Eine Hochzeit zu planen, ist viel Arbeit. Über die Torte und die Blumendekoration diskutiert das Paar leidenschaftlich, und es kann Wochen dauern, bis klar ist, wo der Onkel platziert wird, der peinliche Dinge sagt, wenn er Alkohol getrunken hat. Vor der Eheschließung meist nicht besprochen wird aber, wie man das Aktiendepot auseinanderdividiert oder was mit der gemeinsamen Wohnung passiert, wenn die Partnerschaft zerbrechen sollte. Unromantische Fragen, die man lieber wegschiebt.In den USA ist das Thema Scheidung gerade öffentlich sehr präsent, dank eines Buches, das über Monate auf der Bestseller-Liste der New York Times stand. In „Strangers“ beschreibt die Anwältin Belle Burden, wie ihr Mann sie nach 20 Jahren Ehe verließ. Es ist die Geschichte einer wohlhabenden, an einer Eliteuniversität ausgebildeten Frau, die emotional in ein Loch fällt, der aber auch klar wird, dass sie sich all die Jahre nie um ihre Finanzen gekümmert hat. Das Buch fesselte das amerikanische Publikum so sehr, dass bald eine Netflix-Produktion daraus werden soll. Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow spielt die Hauptrolle.Finanzen bei Trennungen:Wie sichert man sich für den Fall einer Scheidung ab?Fast jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, vor allem Frauen sind danach oft arm. Wie lässt sich das vermeiden, und was raten Fachleute?In Deutschland ist das Buch in dieser Woche unter dem Titel „Fremde“ erschienen. Es ist mehr als eine mitreißend erzählte Scheidungsgeschichte aus der Welt der Reichen. Dahinter steht die Frage, die für alle Liebesbeziehungen essenziell ist: Welcher Teil des Geldes gehört uns beiden zusammen – und was bleibt konsequent Privatvermögen?Deutschland hat auf dieses Dilemma eine eigene, nüchterne Antwort. Vereinbaren die Partner nicht explizit etwas anderes, gilt die sogenannte Zugewinngemeinschaft. Rechtlich verschmelzen die Vermögen der Ehepartner nicht zu einem großen Topf, sondern bleiben getrennt. Im Falle einer Scheidung behalten beide grundsätzlich ihr eigenes Vermögen, doch der während der Ehe entstandene Zugewinn wird ausgeglichen.Das ist in den USA zum Teil anders. Dort gilt das Recht des jeweiligen Bundesstaates. In den meisten Bundesstaaten wird dabei nach dem Grundsatz der „gerechten Verteilung“ entscheiden. Was gerecht im Einzelfall bedeutet, ist, dann zumeist Sache von Gerichten. Dort wird das Vermögen, dass das Paar während der Ehe erwirtschaftet hat, auf eine Weise aufgeteilt, die die persönlichen Umstände jeder der beiden Personen berücksichtigt.Mehr als die Hälfte der Verheirateten und Verlobten unter 45 Jahre haben in den USA einen EhevertragUnter den Bedingungen der Zugewinngemeinschaft hingegen ist die Ehe im ökonomischen Sinne eine Art gemeinsames Unternehmen zweier Gleichberechtigter – selbst dann, wenn ihre finanziellen Beiträge völlig unterschiedlich ausfallen. Möglicherweise arbeitet eine Person in Vollzeit, während die andere sich zuhause um die Kinder kümmert. In diesem Fall hat zwar nur eine Person ein eigenes Einkommen. Der Haushalt könnte allerdings ohne die „unsichtbare Arbeit“ der anderen Person, die unbezahlt bleibt und überproportional oft von Frauen geleistet wird, kaum funktionieren. Beide Partner tragen so zum gemeinsamen Haushalt bei.Unabhängig von der jeweiligen Rolle gilt jedoch: Geld zu haben, bedeutet noch lange nicht, auch Zugang zu Geld zu haben. Die nicht erwerbstätige Person kann finanziell von der anderen abhängig sein oder nur eingeschränkten Zugriff auf bestimmte Konten haben. Es gibt keinen gesetzlichen Rahmen dafür, wer in der Beziehung die Finanzen überblickt und wie das genau geschieht. Es liegt an dem einzelnen Paar, zu klären, wer die Rechnungen bezahlt, wer sich um Geldanlage kümmert und über die Finanzen entscheidet.Paare können einen Ehevertrag schließen, um das Thema nach ihren eigenen Vorstellungen zu regeln. Doch diese Verträge sind umstritten, und es hält sich hartnäckig die Vorstellung, allein das Ansprechen eines Ehevertrags könne die Partnerschaft an den Rand des Scheiterns bringen. In den USA sind diese Vereinbarungen deutlich verbreiteter als in Deutschland. In einer Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsdienstes Bloomberg unter Verlobten und Verheirateten unter 45 Jahren, antworteten kürzlich 53 Prozent der Befragten, sie hätten einen Ehevertrag unterschrieben. In Deutschland sind es deutlich weniger, hier haben nach Schätzungen von Experten nur etwa zehn Prozent einen Ehevertrag. Genaue Zahlen gibt es nicht.Ob Zugewinngemeinschaft oder Ehevertrag, einfach sind Gespräche über Geld im Falle einer Trennung nie. Die Kosten der Hochzeit aufzuschlüsseln, ist deutlich leichter, als einen Teilungsplan für den Fall der Scheidung zu verhandeln. Jedes Paar überlegt genau, wer bei der Hochzeit neben wem sitzt, aber fast niemand macht sich Gedanken darüber, was passiert, wenn die Ehe eines Tages auseinandergeht.Übersetzung: Oliver Klasen