Eigentlich sind sich die US-Demokraten einig darüber, worum es jetzt geht: die Midterm-Wahlen im Herbst gewinnen, die Mehrheit im Kongress zurückerobern, Donald Trumps Präsidentschaft vollends aus dem Gleis heben. Und dann, im Jahr 2028, zurück ins Weiße Haus. Das wollen alle, da gibt es keinen Dissens.
Dissens aber gibt es in allem anderen. Kurz vor den Zwischenwahlen kämpfen die Demokraten nicht gegen Donald Trump. Sondern gegeneinander: Junge gegen Alte, Arbeit gegen Kapital, Populisten gegen Partei-Elite, Israel-Freunde gegen Israel-Feinde. Es ist der Erfolg der Democratic Socialists of America (DSA), eines rasant wachsenden Bündnisses junger Linker, der die Demokraten zur Entscheidung zwingt: Bleiben sie Bewahrer eines Status quo, den immer weniger Amerikaner akzeptieren? Oder nehmen sie den Zorn der neuen Generation auf, verlassen das Zentrum und werden zu einer Partei, die einer radikalen Gegenwart mit einer radikalen Politik begegnet?
Sind die Demokratischen Sozialisten eine neue Tea Party von links? Nur, was ist schon radikal in diesem fiebrigen Land? Wirklich nur das Neue? Oder ist es das ewige Weiter-so vielleicht auch? Wenn viele Amerikaner nicht mehr zum Arzt gehen, aus Angst davor, dass die Behandlungskosten sie ruinieren, bevor die Krankheit es tut. Wenn eine Mutter unter Tränen beichtet, dass sie darüber nachdenkt, im Supermarkt zu klauen, weil sie ihre Kinder sonst nicht ernähren kann – während Elon Musk die Schwelle zum Billionär überschreitet. Wenn die USA immer noch mehr Waffen ohne Auflagen an Israel liefern und amerikanische Politiker Wahlkampfspenden der israelischen Lobby-Organisation AIPAC in zweistelliger Millionenhöhe annehmen. Kann dann wirklich Trump schuld an allem sein? Nein, argumentieren die DSA: Schließlich haben die Demokraten zwölf der vergangenen 20 Jahre in Washington regiert.









