Der Herbst lässt noch auf sich warten, die Weinlese aber hat schon begonnen. In der Pfalz und in Baden wurden die ersten Trauben geerntet, vor allem um die Nachfrage nach Federweißem zu bedienen. Obwohl Riesling-Lese erst im September starten dürfe, rechnen Branchenvertreter schon mit guten Qualitäten – trotz der anhaltenden Dürre.Er gehe davon aus, dass 2026 ein qualitativ hervorragender Jahrgang werde, sagt Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbands (DWV). Das Deutsche Weininstitut spricht von „Trauben bester Gesundheit“, die „sehr aromatische und fruchtbetonte Weine“ erwarten ließen. Junge Pflanzen litten in der Tat unter der Dürre und müssten bewässert werden. „Ältere Weinberge stehen noch vergleichsweise gut da, sofern sie nicht auf leichten Böden wachsen, die nur wenig Wasser speichern können.“ Abgesehen von lokal begrenzten Hagelschäden sei die Branche von größeren „Umweltkatastrophen“ verschont geblieben.Über die Menge treffen die Fachleute noch keine Aussage, sie dürfe aber nochmals kleiner ausfallen. Mit einer Produktion von knapp 750 Millionen Litern lag die Erntemenge schon im Vorjahr deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.Konsum geht zurückDie gute Qualität gerät angesichts der anhaltend schwierigen Lage im Weingeschäft allerdings in den Hintergrund. Die Qualität ist schließlich schon lange nicht mehr das Problem der deutschen Winzer, das Problem ist der Markt. Der Weinkonsum geht global zurück, die Kosten steigen, die klimatischen Veränderungen stellen die Winzer vor Herausforderungen. Der globale Weinkonsum ist nach Zahlen der „Internationalen Organisation für Rebe und Wein“ im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1957 gesunken.Frankreich, nach Italien das größte Weinerzeugerland der Welt, bezahlt in seiner Krisenregion Bordeaux seit einiger Zeit schon Rodungsprämien und hat so allein dort die Fläche um 30.000 Hektar reduziert. Zum Vergleich: In Deutschland sind gut 100.000 Hektar mit Reben bepflanzt – noch. Denn Rheinland-Pfalz, hierzulande das größte Weinbau treibende Bundesland, hat für 2027 ebenfalls Rodungsprämien in Höhe von 4000 Euro je Hektar in Aussicht gestellt. Dabei geht die zugehörige Pflanzgenehmigung allerdings dauerhaft verloren. Der Weinbauverband fordert hingegen weiter eine staatlich unterstützte Rotationsbrache. Die gerodete Fläche soll demnach für bis zu acht Jahre vom Winzer weiter gepflegt werden, ohne in dieser Zeit die Pflanzrechte zu verlieren.Destillation als AuswegWie prekär die Lage in manchen Regionen ist, zeigt die von der EU bewilligte Krisendestillation: Die beiden Anbaugebiete Rheinhessen und Württemberg haben die Umwandlung in Industriealkohol für 24 Millionen Liter Rot- und Roséweine beantragt. Die Winzer bekommen dafür 43 Cent je Liter plus 16 Cent für Logistik und Brennkosten, in Summe also nur 59 Cent je Liter. Eine bessere Verwendung finden sie offenbar nicht.Selbständige und vielfach weiter erfolgreiche Winzer reagieren auf die Veränderungen mit alkoholfreiem Wein, neuen Rebsorten, Hoffesten, Werbepräsenz in sozialen Medien oder Onlinehandel. Das Gros der Winzer in Deutschland hat als Fassweinerzeuger oder Traubenlieferant aber keinen Einfluss auf Weinpreise und Absatz. Die steigenden Kosten für Diesel, Mindestlohn und Spritzmittel schlagen voll durch.Selbstvermarkter sind die Ausnahme: Drei von vier Flaschen werden über Supermärkte oder Discounter verkauft, produziert von Genossenschaften und Großkellereien. Deren Winzer können Preise und Mengen nicht beeinflussen. Zudem gibt es in Deutschland eine größere internationale Angebotsvielfalt als in anderen Weinbau treibenden Nationen wie Frankreich oder Italien. Mehr als die Hälfte der verkauften Weine hierzulande kommen aus dem Ausland. Früher undenkbar, sind heute selbst Edelwinzer aus dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter froh, wenn sie ihre Weine über Discounter absetzen können.Der veränderte Konsum veränderte auch die Branche. Von 2010 bis 2023 – neuere Zahlen gibt es nicht – haben 30 Prozent der Betriebe aufgegeben, die Tendenz dürfte stark zunehmen. Betroffen sind bisher vor allem die Kleinstwinzer. Die Zahl der größeren Betriebe mit einer Fläche von mehr als 20 Hektar hat sich demnach auf 1200 fast verdoppelt.Auf seiner Herbstpressekonferenz forderte der DWV-Präsident Schneider einen Anbaustopp bis mindestens 2029, zudem das Beibehalten von EU-Hilfen und weniger Bürokratie. Auch braucht es eine schnellere Zulassung von neuen und wirksamen Pflanzenschutzmitteln. Die Winzer würden den Pflanzenschutz weiter reduzieren, dennoch sei eine schnelle Reaktion auf neue Schädlinge nötig. Der Klimawandel und internationale Warenströme brächten neue Schädlinge.
Weinlese 2025: Hervorragender Jahrgang trotz Krise
Die Pfalz liest erste Trauben wegen der Nachfrage nach Federweißem. Doch der Deutsche Weinbauverband warnt, dass sinkender Konsum selbst gute Jahrgänge bedrängt.











