Es gibt nicht viel, das Sassnitz mit Sydney, New York oder Dubai gemein hat. Erik Kosegarten-Heil hält das für eine gute Sache. „In diesen Megastädten sind wir immer nur ein kleines Event von vielen. In Sassnitz dagegen sind wir seit Tagen das Thema“, sagt der Skipper der deutschen SailGP-Crew. Das würden auch die übrigen Teams merken, in denen unter anderem internationale Segel-Superstars wie Peter Burling, Nathan Outteridge oder Tom Slingsby am Steuerrad sitzen. „Natürlich haben die sich im letzten Jahr gefragt, wo Sassnitz liegt und wie es dort ist. Aber dann fanden es alle richtig gut. Sie freuen sich, jetzt wieder dort zu sein“, sagt Kosegarten-Heil.An diesem Wochenende ist mit der SailGP-Rennserie zum zweiten Mal eines der momentan wohl spektakulärsten Segelevents der Welt in dem kleinen Küstenstädtchen auf der Ostseeinsel Rügen zu Gast. Dreizehn baugleiche F50-Katamarane jagen dann – aufgeteilt in zwei Gruppen – im Kampf um die beste Platzierung mit bis zu 54 Knoten (etwa 100 Kilometern in der Stunde) über einen engen Kurs in der Binzer Bucht.„Bis 2030 können wir eines der Topsportevents der Welt sein“Zwar kann diese nicht wie die oben genannten Metropolen mit einer beeindruckenden Skyline aufwarten. Dafür bietet Sassnitz mit einer relativen Sicherheit allerdings jene Bedingungen, welche die SailGP-Teams und ihre Boote zu Spitzenleistungen benötigen: ein zumeist gleichmäßiger, aber nicht zu starker oder zu schwacher Wind.Ein Gewässer, das keine allzu großen Wellen produziert. Und ein Ufer, das Tribünen für mehr als zehntausend Zuschauer beherbergen kann und es zugleich möglich macht, dass die spektakulären Überhol- und Wendemanöver der Katamarane auf dem Wasser nur in wenigen Dutzend Meter Entfernung stattfinden. Bei der Auswahl einer geeigneten SailGP-Location in Deutschland setzte sich Sassnitz vor knapp zwei Jahren daher relativ schnell gegen die Kieler Förde, den Chiemsee und einen Ort an der stark von Ebbe und Flut sowie einem häufig aufgewühlten Meer beeinflussten Nordseeküste durch.Und das Städtchen im äußersten Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern enttäuschte die Organisatoren schon bei seiner ersten Auflage nicht: Neben der Begeisterung der Fans über den Einzelsieg des deutschen Teams im ersten Rennen und den insgesamt fünften Rang sorgte die dänische Crew mit einer Geschwindigkeit von etwa 56 Knoten (103,93 Kilometern in der Stunde) für einen Saisonrekord. Ähnlich hoch sind – bei etwas schlechteren Wetteraussichten – die Erwartungen der etwa 13.000 angekündigten Zuschauer für dieses Jahr.Sassnitz bleibt zudem Teil einer internationalen Expansion, die die SailGP-Rennserie seit ihrer Gründung vor sieben Jahren mit ziemlich großen Schritten vorantreibt: 2027 wird die insgesamt 13 Events umfassende Saison bereits im Januar in Hongkong starten und damit erstmals im östlicheren Asien gastieren.Danach finden die Rennen vor teilweise atemraubenden Skylines und Kulissen in Australien und Nordamerika statt, bevor die Rennserie im Sommer und Spätsommer in mehreren Städten in Europa haltmacht und die Saison danach zunächst in Rio de Janeiro, dann in Dubai und schließlich an einem noch nicht bekannt gegebenen Ort Ende November oder Anfang Dezember ihr furioses Ende findet.Die F50-Katamarane fordern den Crews geistig und körperlich alles ab„In den ersten fünf Jahren ging für SailGP es darum, ein Fundament aufzubauen, Neues auszuprobieren und daraus zu lernen. Jetzt beginnt eine neue Phase, geprägt von Publikumswachstum, Kontinuität und Reichweite“, sagt SailGP-Managing-Director Andrew Thompson. „Bis 2030 können wir eines der Topsportevents der Welt sein – und sind dann vielleicht sogar auf Augenhöhe mit der Formel 1. Und Deutschland mit seinen sportbegeisterten Menschen spielt dabei für uns eine immens wichtige Rolle.“An einem wichtigen Rezept des SailGP-Erfolgs wird laut den Organisatoren jedoch vorerst nichts geändert: den Booten. Die von der Liga gebauten, gewarteten und an die Teams vermieteten F50-Katamarane werden zwar in vielen Details immer wieder leicht optimiert.Zudem soll es für die Teams auch mehr Trainingsboote und häufigere sowie längere Trainingsmöglichkeiten geben. Im Kern jedoch sollen sich die mehrere Hunderttausend Euro kostenden Yachten jedoch – auch aus Sicherheitsgründen – nicht verändern. Sie sind einfach schon jetzt unfassbar schnell und verlangen den Crews geistig und körperlich alles ab.Mit seinem Erfolg sowie den Erweiterungen und leichten Anpassungen setzt SailGP jedoch auch einen der ältesten Wettbewerbe der Welt weiter massiv unter Druck. So haben sich die Organisatoren des America’s Cup bereits für die nächste Auflage des Wettbewerbs im nächsten Sommer in Neapel bei ihren Modernisierungsplänen – regelmäßigere Ausrichtung, wiederverwendbare Boote, spannendere Rennen – einige Dinge von ihren erfolgreichen SailGP-Konkurrenten abgeschaut.Zwar hat Tim Krieglstein, der Geschäftsführer des deutschen SailGP-Teams, gegenüber der F.A.Z. bereits im Winter betont, dass er SailGP und America’s Cup für so unterschiedliche Wettbewerbe halte wie die Weltmeisterschaft und die Champions League im Fußball. Die gegenseitige Konkurrenz sei daher nicht so immens.Dennoch halte er es für wünschenswert, wenn sich der America’s Cup wieder auf mehr seine Alleinstellungsmerkmale konzentrieren würde. „Dann ergänzen sich beide Formate ziemlich gut“, meinte Krieglstein. SailGP bliebe so der spektakulärste Segelwettbewerb der Welt. Und die internationalen Stars der Szene können Sassnitz auf Rügen weiterhin einmal im Jahr in Aufruhr versetzen.
SailGP in Sassnitz: So will das Segelrennen eines der Topsportevents der Welt werden
SailGP ist einer der spektakulärsten Segelwettbewerbe überhaupt. Nun ist die Serie zum zweiten Mal in Sassnitz zu Gast. Die Stadt auf Rügen ist Teil eines großen Plans der Organisatoren.












