Im September wird die Duma gewählt. Sergej Lukaschewski über den Ausschluss der Oppositionspartei Jabloko und das Risiko, gegen den Krieg zu reden.

Schiere Verzweiflung: Un­ter­stüt­ze­r*in­nen der Partei Jabloko am Montag vor dem Obersten Gericht in Moskau

Alexey Maishev/imago

taz: Herr Lukaschewski, Russlands oberstes Gericht hat Anfang der Woche entschieden, dass die liberale oppositionelle Partei Jabloko bei den Duma-Wahlen im September nicht antreten darf. Haben Sie damit gerechnet?

Sergej Lukaschewski: Am meisten hat mich überrascht, wie schnell das letztlich passiert ist. In den Tagen zwischen der Einreichung der Klage und der Gerichtsentscheidung kursierte die Vermutung, Jabloko solle mit diesem Verfahren in einer Art Schwebezustand gehalten werden, damit dieses Damoklesschwert ständig über der Partei schwebt. Und es würde erst kurz vor der Abstimmung entschieden, ob Jabloko zugelassen wird oder nicht. Doch es ist anders gekommen und das war schon erstaunlich.