PfadnavigationHomeRegionalesRheinland-Pfalz & Saarland«Und danach war Chaos»: Unwetter fegt über Rheinland-PfalzStand: 13:15 UhrLesedauer: 4 Minuten«Das ging fünf Minuten ungefähr, dann ist hier der ganze Schutt durch die Gegend geflogen», sagt ein Anwohner.Quelle: Thomas Frey/dpaMehr als 60 Orte ohne Strom, viele Gebäude beschädigt, eine Tote: Das Ausmaß der Zerstörung im nördlichen Rheinland-Pfalz wird erst nach und nach deutlich. Wie Betroffene und Helfer die Lage erleben.Eine Tote, abgerissene Giebelwände, umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer: Das Unwetter, das am Mittwochabend über den Norden von Rheinland-Pfalz zog, hat schwere Schäden angerichtet. Zwischen 15 und 30 Minuten habe der Sturm gedauert, sagte Marco Weißer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich kann das gar nicht beschreiben, das war wie ein Tornado, der hier durchgefegt ist und danach war Chaos.»Das gesamte Ausmaß der Schäden in Höhr-Grenzhausen wurde erst im Laufe des Donnerstags sichtbar. Etliche Dächer waren abgedeckt, Wände eingestürzt, Gebäude beschädigt und Bäume umgeknickt. «Hier sind dicke Eichen wie Streichhölzer über der Wurzel abgeknickt», sagte Weißer. Teilweise seien in Höhr-Grenzhausen Fenster mitsamt den Rahmen in Gebäude gedrückt worden. Der Wind habe eine solche Kraft gehabt. «Hier ist alles kaputt zum Teil», sagte Weißer. Zäune und Verkehrsschilder seien verbogen, auch Straßenlaternen seien einfach umgeknickt.In Waldorf im Landkreis Ahrweiler wurde eine Frau von einem herabstürzenden Baum getroffen und tödlich verletzt. Eine weitere Frau erlitt dabei schwere Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Die beiden Frauen im Alter von 58 und 47 Jahren waren gemeinsam Spazieren, als das Unwetter aufzog und sie Schutz bei einer überdachten Sitzgruppe suchten. Als ein nahe gelegener Baum durch das Unwetter entwurzelt wurde und auf die Sitzgruppe stürzte, wurden beide Frauen getroffen. Die 58-Jährige sei am Unfallort gestorben, sagte ein Polizeisprecher. Die 47-Jährige sei in ein Krankenhaus gebracht worden.Einsatzkräfte im DauereinsatzAn zwei Häusern in Höhr-Grenzhausen sind Giebelwände abgerissen. «Der Sturm kam mit Regen und hat hier alles auseinandergerissen. Das ging fünf Minuten ungefähr, dann ist hier der ganze Schutt durch die Gegend geflogen», sagte Dennis, ein Anwohner in Höhr-Grenzhausen. Als er die Tür aufgemacht habe, seien ihm Steine und Dachziegel entgegengeflogen gekommen. Nach fünf Minuten sei es dann draußen wieder still gewesen.«Da standen dann gestern Abend über 20 Personen im strömenden Regen, darunter eine schwangere Frau», sagte Bürgermeister Weißer zu den eingestürzten Giebelwänden. Die Menschen seien in Notunterkünften untergebracht worden. In der Verbandsgemeinde sei trotz der verheerenden Schäden niemand verletzt worden, sagte Weißer. Wenn er daran denke, was die Einsatzkräfte in der Nacht geleistet haben, kämen ihm fast die Tränen. «Die haben zum Teil heute Nacht nicht geschlafen, was die hier leisten ist menschenunmöglich», sagte er mit brüchiger Stimme.500 bis 600 Kräfte seien in der Nacht im Einsatz gewesen, sagte Innenminister Achim Schwickert (CDU) am Donnerstag im Landtag. Auch das neue Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz habe unterstützt. Laut Schwickert hatte die Gewitterzelle ihren Schwerpunkt im südlichen Westerwaldkreis. Ob es ein Tornado war, sei unklar. Allerdings seien Böen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde gemessen worden. «Der Klimawandel ist keine theoretische Prognose mehr. Er ist Realität», sagte der CDU-Politiker.Verheerende Schäden im ganzen WesterwaldkreisAuch andere Orte im Westerwaldkreis meldeten teils schwere Schäden. In der Ortsgemeinde Boden seien rund 30 Wohnhäuser beschädigt, Dächer abgedeckt und Wände eingedrückt worden, teilte die Verbandsgemeinde Montabaur mit. Auch die Verbandsgemeinde Wirges berichtet von zahlreichen Schäden an Gebäuden und Bäumen. In der Verbandsgemeinde Ransbach-Baumbach wurden mehr als 100 Einsatzstellen abgearbeitet, so die Gemeindeverwaltung.Mindestens neun Landes- und Kreisstraßen waren dem Landesbetrieb Mobilität zufolge am Donnerstagmittag noch teilweise gesperrt. Rund 30 Ortsgemeinden waren am Morgen noch immer nicht wieder an das Stromnetz angeschlossen. Insgesamt hatten 65 Gemeinden zeitweise keinen Strom, sagte eine Sprecherin der Energieversorgung Mittelrhein.Viele Schulen im Westerwaldkreis wiesen bereits in der Nacht darauf hin, dass der Unterricht am Donnerstag entfällt und nur eine Notbetreuung angeboten werden kann.Schon am Freitag werden neue Gewitter erwartetIn Höhr-Grenzhausen hat man derweil schon mit den Aufräumarbeiten begonnen, auch als Schutz vor weiterem Regen. «Wir sind laufend im Kontakt mit Dachdeckern, wir haben Leute die ohne Dachstühle dastehen, da wird provisorisch mit Planen abgedichtet, damit beim nächsten Regen nicht die Decken runterkrachen», sagte Bürgermeister Weißer. Doch bis die gröbsten Schäden beseitigt sind, könne es bis Mitte oder Ende nächster Woche dauern.Viel Zeit bleibt für die provisorischen Abdeckungen nicht. Für Freitag meldet der Deutsche Wetterdienst neue Schauer, Gewitter und heftigen Starkregen mit bis zu 35 Litern Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde.dpa-infocom GmbH
«Und danach war Chaos»: Unwetter fegt über Rheinland-Pfalz - WELT
Mehr als 60 Orte ohne Strom, viele Gebäude beschädigt, eine Tote: Das Ausmaß der Zerstörung im nördlichen Rheinland-Pfalz wird erst nach und nach deutlich. Wie Betroffene und Helfer die Lage erleben.












