Theaterspektakel: Zurück zu Blut und BodenAm Zürcher Theaterspektakel wird «Violenza» gezeigt, ein Stück über fünf freundliche, rechtsextreme Fanatiker aus Österreich.14.08.2026, 12.57 Uhr3 LeseminutenAus den Sportlern werden Krieger, aus den Kriegern werden Monster.Clara WildbergerAm Anfang ist es gemütlich. Max und Rafael, zwei freundliche, propere Burschen aus Österreich, beschwören von der Bühne herab eine schweizerisch-österreichische Bruderschaft. Das Publikum am Zürcher Theaterspektakel in der ausverkauften Halle Nord darf die Patent-Ochsner-Hymne «W. Nuss vo Bümpliz» intonieren. Danach sind die Gäste an der Reihe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit es aber richtig männlich dröhnt, drängen sich zu Max nun auch noch ein Nick, ein Horvath und irgendein Moritz, bis eine potente Fünferschaft parat ist, um «I’m from Austria» zum Besten zu geben – ein Lied von Rainhard Fendrich mit der patriotischen Zeile: «I bin dei Apfel, du mein Stamm.»Patriotismus und FremdenhassSo ist jetzt ein gesellschaftliches Thema gesetzt: Heimatliebe. Die Jungs mit stetem breitem Lachen reden über die Liebe zur eigenen Familie und von der Zugehörigkeit zu einem Volk. Warum der Afrikaner stolz sein dürfe auf sein Land – im Unterschied zu uns, wird gefragt. Die Jungs, Freunde der Schweizer, der Schweizer Demokratie – mit besonderer Sympathie für die Überfremdungsinitiative, die Minarettinitiative, die Masseneinwanderungsinitiative –, scheinen etwas gar konservativ, denkt man sich. Aber Hauptsache: Anstand!Anfangs hat Max dem Publikum zwar alles versprochen, «was so zu einem Theaterabend gehört – auch Tanzeinlagen und eine Katharsis». Und doch scheint vor allem Sprechtheater angesagt – genau genommen ein fünfstimmiger Frontalunterricht in Sachen heuchlerischer Eliten, linker Landesverräter und so weiter. Frage an das Publikum: Wodurch unterscheiden sich rechtschaffene Rechte von der «linksliberalen Einheitsfront»? Sie haben noch Werte, sie haben Familie und mithin etwas zu verteidigen.Und sie haben sich den gesunden Menschenverstand bewahren können, sie wissen, dass Mann und Frau verschieden sind. Das habe nichts Diskriminierendes, findet Max. «Ich liebe die Frauen, sie sind die schönsten Wesen auf der Erde.» Alles noch im grünen Bereich.Dann aber das Thema Flüchtlinge bzw. «Asylanten», «Kolonialisten». Jetzt kommen die Österreicher in Fahrt. Sie warnen vor dem «Bevölkerungsaustausch» und propagieren den «Ethnopluralismus», der die Ethnien wieder auseinanderdividieren soll. Und wenn sie dann «Wir sind das Volk!» grölen oder «Re-, Re-, Remigration» , wird es dem Publikum langsam unwohl.Hat es zunächst bloss geschmunzelt und gekichert, so nutzt es eine theatrale «Schweigeminute für Charlie Kirk» nun, um selber zu rufen und zu grölen. Und Pfiffe sind auch zu hören, wenn die rechtsextreme Truppe das Deutschlandlied singt oder «Deutschland den Deutschen».Gewiss, man sitzt im Theater, es wird ein fiktives Stück gegeben: «Violenza», eine Produktion des Theatermacher-Trios Michiel Vandevelde, Pankaj Tiwari und Eneas Prawdzic. Und doch macht sich unter den Zuschauern das Bedürfnis breit, sich vom Blut-und-Boden-Palaver, vom Kriegerpathos, von Reichsnostalgie und Germanen-Kitsch sichtbar und hörbar zu distanzieren.Menschliche BestienDerweil bricht ein letzter Akt an. Im Halbdunkel des Bühnenhintergrunds, wo ein paar griechische Säulen an den Ursprung europäischen Geists erinnern, präsentieren sich die jungen, halbnackten Männer erst in Adonis-Posen. Bald aber mutieren sie zu lauten Sportlern, zu Stammeskriegern. Und zuletzt zu brutalen Wüstlingen, die sich gegenseitig quälen.Das drastische, manchmal gar klischeehafte, letztlich aber eindrückliche Stück endet mit einer Warnung – sinngemäss: Wehret den Anfängen! Die hätte es nicht mehr gebraucht. Der verhaltene Applaus zeigt, dass das Publikum nachdenklich geworden ist. Die Schauspieler erscheinen nicht mehr auf der Bühne. Niemand muss die Pseudofanatiker beklatschen.Passend zum Artikel
Heimatliebe und Hetze? «Violenza» am Zürcher Theaterspektakel
Am Zürcher Theaterspektakel wird «Violenza» gezeigt, ein Stück über fünf freundliche, rechtsextreme Fanatiker aus Österreich.






