Donald Trumps zweite Amtszeit ist gespickt mit Widersprüchen und Skandalen. Aber Leavitt verteidigte den amerikanischen Präsidenten stets, ohne in Verlegenheit zu geraten. Nun will sie mehr Zeit für ihre zwei Kinder haben. Ersetzbar ist sie kaum.13.08.2026, 14.07 Uhr4 LeseminutenDie geborene Trump-Sprecherin: Karoline Leavitt.Julia Demaree Nikhinson / APIn seiner ersten Amtszeit verheizte Donald Trump fünf leitende Pressesprecher im Weissen Haus. Anthony Scaramucci musste seinen Posten bereits nach elf Tagen räumen. Oft scheiterten die Mediensprecher daran, Trumps «alternative Fakten» gegenüber den Journalisten im Sinne des amerikanischen Präsidenten zu verteidigen und zurechtzubiegen. Nicht so Karoline Leavitt in seiner zweiten Amtszeit: Sie war die geborene Trump-Sprecherin. Oder wie es der Präsident selbst einmal ausdrückte: «Dieses Gesicht, diese Lippen. Sie bewegen sich wie ein Maschinengewehr, nicht wahr?»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ohne lange nachdenken zu müssen, schien Leavitt auf kritische Fragen stets eine trumpsche Antwort bereitzuhalten. «Maga ist ihre politische Muttersprache», schrieb «Politico» über sie mit Verweis auf Trumps «Make America great again»-Bewegung.Nun tritt Leavitt nach einer Babypause überraschend von ihrem Posten zurück. Auf X schrieb sie am Mittwoch: «Die Wahrheit ist, dass ich nach der Geburt meiner Tochter gespürt habe, dass ich nicht die beste Mutter für zwei Kinder sein kann, während ich die notwendige Aufmerksamkeit für die Position als Pressesprecherin des Weissen Hauses konstant aufbringen muss.» Sie habe deshalb die «bittersüsse Entscheidung» getroffen, abzutreten und ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen.«Hart wie Stiefelleder»Leavitt werde das Weisse Haus auf Ende dieses Monats verlassen, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, bestätigte Donald Trump auf Truth Social. Die 28-Jährige bleibe aber eine seiner «vertrauenswürdigsten Beraterinnen». Auch Leavitt selbst versicherte, dass sie keineswegs ganz von der Bildfläche verschwinden werde. Amerika sei durch die «zunehmend extremistische Demokratische Partei existenziell bedroht», erklärte sie in gewohnt provokanter Manier. «Mein Kampf tritt in eine neue Phase, aber er ist noch lange nicht zu Ende.»Trump hat noch nicht entschieden, wer die Nachfolge seiner bevorzugten und bewährten Pressesprecherin antreten könnte. CNN aber meinte über Leavitt: «Sie ist mehr als eine Mediensprecherin.» Der Präsident werde womöglich nicht in der Lage sein, sie gleichwertig zu ersetzen.Leavitt ist erst 28 Jahre jung, aber die Tochter eines Gebrauchtwagenhändlers aus New Hampshire arbeitete bereits in Trumps erster Amtszeit im Pressebüro des Weissen Hauses. Ihre Kandidatur für einen Sitz im Kongress scheiterte danach zwar. Aber mit ihrem Sieg in den Vorwahlen gegen einen älteren Republikaner beeindruckte sie Trump. Vor allem auch, weil sie die Lüge teilte, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl 2020 gestohlen habe. Trotz ihrem jungen Alter strahlte sie bereits damals ein grosses Selbstbewusstsein und eine bemerkenswerte Streitlust aus. «Sie ist hart wie Stiefelleder», sagte der ehemalige Trump-Berater und rechtskonservative Podcaster Steve Bannon über sie.In Medienkonferenzen ging Leavitt in schwierigen Situationen – ähnlich wie Trump – am liebsten zum Angriff über. Einer dieser Momente ereignete sich, nachdem im Januar ein Beamter der Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis eine Demonstrantin erschossen hatte. «Warum wurde Renee Good auf unglückliche und tragische Weise getötet?», fragte sie einen Journalisten, obwohl es eigentlich ihre Aufgabe war, nun Fragen zu beantworten. Der Reporter antwortete: «Weil ein ICE-Beamter rücksichtslos handelte und sie ungerechtfertigterweise tötete.» Leavitt ging daraufhin zu einer Standpauke über: «Okay, Sie sind ein einseitiger Reporter mit einer linken Meinung.» Er sei im Grunde gar kein echter Journalist, sondern nur ein linker Schmierfink. «Sie sollten gar nicht hier sitzen.»In ihren Auftritten vor den Medien im Weissen Haus liess Karoline Leavitt die Journalisten ihre Verachtung für die amerikanischen Leitmedien spüren.Andrew Leyden / ImagoFeindin der LeitmedienLeavitts Verachtung für die etablierten Leitmedien in den USA steht jener von Trump in nichts nach. Dies zeigte sich auch in der Debatte um die vollständige Veröffentlichung der «Epstein Files», in denen Trumps Name oft erwähnt wird. Als eine Journalistin eine Nachfrage zu den E-Mails des Sexualstraftäters stellen wollte, meinte der Präsident: «Sei still, Schweinchen!» Auf den Zwischenfall angesprochen, verteidigte Leavitt ihren Chef: «Er kritisiert Falschnachrichten, wenn er sie erkennt, und ist frustriert über Journalisten, die falsche Informationen verbreiten.»Leavitt beliess es aber nicht bei der Medienkritik. Sie versuchte ihre Berichterstattung im Weissen Haus auch zu beeinflussen, indem sie den Zugang zu Presseterminen des Präsidenten regelte und diese auch vermehrt für regierungsfreundliche Podcaster und Influencer öffnete. Traditionell war es zuvor so, dass die Vereinigung der Korrespondenten im Weissen Haus den Zugang zu solchen Terminen in Eigenregie organisierte. Die Folge war, dass aus der Journalistenrunde vermehrt unkritische Fragen gestellt wurden.Leavitts Kritiker werden sie deshalb kaum vermissen. Sie hatten die Pressesprecherin immer wieder mit wenig schmeichelhaften Übernamen dekoriert. Manche nannten sie «Propaganda-Barbie», andere betitelten sie als «lying Leavitt» oder «Karolying». Innerhalb der Trump-Bewegung hat sie jedoch viele Bewunderer. Deshalb scheint nicht ausgeschlossen, dass sie langfristig auch wieder ins politische Rampenlicht zurückkehren könnte. Ein Beispiel dafür könnte Sarah Huckabee Sanders sein. Sie war in Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2019 die leitende Pressesprecherin im Weissen Haus – etwas länger als Leavitt. Heute ist sie Gouverneurin in Arkansas. Um Ähnliches oder noch mehr zu erreichen, bleibt Leavitt noch viel Zeit.Passend zum Artikel