Die Columbia University war das Epizentrum der Proteste gegen Israel. Jetzt verklagen Palästinenser die Hochschule wegen DiskriminierungEine Gruppe von Studierenden und Professoren fühlt sich von der Columbia University diskriminiert: Die Hochschulleitung habe sie nach dem Beginn des Gaza-Kriegs nicht genügend vor Angriffen geschützt.14.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer Campus der Columbia University im April 2024: Studierende der Columbia errichteten ein Zeltlager und forderten von der Hochschule, akademische Partnerschaften mit israelischen Institutionen sofort abzubrechen.Michael Nigro / ImagoIm Frühling 2024 wurde Minouche Shafik vom US-Repräsentantenhaus vorgeladen. Sie war damals Präsidentin der Columbia University New York und musste Auskunft geben über die antisemitischen Umtriebe, die die Eliteuniversität seit dem Terroranschlag der Hamas im Oktober 2023 an den Rand des Chaos brachten. Fast täglich gab es Kundgebungen für Palästina und gegen Israel, Studierende errichteten auf dem Campus ein Zeltlager. Überall hingen Transparente mit Claims wie «From the River to the Sea», «Globalize the Intifada» oder «Burn Tel Aviv to the Ground». Jüdische Studenten fühlten sich bedroht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Shafik erklärte, Antisemitismus und Diskriminierung hätten keinen Platz auf dem Campus. Sie werde alles tun, um die Sicherheit der Universitätsangehörigen zu gewährleisten. Die Proteste gingen weiter. Minouche Shafik trat unter dem Druck der Ereignisse zurück. Die Regierung strich der Universität Zuschüsse in der Höhe von 400 Millionen Dollar mit der Begründung, jüdische Studierende würden nicht genügend vor antisemitischen Anfeindungen geschützt. Ein paar Monate später einigte sich die Hochschule mit der Regierung. Die Gelder wurden wieder freigegeben, und Columbia verpflichtete sich, rigoros gegen Antisemitismus vorzugehen.Polizei räumt die BibliothekMehrere amerikanische Universitäten wurden 2024 von Protestwellen gegen Israel erfasst. Columbia war das Epizentrum der Unruhen. Im Frühling 2025 besetzten propalästinensische Aktivisten die Bibliothek der Universität, das Gebäude wurde von der Polizei geräumt, achtzig Personen wurden festgenommen. Wieder beteuerte die Universitätsleitung, Antisemitismus werde nicht geduldet, während jüdische Institutionen jüdischen Studierenden empfahlen, sich vom Campus fernzuhalten.Nun haben fünf palästinensischstämmige Angehörige der Columbia University die Hochschule verklagt. Wie die «New York Times» berichtet, werfen sie der Universitätsleitung vor, im Zusammenhang mit Protesten gegen den Gaza-Krieg palästinensische Studierende benachteiligt zu haben. Die Hochschule habe nicht genug getan, um diese vor einem feindlichen Umfeld zu schützen, schreiben sie in der Klageschrift. Und sie werfen den Leitungsgremien vor, Diskriminierung von Studierenden und Dozenten mit palästinensischem Hintergrund aktiv gefördert zu haben.Die Untersuchungen der Antidiskriminierungsstelle, die 2024 als Reaktion auf die antisemitischen Vorfälle eingerichtet wurde, hätten sich fast ausnahmslos auf palästinensischstämmige Studierende und Mitarbeiter beschränkt, kritisieren die Kläger. Bereits die Teilnahme an einer Demonstration oder das Tragen eines Palästinensertuchs habe gereicht, um ins Visier zu geraten. Zudem habe sich die Stelle an der Antisemitismusdefinition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken orientiert, die Kritik an Israel bereits als Antisemitismus verstehe.Bedrohung und «Doxxing»Einzelne Kläger behaupten, sie seien bedroht und diskriminiert worden. Eine Frau wirft der Universitätsleitung vor, sie habe keine Unterstützung erhalten, nachdem sie bei einer Protestaktion mit einer übelriechenden Flüssigkeit bespritzt worden sei. Ihr Angreifer dagegen habe eine Abfindung von fast 400 000 Dollar bekommen, nachdem er wegen des Vorfalls von Columbia suspendiert worden sei und erfolgreich gegen den Ausschluss geklagt habe. Andere an der Klage Beteiligte sagen, sie seien Opfer von «Doxxing» geworden: Persönliche Daten, die sie beträfen, seien ohne ihre Einwilligung im Internet publiziert worden.Die Klägerinnen und Kläger fordern Schadenersatz. Die Columbia University, sagen sie, sei der gesetzlichen Verpflichtung nicht nachgekommen, die Universitätsangehörigen vor Angriffen zu schützen. Dafür habe sie sich «aktiv am rassistisch, ethnisch und politisch motivierten» Mobbing palästinensischer Studenten, Mitarbeiter und Dozenten beteiligt.Der Supreme Court, das höchste Gericht des Staates New York, wird sich mit der Klage befassen. Auch wenn Columbia während Monaten ein einziges propalästinensisches Protestcamp war, ist nicht auszuschliessen, dass es zu antipalästinensischen Vorfällen kam. Ein Bericht über rassistische Vorfälle, den die Harvard University im vergangenen Jahr publizierte, erwähnt auch antimuslimische und antipalästinensische Diskriminierung zwischen Studierenden. Es handelte sich allerdings um Einzelfälle. Ein generell antipalästinensisches Klima ergab sich daraus nicht. Der Antisemitismus dagegen war systemisch. In Harvard wie in Columbia.Passend zum Artikel
Columbia University: Palästinenser klagen gegen die Universität wegen Diskriminierung auf dem Campus
Eine Gruppe von Studierenden und Professoren fühlt sich von der Columbia University diskriminiert: Die Hochschulleitung habe sie nach dem Beginn des Gaza-Kriegs nicht genügend vor Angriffen geschützt.








