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Trotz zahlreicher Bewerbungen schaffen es viele junge Akademiker nicht ins Bewerbungsgespräch Foto: imago images/Westend61 Jobsuche: 65 Bewerbungen ohne Erfolg – was ein Personalchef seinem Sohn rät Nicholas Kirk arbeitet seit 32 Jahren im Personalwesen. Er erklärt, warum die Jobkrise junge Menschen derzeit so hart trifft – und wozu er seinem 21-jährigen Sohn rät.
WirtschaftsWoche: Herr Kirk, Sie arbeiten seit fast 32 Jahren für den Personaldienstleister Michael Page, sind seit 2023 CEO und sprechen mit vielen Managern. War die Arbeitsmarktlage für junge Menschen während Ihrer Karriere schon mal so mies wie aktuell? Nicholas Kirk: Berufseinsteiger hatten es auch zu anderen Zeiten schwer. Ich selbst habe Anfang der 1990er-Jahre meinen Uni-Abschluss gemacht. Also mitten in einer Rezession in Großbritannien. Ich wollte damals im Marketing arbeiten, das war mein großer Wunsch. Aber es gab keine Jobs im Marketing, ich habe viele Absagen erhalten und in einem ganz anderen Bereich angefangen – im Vertrieb bei Michael Page.Sie sagen also, dass es für Berufseinsteiger schon immer schwer war, an den Traumjob zu kommen? Nein. Wir erleben gerade schon eine sehr besondere Situation. Es ist sehr hart für Anfänger. Anders als in den 1990er-Jahren dauert die wirtschaftliche Schwächephase nun schon seit der Pandemie an. Und diese Krise trifft Berufseinsteiger ganz besonders. Mein Sohn ist 21 Jahre alt und sucht nach seiner Zeit an der Business School nun auch einen Job. Er hat 65 Bewerbungen geschrieben – und noch nichts gefunden.Warum trifft die Krise junge Menschen so sehr? Menschen am Anfang ihrer Karriere stellen für Firmen eine riskante Investition dar. In den meisten Organisationen machen diese Personen im ersten Jahr Verlust. Im zweiten Jahr kommen sie wahrscheinlich über das Jahr gesehen ungefähr bei null raus. Im dritten Jahr beginnen sie, Gewinn zu bringen. Manager müssen also erstens überzeugt sein, dass die Einsteiger bis zu diesem dritten Jahr bleiben. Und zweitens müssen Berufseinsteiger das Potenzial und die passenden Fähigkeiten haben, um diese ersten 24 Monate erfolgreich zu überstehen. Viele Unternehmen wägen gut ab, ob sie dieses Risiko in der Krise eingehen wollen – und setzen stattdessen häufig auf Menschen mit Erfahrung, die vermeintlich schneller Wertschöpfung generieren.Nicholas Kirk Foto: Michael Page Zur Person Nicholas „Nick“ Kirk arbeitet seit fast 32 Jahren für die 1976 gegründere Personalberatungsgesellschaft Michael Page. Das Unternehmen beschäftigt rund 6000 Menschen in 34 Ländern. Kirk fing als Berater im Vertrieb von Michael Page an und arbeite sich hoch zum Geschäftsführer für Großbritannien und Irland. Seit 2023 leitet er das Unternehmen als CEO.Und dann sagen sich viele Firmen auch noch: Die KI kann das doch ebenso gut? Die größte Rolle spielt gerade zweifelsfrei der Kostendruck. Aber: Ich höre von Geschäftsführern durchaus, dass sie heute drei statt vier Analysten brauchen, weil KI Aufgaben übernehmen kann. Was ich jedoch nicht höre: Dass sie gar keine Analysten und nur noch KI benötigen. Also: Es gibt noch Chancen, nur sind sie viel kleiner geworden.Was sollten junge Menschen denn nun tun? Was raten Sie Ihrem Sohn? Ich versuche, meinen Sohn nicht zu belehren. Er soll, will und muss seine eigenen Erfahrungen machen. So viel vorab. Aber klar, ein paar Hinweise gebe ich ihm schon. Zum einen: Schreibe weiterhin Bewerbungen, lass dich nicht unterkriegen. Sicher, das ist ehrlicherweise ein schwacher Trost. Aber es hilft nichts: Jobsuche bleibt ein Zahlenspiel. Man muss Dutzende, vielleicht Hunderte Male ein „Nein“ hören, um ein „Ja“ zu erhalten.Klingt ziemlich frustrierend. Das stimmt. Aber wie gesagt: Es hilft nichts. Es gilt, die miese Arbeitsmarktlage zu akzeptieren. Ich kann jungen Menschen nur raten, sich nicht zu sehr einzuschränken. Wer sich häufig bewirbt, wird sicherer in Bewerbungsgesprächen: Wenn man auf diesen einen Wunschjob wartet und vorher keine Interviews geführt hat, passieren im entscheidenden Gespräch für den Traumjob womöglich Fehler. Nur weil du für ein Unternehmen auf den ersten Blick nicht unbedingt arbeiten willst, heißt das nicht, dass du dich nicht bewerben solltest. Ich hatte von der Branche der Personaldienstleistung, in der ich meine Karriere aufgebaut habe, damals noch nie gehört. Ich habe bei Michael Page angefangen, es stellte sich heraus, dass ich gut in dme Job war. Mit der Zeit entwickelte ich eine Leidenschaft dafür. Und jetzt bin ich hier.Arbeitsmarkt Junge Akademiker finden plötzlich schwer ins Arbeitsleben von Dominik ReintjesAlso sollten Bewerber die Ansprüche senken? Ein Stück weit schon, ja. Wenn der Arbeitsweg zu weit erscheint, das Gehalt zu niedrig, kann das sicherlich erst mal abschreckend wirken. Wer sich aber mit Engagement zu Beginn der Karriere einbringt, schnell Kontakte im Unternehmen schließt, Projekte und Extraarbeit übernimmt, kann mit Geduld, Erfahrung und Erfolgen die Karriere gestalten.Was hilft noch? Hartnäckigkeit. Vielleicht sogar ein wenig Penetranz. Ich habe meinem Sohn empfohlen: Greife einen Tag nach Bewerbungsschluss zum Telefon und erkundige dich, wie es nun weitergeht. Bedanke dich persönlich für die Zeit und die Chance. So verleiht man der eigenen Bewerbung Persönlichkeit – wo Unternehmen gerade haufenweise nichtsagende KI-Bewerbungen erhalten. Sicherlich: Jeden Tag anzurufen, wird die Personaler schnell nerven. Aber einmal zu signalisieren, dass einem der Job wichtig ist, schadet nicht.Hier finden Sie eine Auswahl der Summer-School-Artikel:Warum die härteste Management-Ikone plötzlich wieder Vorbild istMeine Mitarbeiterin ist krank – wie kann ich endlich wieder planen?12 Milliarden Euro Vermögen – aber immer noch kein Nachfolger für Friedhelm LohFür Berufseinsteiger bleibt ein Problem: Wie sollen sie Erfahrung, die sich Unternehmen in der Krise so sehr wünschen, nachweisen, wenn sie überhaupt keine haben? Sie müssen jede Chance nutzen, um Erfahrung in den Bereichen, wo sie arbeiten wollen, zu sammeln. Alles hilft, auch ein einwöchiges Praktikum. Auch wenn es verlockend ist, in dem Semesterferien abzuschalten und zu verreisen: Mit einem Studium allein schaffst Du es nicht nach oben auf den Bewerbungsstapel.In der WiWo Summer School liefern wir Ihnen Inspiration, die Ihren Managementalltag verändert. Hier finden Sie alle Lektionen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick






