Ausschaffen, egal, wohin: Trump lässt unliebsame Immigranten inzwischen auch nach Liberia ausfliegenErst soll nur der mutmassliche Gangster Kilmar Ábrego García in das westafrikanische Land gebracht werden. Nun will das Weisse Haus über tausend illegal Eingewanderte in die angeblich «blühende Demokratie» schicken. Trump zieht die Immigrationsschrauben an.19.08.2026, 19.31 Uhr3 LeseminutenKilmar Ábrego García sass im berüchtigtsten Gefängnis von El Salvador. Später sollte er nach Liberia ausgeschafft werden.ImagoIm März 2025 war Kilmar Ábrego García nach El Salvador abgeschoben worden. Die Einwanderungsbehörde ICE liess den 30-Jährigen in seine alte Heimat ausschaffen, obwohl ihm dort Folter und Verfolgung drohten. Das war rechtswidrig. Denn Jahre zuvor hatten ihm die amerikanischen Behörden einen Schutzstatus gewährt. Er lebte und arbeitete legal in den USA, er war nicht vorbestraft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Das Justizministerium hatte eine neue Anklage wegen Menschenschmuggels erhoben, er kam in Abschiebehaft.Weil die Ausschaffung nach El Salvador vom Obersten Gericht verunmöglicht worden war, suchte ICE nun nach einem Drittstaat, wohin García geschickt werden konnte. Uganda, Eswatini und Ghana gaben dem Drängen aus Washington nicht nach. Erst Liberia zeigte sich bereit, ihn aufzunehmen. Im Oktober teilte die amerikanische Regierung in einem Gerichtsdokument mit, sie plane, García in die dortige «blühende Demokratie» abzuschieben. Doch eine Bundesrichterin blockierte das Vorhaben in letzter Sekunde.Liberia statt Costa RicaSeither ist der Fall von Kilmar Ábrego García hängig. Der Verdacht auf Menschenschmuggel hat sich nicht erhärtet, er wurde auf Kaution freigelassen. García, offenbar zermürbt, zeigte sich bereit, die USA freiwillig zu verlassen. Nach Costa Rica, so liess er verlauten, würde er ausreisen.Doch die ICE hat sich in Liberia verbissen. Man habe schon zu viele Ressourcen in die Verhandlungen mit dem westafrikanischen Land gesteckt, so argumentierte der damalige Direktor der Behörde, Todd Lyons. Eine Ausreise nach Costa Rica sei «nachteilig für die Interessen der USA».Während also weiter um García gerungen wird, will Trump nun in anderen Fällen von der Aufnahmewilligkeit Liberias profitieren. Präsident Joseph Boakai hat zugestimmt, jährlich bis zu 1200 aus den USA abgeschobene Migranten aufzunehmen. Ein erster Flug mit zwanzig Personen aus Drittstaaten, aus Afrika, Südamerika und der Karibik, soll am Donnerstag in Liberia landen.Laut dem liberianischen Informationsminister Jerolinmek Piah sei keiner der Ankömmlinge vorbestraft. Entsprechend würden sie als «Gäste» empfangen. Sie stünden nicht unter Strafverfolgung und könnten Liberia jederzeit wieder verlassen. Die Regierung des Landes, das einst gegründet worden war, um befreite Sklaven aus den USA aufzunehmen, betont, dass sie das Abkommen aus «rein humanitären Gründen» unterzeichnet habe. Es gebe keine finanzielle Gegenleistung.Mexikaner werden nach Guatemala gebrachtBei der Vereinbarung der Trump-Regierung mit Liberia handelt es sich nicht um die erste ihrer Art, aber die mit Abstand weitreichendste. Während etwa Ghana, Äquatorialguinea, Eswatini, die Demokratische Republik Kongo und Sierra Leone vereinzelt Menschen aus Drittstaaten, die die USA verlassen mussten, aufgenommen haben, verpflichtet sich Liberia zu einer Annahme im grossen Stil.Überhaupt scheint die Trump-Regierung ihre Bemühungen, unliebsame Migranten loszuwerden, mit neuer Vehemenz voranzutreiben. So wurden, wie CBS News berichtete, jüngst Hunderte mexikanische Staatsbürger heimlich nach Honduras und Guatemala abgeschoben. Zwar gibt es rechtlich keinen Grund, weshalb diese Personen nicht in ihre Heimat zurückgeführt wurden. Wer jedoch an der Grenze nach Mexiko abgeschoben wird, so fürchtet Washington wohl, könnte versucht sein, den Übertritt gleich noch einmal zu versuchen.Mit Abschiebungen nach Mittelamerika und bis nach Afrika will das Weisse Haus offenbar ein Signal der Abschreckung aussenden. Ein Sprecher des Ministeriums für Inlandsicherheit erklärte, dass die Trump-Regierung «alle rechtmässigen Optionen» nutze, um die «grösste Abschiebungsoperation in der Geschichte durchzuführen, so wie es Präsident Trump versprochen hat».Liberias Präsident Joseph Boakai hat zugestimmt, von den USA jährlich bis zu 1200 Migranten aus Drittstaaten aufzunehmen.APPassend zum Artikel