Nadija*, 42, und Wassyl*, 37, sind seit zwölf Jahren ein Paar. Nadija arbeitete vor dem russischen Angriff in Kyjiw als Content-Redakteurin einer Website, er ist Grafikdesigner für ein internationales Unternehmen. Im Februar 2022 floh Nadija mit ihrer Tochter Vira nach Berlin, Wassyl blieb in der Ukraine. Mit der Zeit wurde klar: Nadija will nicht zurück, er kann Kyjiw nicht verlassen. Beide hatten Trennungsgedanken.
ZEITmagazin: Können Sie sich an den Moment erinnern, als Sie entschieden haben, dass Sie die Ukraine verlassen und Ihr Mann dortbleibt?
Nadija: Es war ein gemeinsamer Entschluss in den ersten Tagen nach Kriegsbeginn. Eine ukrainische Freundin hatte damals einen Kollegen in Berlin, der seine Wohnung für ein paar Monate an jemanden aus der Ukraine vermieten wollte. Ich kannte Berlin von Besuchen und dachte: Dort sind meine Tochter und ich sicher. Ich weiß noch, wie wir in einem Hotel in den Karpaten in der Westukraine saßen, weil es dort sicherer war als in Kyjiw. Ich fragte Wassyl, ob ich bleiben oder gehen soll. Er sagte: »Es ist in Ordnung, wenn du fährst.« Wir haben das also zusammen entschieden. Und trotzdem hast du später gesagt, dass ich dich verlassen habe.
ZEITmagazin: Wären Sie denn geblieben, wenn Wassyl Sie gebeten hätte, zu bleiben?







