsengpass geführt, der trotz intensiver Verhandlungen mit Gesellschaftern und Lieferanten nicht habe behoben werden können.Vanever ist nicht der einzige InsolvenzfallBetroffen sind Hunderte Kunden, die ihren Urlaub nun umplanen müssen und ihre bereits geleisteten Vorauszahlungen wohl allenfalls teilweise und mit großer Verzögerung zurückerhalten werden. „Mir ist bewusst, dass diese Situation für viele Kunden in der laufenden Urlaubssaison eine ganz erhebliche Belastung bedeutet“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf Pohlmann von der Kanzlei Pohlmann Hofmann dazu mit. Die Einstellung des Betriebs sei jedoch „die einzig rechtlich zulässige und wirtschaftlich verantwortungsvolle Entscheidung“.Vanever ist in der Branche einer der größten Insolvenzfälle, aber nicht der einzige. Kurz zuvor – im Juli – hat es den Vermieter Colonia Reisemobile und den Dachzeltspezialisten Good Camper erwischt. Schon Ende Februar hatte der norddeutsche Traditionshändler Wohnwagen Bruns Insolvenz angemeldet. Auch Orange Reisemobile, CMS Reisemobile und Heck Caravan und Reisemobile durchliefen Insolvenzverfahren. Bei Schafhäutle, einem großen Reisemobil-Händler im Süden, nannte Insolvenzverwalter Sebastian Mielke von der Kanzlei Menold Bezler die übersättigte Marktlage als einen Hauptgrund der Schieflage. Nach der Corona-Pandemie seien zu viele Mobile auf den Markt gekommen. Das hätte einen Preisverfall und große Absatzschwierigkeiten ausgelöst.Warum die Branche trotzdem nicht vor dem Einbruch stehtBeim Deutschen Caravaning Handels-Verband (DCHV), der die Interessen von über 400 Fachhändlern, Werkstätten und Vermietern vertritt, gibt man sich derweil betont gelassen. „Einzelne Insolvenzen sorgen für Aufmerksamkeit“, sagt DCHV-Geschäftsführerin Ariane Finzel. Aber sie verzerrten das Bild: „Die Caravaning-Branche wächst seit Jahren überdurchschnittlich, und die Neuzulassungen sind weiterhin sehr hoch.“ Die große Mehrheit der Händler und Vermieter stehe deshalb solide da. Daran würden auch geopolitische Krisen oder die trübe konjunkturelle Lage wenig ändern. Viele familiengeführte Caravaning-Betriebe seien breit aufgestellt: „Sie handeln und vermieten Fahrzeuge, betreiben Werkstätten und verkaufen Zubehör“, sagt Finzel. „Diese Mischung hilft, Schwankungen in einzelnen Bereichen abzufedern.“Und die Insolvenzen? Sind aus Finzels Perspektive kein branchenweites Phänomen, sondern Ausdruck individueller Probleme und falscher Markteinschätzungen. So seien in der Corona-Zeit die Wiederverkaufswerte von Reisemobilen stark gestiegen, berichtet Finzel: „Teils ließen sich gebrauchte Fahrzeuge nahezu ohne Abschläge weiterverkaufen.“ In der Branche sei aber klar gewesen: „Das ist eine Sondersituation“. Trotzdem seien damals vermehrt externe Investoren in die Vermietung eingestiegen, um diesen Effekt mitzunehmen. Inzwischen sei aber wieder Normalität eingekehrt. Trotz des langfristigen Aufwärtstrends sei klar, dass „das Caravaning-Geschäft kein Selbstläufer ist, sondern professionelles Management braucht“, so Finzel. 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