Zum Aufbruch in dieses neue Kapitel war auch Herbert Hainer gekommen. Bei 35 Grad wäre es auf der Terrasse des VIP-Bereichs wohl angenehmer gewesen, aber der Präsident des FC Bayern wollte im Sportpark Unterhaching lieber unter den Zuschauern mitkriegen, wie die Stimmung so ist bei der Einweihung des künftigen Zuhauses der Fußballerinnen. „Ich war ein bisschen in der Menge. Wenn man mit den Leuten spricht, die finden das alle toll“, berichtete Hainer in der Halbzeit und wirkte ganz beglückt. „Ich glaube, wenn das mal alles fertig ist, 2029 mit dem neuen Performance-Center, dann ist das eine Revolution im deutschen Frauenfußball!“Der Start dieser angekündigten Revolution, ein 2:0 im Test gegen Paris FC, sah mit 6000 Zuschauern schon mal vielversprechend aus. Mitte Dezember hatte der FC Bayern die Spielstätte in der Münchner Vorstadt für 7,56 Millionen Euro gekauft. Hier soll das Zentrum des Frauenfußballs entstehen, bis zum Jahr der Heim-EM 2029 soll die gesamte Abteilung in das Areal umziehen, ab der Saison 2026/27 sind die Partien der Champions-League-Ligaphase und womöglich weitere Spitzenspiele in Unterhaching geplant. Die Umkleiden, Auswechselbänke, Flutlichtanlage und den VIP-Raum haben sie schon erneuert, im September wird ein neuer Rasen verlegt, weitere Baumaßnahmen folgen. 15 000 Zuschauer passen in den Sportpark, damit schließt sich eine Lücke zwischen den 2500 Plätzen im Campus-Stadion und den 75 000 in der Arena.MeinungFußball:Das Stadion in Unterhaching ist das Mindeste, was der FC Bayern für seine Fußballerinnen tun muss„Unsere Leute“, sagte Hainer, „haben sich etliche Leistungszentren angeschaut in Manchester, in Liverpool. Da sieht man halt, was State of the Art ist im Moment. Und das werden wir hier auch schaffen.“ Der FC Bayern setze damit „neue Standards, wir setzen europäische Maßstäbe“. National sendet der Verein mit dem Bau tatsächlich ein Signal, das die Führungsrolle unterstreicht. Aber der FC Bayern kann auch gar nicht anders, als dem Beispiel europäischer Top-Klubs zu folgen, wenn er auf dem Transfermarkt attraktiv bleiben will. Die Münchner wechseln bislang ihre Rolle zwischen den Welten: In Deutschland dominiert der Doublesieger, international kämpft er damit, zu den besten Teams zu gehören – und schaffte es in der Champions League bisher nicht übers Halbfinale hinaus.Die Verträge von neun Spielerinnen laufen zum Saisonende aus, darunter Franziska Kett, Linda Dallmann, Giulia Gwinn – und Klara BühlDass jemand wie Georgia Stanway den Verein verlassen hat, als antreibende Regisseurin elementar, wiegt da unter den Weggängen bekannter Spielerinnen wie Torhüterin Mala Grohs, Carolin Simon und Lea Schüller besonders schwer. Auch für die Bundesliga. Mit der englischen Nationalspielerin hat sich nach vier Jahren einer der größten Namen verabschiedet, und dann auch noch mit der Begründung, die vernichtend klang. „Ich möchte in einer wettbewerbsfähigeren Liga spielen, in der es durchgehend hohen Druck und hohe Anforderungen gibt“, sagte Stanway The Athletic. Jetzt trägt sie das Trikot des FC Arsenal in der Women’s Super League, Stichwort State of the Art.Und der FC Bayern konnte zwar sonst seine Leistungsträgerinnen halten, muss aber aufpassen, dass nicht die nächste zentrale Figur geht. Die Verträge von neun Spielerinnen laufen zum Saisonende aus, darunter prominente deutsche Nationalspielerinnen wie Franziska Kett, Linda Dallmann, Giulia Gwinn – und Klara Bühl. Bereits vergangenen Sommer waren Gerüchte über einen Abschied Bühls zum FC Barcelona aufgekommen. Der Deal soll nicht zuletzt wegen der Verschuldung der Katalanen gescheitert sein. Auch aus England lagen ihr lukrative Angebote vor. Die 25 Jahre alte Flügelspielerin ist längst zu den besten Fußballerinnen aufgestiegen, in der Münchner Offensive ist sie mit Pernille Harder vergangene Saison die wichtigste Spielerin gewesen. Und sie weiß um ihren Marktwert.„Jede Woche spielt da eine Rolle“, sagte Bühl in Unterhaching mit einer Fröhlichkeit, die das Gewicht ihrer Worte fast kaschierte. „Für mich gilt es, immer alles rauszuholen, und dann zu schauen, wo der Weg von der Mannschaft hingeht, wie wir performen. Ich glaube, da spielt ganz, ganz viel in meine Zukunft rein.“ Bianca Rech erzählte, dass beide Seiten in engem Austausch seien, die kommenden Wochen vergehen lassen wollen, „und dann setzen wir uns im Herbst zusammen“.Lena Oberdorf ist nach ihrem zweiten Kreuzbandriss ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Wann sie ihr erstes Spiel absolviert, ist noch offen. Frank Hoermann/Sven Simon/ImagoDie Direktorin der Frauenfußball-Abteilung wirkte nicht sonderlich beunruhigt, im Gegenteil. „Es war der entspannteste Sommer, den ich je hatte. Der Kader war geplant, wir haben es genauso umgesetzt, wie wir es umsetzen wollten“, sagte Rech. Mit vielen Spielerinnen sei man bereits in Gesprächen, „wir sehen da eigentlich auch recht entspannt in die Zukunft“. Der Kern des Teams ist geblieben, die Mischung hat sich verändert. Die fünf Zugänge können unter der Kategorie Entwicklungsspielerin verbucht werden. „Das sind alles sehr junge Spielerinnen“, sagte Trainer José Barcala, „sie sind mittel- und langfristige Projekte. Wir erwarten von ihnen keine sofortige Performance, wir müssen geduldig mit ihnen sein. Sie sind alle besonders, aber sie brauchen Zeit.“Dominant, aggressiv und unvorhersehbar solle sein Team spielen. Was jedoch Titelambitionen in seinem zweiten Jahr angeht, bleibt der 44-jährige Spanier defensiv, eine Ansage an die Konkurrenz ist ihm nicht zu entlocken. Wie der Saisonstart läuft, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie schnell sich die Verletztenliste leert. Gegen Paris war sie mit zehn Namen gefüllt, das wirkt sich auf die Vorbereitung aus, die Abläufe passen noch nicht, ist zu hören. Die Blicke richten sich nach dem Stanway-Abschied vor allem auf die Mittelfeldspezialistinnen Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf, die sich beide nach Kreuzbandrissen im Aufbautraining befinden. Oberdorf, die sich nur 50 Tage nach ihrem Comeback die gleiche Verletzung noch mal zugezogen hatte, trainiert inzwischen ohne Einschränkungen. Die 24-Jährige könnte in wenigen Wochen wieder Einsatzzeit bekommen, lautet die Prognose. Aber auch sie wird Zeit brauchen.Der Supercup diesen Samstag (19.30 Uhr, DF1 und MagentaTV) in Ingolstadt gegen den Dauerrivalen VfL Wolfsburg ist angesichts der Fragezeichen eher von Zurückhaltung geprägt. Beide Teams müssen sich noch finden und einen Umbruch sowie Ausfälle managen. Nur bleibt nicht mehr viel Spielraum: Am 21. August starten die Bayern bei Union Berlin in die Bundesliga. Stichwort State of the Art: Bei Union waren die Frauen schon in der Regionalliga Profis, in nur zwei Jahren gelang mit einem klaren Plan der Aufstieg in die Bundesliga, die erste Saison beendeten sie auf Rang neun. Eine Revolution haben sie auch in Köpenick ausgerufen.
FC Bayern vor dem Supercup: Gewinnen und bauen, um Klara Bühl zu halten
Der neue Kader der Fußballerinnen des FC Bayern steht, die Umgestaltung der neuen Heimat in Unterhaching läuft. Vom Erfolg dieser Saison hängt viel ab – auch, ob die nächste Spitzenspielerin geht.







