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Roboter boxen, während Bundeskanzler Merz (Hintergrund links) Unitree Robotics in Zhejiang besucht. Foto: Michael Kappeler/dpa Humanoide Roboter: Unitrees Roboter können Kung-Fu – aber können sie auch genug Geld verdienen? Anleger in China reißen sich um Unitree-Aktien. Die humanoiden Roboter des Unternehmens sind zum Symbol für den technischen Aufstieg geworden. Doch der Markt ist noch winzig.

Knapp zehn Millionen Anleger in China zeichneten diese Woche Unitree-Aktien. Die Tranche für Privatanleger war rund 5500-fach überzeichnet, die Zuteilungsquote lag bei 0,018 Prozent. Wer eine Aktie bekam, hatte also großes Glück. Unitree nimmt mit dem Börsengang gut sechs Milliarden Yuan ein. Zum Ausgabepreis ist das Unternehmen damit knapp 61 Milliarden Yuan wert, das entspricht rund 7,9 Milliarden Euro.Überraschend kommt der Ansturm nicht. An Chinas Börsen sind Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz und KI-Hardware derzeit besonders gefragt. Die Aktie des Speicherchipherstellers CXMT gewann bei ihrem Debüt Ende Juli 466 Prozent. Andere chinesische Entwickler von KI-Chips legten am ersten Handelstag ebenfalls um mehrere Hundert Prozent zu.Mindestens genauso wichtig wie die derzeitige Marktlage ist Unitrees Talent für die große Inszenierung. Bei der Frühlingsfest-Gala des Staatssenders CCTV tanzten 2025 sechzehn Unitree-Roboter einen traditionellen Volkstanz, drehten Tücher und fingen sie wieder auf. Bei der Gala ein Jahr später folgten Kung-Fu-Routinen mit Schwertern und Rückwärtssaltos.Unitrees G1-Roboter tanzen im Mai in Hangzhou. Foto: laif/imaginechinaAuch Staats- und Parteichef Xi Jinping würdigte die Roboter schon öffentlich. In seiner jüngsten Neujahrsansprache stellte Xi humanoide Roboter in eine Reihe mit Fortschritten bei heimischen Chips und in der Raumfahrt. „Humanoide Roboter zeigten ihren Kung-Fu-Modus“, sagte er. Wo Xi eine Technik derart prominent würdigt, gilt das vielen Anlegern als politischer Rückenwind.Hinzu kommt, dass China neue Technik gern öffentlichkeitswirksam ausprobiert. In Peking traten humanoide Roboter bereits zweimal bei einem Halbmarathon an. 2025 erreichten nur sechs von zwanzig Teams das Ziel. Ein Jahr später lief ein autonom gesteuerter Roboter die Strecke in gut 50 Minuten, deutlich schneller als der menschliche Weltrekord.Ein Kameramann filmt einen Humanoiden bei einem Halbmarathon in Peking im April dieses Jahres. Foto: REUTERSBei den Auslieferungen sind chinesische Hersteller weit vorn. Nach Daten des Marktforschers Smart Analytics Global, die chinesische Staatsmedien diese Woche aufgriffen, kamen im ersten Halbjahr 2026 mehr als 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter aus China. Insgesamt seien rund 19.100 Maschinen ausgeliefert worden, 272 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. AgiBot, ein 2023 gegründetes Roboter-Start-up aus Shanghai, überholte demnach Unitree als größten Anbieter nach Auslieferungen.Ganz eindeutige Zahlen gibt es allerdings nicht. Je nach Definition unterscheiden sich die Angaben verschiedener Marktforscher deutlich. Unstrittig ist jedoch die Richtung: Bei den ausgelieferten Stückzahlen liegt China derzeit klar vor den USA.Unitree-IPO Hype um Humanoide Roboter – Ansturm auf Aktien von Unitree Unitrees humanoide Roboter sind in China längst Stars. Nun ist auch die Nachfrage nach den Aktien des Unternehmens groß. Dabei ist das Geschäft noch klein. Wie groß der Markt für humanoide Roboter wirklich istTrotz des schnellen Wachstums bleibt der Weltmarkt aber klein. Das zeigt Unitrees eigenes Geschäft. Das Unternehmen erzielte 2025 einen Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Yuan und einen ausgewiesenen Gewinn von 278 Millionen Yuan. Damit gehört Unitree zu den wenigen Unternehmen der Branche, die bereits Gewinne erzielen. Der Börsenwert entspricht dennoch fast dem 36-Fachen des Umsatzes und dem 219-Fachen des ausgewiesenen Gewinns.Auch die jüngste Entwicklung mahnt zur Vorsicht. Im ersten Quartal 2026 stieg Unitrees Umsatz zwar um rund 69 Prozent. Der bereinigte Gewinn sank jedoch um etwa 53 Prozent.Ein weiteres Risiko liegt im Auslandsgeschäft. Im Gesamtjahr 2025 erzielte Unitree knapp 44 Prozent seines Kerngeschäftsumsatzes außerhalb Chinas. Rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes kamen aus den USA. Ende Juli entschied die US-Regulierungsbehörde FCC jedoch, dass neue ausländische humanoide Robotermodelle grundsätzlich keine Zulassung mehr erhalten.Wo kommen die Roboter überhaupt zum Einsatz?Aufschlussreich ist auch, wofür die humanoiden Roboter bislang verwendet werden. In den ersten neun Monaten 2025 entfielen nach Angaben aus Unitrees Börsenunterlagen knapp 74 Prozent des Humanoiden-Umsatzes auf Forschung und Bildung. Nur neun Prozent kamen aus der Kategorie Industrieanwendungen. Und selbst davon entfielen nach Unitree 50 bis 70 Prozent auf Unternehmensführungen und Präsentationen in Ausstellungsräumen.Rüstungsindustrie Dieser deutsche Roboter kocht erstmals für Soldaten in den USA Kochroboter sollen das Fachkräfteproblem der Gastronomie lösen – doch die Technik gilt vielen als nicht ausgereift. Bei der US-Armee zeigt Goodbytz nun, wie es gehen könnte. von Florian WeyandDer Börsenprospekt zeigt zugleich, wo die technischen Schwächen liegen. Das Unternehmen räumt ein, dass sein eigenes großes KI-Modell noch nicht in großem Umfang in den Robotern eingesetzt werde. Auch bei Fingerfertigkeit, selbstständigen Entscheidungen, Zuverlässigkeit und Energieverbrauch gebe es technische Grenzen.Unitree warnt deshalb selbst, der „großflächige kommerzielle Einsatz humanoider Roboter“ bleibe unsicher. Sollten Fortschritte bei Technik, Kosten und Einsatzmöglichkeiten ausbleiben, könnten „die derzeitige Markteuphorie und die Aufmerksamkeit des Kapitals deutlich nachlassen“.Gleichzeitig drängen immer mehr Anbieter auf den Markt. Eine zentrale chinesische Regierungsbehörde verwies bereits Ende 2025 auf mehr als 150 Hersteller humanoider Roboter. Mehr als die Hälfte waren Start-ups oder Unternehmen, die neu aus anderen Branchen hinzukamen. Die Behörde warnte ungewöhnlich deutlich: Bei Zukunftsindustrien müsse ein Gleichgewicht zwischen „Tempo“ und „Blase“ gefunden werden. Zudem könnten die Verkaufspreise laut Börsenprospekt durch den wachsenden Wettbewerb unter Druck geraten.Damit droht sich ein bekanntes chinesisches Muster zu wiederholen. Der Staat erklärt eine Technik zum Zukunftsfeld, Provinzen und Staatsfonds stellen Geld bereit und zahlreiche Firmen bauen gleichzeitig ihre Produktion aus. Das macht Produkte schnell besser und billiger, kann aber auch zu Überangebot und hohen Verlusten führen, wie zuvor bei Solarmodulen und Elektroautos.Kanzler besucht China Chinas verrückte Robotershow sollte Merz eine Warnung sein Die Roboter turnen, der Kanzler staunt. Bei seinem Besuch in Hangzhou bekommt Friedrich Merz zu spüren, wie schnell Deutschland zum Zuschauer werden kann. Ein Kommentar. Kommentar von Sonja ÁlvarezChinas Lieferketten könnten zum Wettbewerbsvorteil werdenEs wäre dennoch falsch, Unitree und seine chinesischen Konkurrenten als reinen Hype abzutun. Auch Tesla-Chef Elon Musk nimmt den Mund bei humanoiden Robotern gern voll. Sein Roboter Optimus werde einmal wichtiger als das Autogeschäft und könne eine große Bandbreite menschlicher Arbeiten übernehmen, sagte er. Zugleich räumte Musk zuletzt ein, dass der Produktionsstart langsam verlaufen werde. Einen Roboter zu bauen sei nicht mit dem Bau eines Autos vergleichbar.Genau hier könnte der größte Vorteil der chinesischen Hersteller liegen. China verfügt bereits über dichte Lieferketten. Viele für Roboter benötigte Motoren, Getriebe, Sensoren, Batterien und Leistungselektronik werden im Land in großen Mengen produziert. Sollte die Nachfrage nach humanoiden Robotern tatsächlich stark steigen, kann China daher seine industrielle Stärke voll ausspielen.Gelöst ist allerdings das wichtigste Problem nicht: Unklar ist weiterhin, bei welchen Arbeiten sich humanoide Roboter in großer Zahl wirtschaftlich rechnen. Unitree kann Maschinen bauen, die Saltos schlagen. In einer Fabrik acht Stunden lang zuverlässig zu greifen, zu entscheiden und immer wieder dieselbe Arbeit zu erledigen, ist zumindest für humanoide Roboter derzeit noch ungleich schwieriger. 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