Die Commerzbank-Aktie hat in dieser Woche erstmals seit August 2010 kurz die Kursschwelle von 40 Euro überschritten. Am 6. August hatte das Kreditinstitut besser erwartete Halbjahreszahlen vorgelegt, und etliche Bankaktienanalysten haben seither ihre Kursziele erhöht. Die Analysten von BNP Paribas und Oddo-BHF trauen der Commerzbank-Aktie am meisten zu: Sie stecken für die kommenden Monate ein Kursziel von 45 Euro. Elf Kaufempfehlungen stehen laut Bloomberg derzeit zwei Verkaufsempfehlungen für die Commerzbank-Aktie gegenüber.Die Analystin der Barclays Bank, die für die Commerzbank ein Kursziel von 42 Euro ausgegeben hat, nennt als Treiber für die Aktie das Gewinnwachstum des Instituts (plus 40 Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber einem Vorjahreshalbjahr, in dem allerdings Kosten für Stellenabbau anfielen), ein überraschend schnell von der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) schon genehmigtes Rückkaufprogramm eigener Aktien im Volumen von 1,2 Milliarden Euro und die M&A-Gelegenheit. Damit ist gemeint: Die italienische Bank Unicredit hat inzwischen nahezu 50 Prozent der Commerzbank-Aktien in ihren Besitz gebracht. Eine Komplettübernahme des traditionsreichen Frankfurter Kreditinstituts in den kommenden Monaten erscheint sehr wahrscheinlich.Nach Streitereien verhandeln nun Orcel und OrloppVerhandlungen zwischen Unicredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp über das künftige gemeinsame Geschäftsmodell laufen. Auch die Bundesregierung als zweitgrößter Commerzbank-Aktionär (zwölf Prozent Staatsanteil) redet mit. Nach den Vorstellungen Orcels soll die Commerzbank noch zwei Jahre eigenständig bleiben, zulasten ihres Gewinns ihre Risikovorsorge erhöhen, mehr investieren und die Kosten für einen Abbau von 7000 Stellen tragen. Erst dann will Orcel, so lauten seine bisherigen Pläne, die Commerzbank mit ihrer Münchener Tochtergesellschaft Hypo-Vereinsbank zusammenbringen. Mit diesen den Commerzbank-Kurs eher belastenden Plänen Orcels befassen sich die Bankanalysten allerdings kaum.Dagegen denkt Fondsmanager Dirk Sammüller, der mit seinem Fonds Greiff Special Situations im zweiten Quartal 2026 vermutlich für rund 31 Euro eingestiegen ist, nun über einen Teilverkauf seiner Commerzbank-Aktienposition nach, wie er der F.A.Z. am Freitag sagte. Oft kauft Sammüller bei einer sich anbahnenden Übernahme und hält seine Aktien so lange, bis ein Unternehmensaufkäufer so viele Aktien erworben hat, dass er mit einer Stimmrechtsmehrheit von 75 Prozent einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchsetzen kann oder von 90 und 95 Prozent an mit Barangeboten Minderheitsaktionäre oft aus dem Unternehmen herausdrängen will („Squeeze-out“).Im Fall der Commerzbank vermutet Sammüller, dass es nun noch zwölf bis 24 Monate dauern werde, bis Unicredit die Erlaubnis für Integrationsschritte erhalte. Rein fundamental, also auf Basis der Commerzbank-Gewinnaussichten, sieht er für die Aktie „nur noch begrenzten Spielraum“ nach oben. Tatsächlich hat der Vorstand trotz des überraschend hohen Halbjahresnettogewinns von 1,8 Milliarden Euro seine auf 3,4 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2026 liegende Gewinnprognose zuletzt nicht mehr erhöht.EZB und Bafin ringen mit Vorgehen UnicreditsAls eine der wichtigsten Hürden für Unicredit gilt die Erlaubnis der Bankenaufsicht der EZB, die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen zu dürfen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sie habe ein Dokument über eine Sitzung der europäischen Bankenaufseher aus dem Juni eingesehen, in dem die deutsche Finanzaufsicht Bafin das „aggressive und teilweise intransparente“ Verhalten Unicredits monierte. Die EZB-Vertreter sahen aber keine Gründe, die es rechtfertigen würden, Unicredit die Commerzbank-Übernahme zu verwehren. Bleibt es dabei, könnte Unicredit im vierten Quartal 2026 das „Go“ der EZB erhalten. Ob es später ein höheres Angebot an die Minderheitsaktionäre gibt, ist offen.Die italienische Bank war im September 2024 in die Commerzbank eingestiegen und hatte einen Anteil von 4,5 Prozent von der Bundesregierung für 13,20 Euro je Aktie gekauft. Seither hat sich der Kurs mehr als verdreifacht. Allein in den vergangenen sechs Monaten ist die Commerzbank-Aktie um 24 Prozent gestiegen und liegt damit im Dax hinter Infineon (plus 44 Prozent) und Deutsche Börse (25 Prozent) auf Rang drei der besten Aktien in diesem Zeitraum.
Commerzbank-Aktie: Was der Kurs über 40 Euro bedeutet
Viele Analysten empfehlen die Aktie der Commerzbank weiter zum Verkauf, ein Fondsmanager denkt an einen Teilausstieg. Die Integration in Unicredit dürfte sich hinziehen.






