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Die Raffinerie Omsk in Sibiren war lange Zeit außer Reichweite der Ukraine – jetzt nicht mehr. Foto: LiveEO/Google Earth Wirtschaft von oben #416 – Russische Raffinerien: Wo Kiews Drohnen auf Öl-Jagd gehen Die russische Ölindustrie ächzt unter anhaltenden Drohnenangriffen. Hat die Ukraine endlich die Achillesferse Russlands gefunden? Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.

Russland schafft es nicht, das Herzstück seiner Wirtschaft zu schützen: So oder so ähnlich kann man das Ergebnis der ukrainischen Drohnenangriffe der letzten Monate zusammenfassen. Rund 40 große und kleine Raffinerien bilden das Rückgrat der russischen Energieinfrastruktur – ein signifikanter Teil ist aktuell außer Betrieb. Sowohl dieser Zustand als auch die Gründe, die dazu geführt haben, sind Lehrstücke für die Sicherheit des europäischen Kontinents.Hierbei sind zwei Blickwinkel entscheidend: die militärische Durchhaltefähigkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Der Krieg in der Ukraine dauert bereits – je nach Leseart – über vier oder über zwölf Jahre an. Der Aggressor Russland war seitdem mit einem variierenden Level an Sanktionen westlicher Staaten konfrontiert, die jedoch nicht in der Lage waren, Militär oder Wirtschaft des Landes zu lähmen. Die Ukraine hat das geändert.Die Benzinkrise trifft die FrontDer ukrainische Wunsch nach westlichen Langstreckenraketen ist so alt wie der Konflikt. Doch sowohl die USA als auch die Europäer haben lange gezögert, solche Waffen zu liefern, aus Angst vor russischen Vergeltungsschlägen. Jetzt produziert die Ukraine die nötigen Drohnen und Raketen selbst. Drohnen wie FP-1 und Sky Ranger, sowie Raketen wie FP-5 Flamingo und Neptune operieren tief in russischem Luftraum – nahezu ungestört.Die wichtigste Grundlage für diesen Erfolg der Ukraine ist die weitgehende Abwesenheit russischer Luftverteidigung über dem eigenen Territorium – ausgenommen Moskau und St. Petersburg. Dies kann man einerseits auf die lange zu beobachtenden Angriffe der Ukraine auf entsprechendes Militärgerät zurückführen.Andererseits ist dafür auch schlicht die Größe Russlands entscheidend: Das russische Militär hat nicht die Zahl an Luftabwehr-Anlagen, die nötig wäre, um alle Winkel des Flächenlandes abzudecken. „Es geht nicht mehr nur darum, wie viele Drohnen die Ukraine senden kann. Entscheidend ist, wie viele Ziele Russland gleichzeitig verteidigen muss“, schreibt auch Jarno Limmnell in einer Einschätzung auf der Plattform X. Der finnische Parlamentsabgeordnete hat einen Doktorgrad in Kriegs- und Konfliktwissenschaften.Mit anderen Worten: Wer Raketen und Drohnen mit Reichweiten von 1000 bis 3000 Kilometern besitzt, den kann Russland kaum aufhalten.Seit Anfang Mai hat die Ukraine vor allem ein Ziel: die russischen Raffinerien. Die Öl-und-Gas-Infrastruktur ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes und die im Land verteilten Raffinerien versorgen sowohl die Inlandsnachfrage als auch den Exportmarkt.Für die Ukraine entscheidend: Während der Diesel, das Benzin und das Kerosin die russischen Panzer und Flugzeuge an die Front bringen, sorgen die Exporteinnahmen dafür, dass der industriell-militärische Komplex weiterläuft. Bis jetzt.