Leichtathlet Owen Ansah vom Hamburger SV hat sich zum Europameister über die 200 Meter gekrönt. Der 25-Jährige knackte am Freitagabend in Birmingham in 19,95 Sekunden die 20-Sekunden-Marke und sicherte sich den ersten großen Titel seiner Karriere.Drei Tage nach seinem Bronzegewinn über 100 Meter stieg Ansah zudem zum ersten deutschen Europameister über 200 Meter seit 44 Jahren auf; 1982 in Athen hatte Olaf Prenzler Gold für die DDR gewonnen. Nach Ansahs Coup hat das deutsche Team bei den Titelkämpfen nun zwölf Medaillen gewonnen – Emil Agyekum musste sich am Freitag in 47,87 Sekunden über 400 Meter nur Weltrekordhalter Karsten Warholm aus Norwegen (46,63) geschlagen geben; Shanice Craft gewann mit dem Diskus ebenfalls Silber (65,72 Meter).Als deutscher Rekord wird Ansahs Zeit nicht anerkanntAnsah ließ sich erneut nicht vom Wirbel um seinen angeblich verweigerten Dopingtest beeindrucken und stürmte in Birmingham trotz einer drohenden Sperre unwiderstehlich zu Gold. Allerdings wird seine Zeit nicht als neuer deutscher Rekord anerkannt, weil der Rückenwind mit 2,5 Sekunden pro Sekunde irregulär stark wehte. Silber ging an Zharnel Hughes (20,16/Großbritannien), Bronze holte der Italiener Eseosa Desalu (20,26).Dass Ansah in blendender Verfassung zur EM gereist ist, hatte er schon über die 100 Meter gezeigt, als er sich Bronze schnappte. Danach wuchs das Selbstvertrauen beim Sportsoldaten noch einmal kräftig, der Glaube an den Titel wurde größer – und im Finale schlug Ansah dann zu. Doch wieder schwingt die Frage mit: Darf er Bronze und Gold behalten?Schließlich wirft die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) Ansah vor, Anfang Juli einen Dopingtest verweigert zu haben, und fordert eine Sperre von vier Jahren für den deutschen 100-Meter-Rekordhalter. Ansah weist die Vorwürfe kategorisch zurück und hat angekündigt, gegen die drohende Sperre vorgehen.In der Sprintstaffel ist Ansah nicht dabeiDa bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham startberechtigt. Sein Auftritt im Alexander Stadium war mit großer Spannung erwartet worden, der Druck immens. Doch Ansah präsentierte sich auch am Freitag von dem Wirbel um seine Person offensichtlich unbeeindruckt.„Ich bin mega happy“, sagte Ansah unmittelbar nach seinem Lauf in der ARD: „Mein Ziel war es, von vorne bis Ende durchzuziehen. Das habe ich hinbekommen. Und mein Sohn hat gesagt: ‚Papa, zünde den Turbo.‘ Das habe ich jetzt am Ende gemacht und ich bin mega happy.“In der Staffel am Samstag über 4×100-Meter ist Ansah allerdings nicht dabei. Der Deutsche Leichtathletik-Verband verzichtet auf einen Einsatz Ansahs, um keine nachträgliche Disqualifikation zu riskieren. Diese könnte es geben, sollte der Sprinter gesperrt werden, Ansah könnte dann auch alle Ergebnisse seit dem angeblichen Verstoß Anfang Juli verpassen.
Leichtathletik-EM: Owen Ansah gewinnt Gold über 200 Meter
Erst Bronze, jetzt Gold: Owen Ansah stürmt über 200 Meter zum ersten EM-Titel eines deutschen Mannes seit 40 Jahren. Die drohende Sperre scheint den 25-Jährigen nicht zu beeindrucken.










