Die Schulmedizin tut sich schwer, die Wirksamkeit von „alternativen“ Schmerzbehandlungsmethoden wie Chiropraktik, Osteopathie und Akupunktur ernst zu nehmen. Es ist halt nicht so einfach, physiologische Entsprechungen westlichen Zuschnitts für „gestörte Energieflüsse“ zu finden. Gerade die Akupunktur ist wieder und wieder studiert worden. Stets war das Ergebnis, dass ihre Effektivität ausschließlich auf einen Placeboeffekt zurückzuführen ist, also die rein psychisch bedingte Reaktion auf eine Behandlung ohne tatsächliche Wirkung. Der Patient denkt, es gehe ihm besser, also geht es ihm besser.Für alle, die das als sträfliche Missachtung traditioneller Medizin empfinden, gibt es jetzt eine interessante Nachricht: Akupunktur funktioniert anscheinend auch bei nichtmenschlichen Patienten. Die Veterinäre des Zoos von Tampa in Florida nahmen die Nadelbehandlung im Herbst vergangenen Jahres als therapeutische Option in ihr Angebot auf. Die ersten Patienten waren „Sloth“, ein männliches Manati mit einer chronischen Nervenerkrankung, das dadurch ein Auge nicht schließen konnte, und „Earl Grey“, eine 14-jährige Rotschnabel-Pfeifgans, die plötzlich eine Schwäche im Bein entwickelt hatte.Es ist sicher nicht ganz leicht, eine Pfeifgans mit Akupunkturnadeln zu spicken. ZooTampaDas Team verzeichnete laut Zoo-Veterinär Alex Mason bei Seekuh wie Wasservogel deutliche Verbesserungen der Beschwerden. Zudem habe man Elektroakupunktur erfolgreich zur Behandlung neurologischer Erkrankungen bei Schlangen und Eidechsen eingesetzt. Auch arthritische Ziegen und ein Alpaka hätten davon profitiert. Da man, ohne den genannten Spezies zu nahe treten zu wollen, kaum davon ausgehen kann, dass sie vor der Behandlung über die Störungen in ihren Qi-Strömen aufgeklärt wurden, dürfte der Placeboeffekt hier wohl keine Rolle spielen.Ein Beweis der Wirksamkeit von Akupunktur? Vielleicht. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass die Nadeltherapie zusätzlich zu Methoden herkömmlicher Tiermedizin, Physiotherapie und anderen Behandlungsmethoden eingesetzt wird. Das heißt: zwei Ibuprofen, eine schöne Massage und dann noch Akupunktur. Welche dieser Maßnahmen die bedeutendste Wirkung hatte, ist schwer zu eruieren. Und die Patienten können ihre subjektive Genesungsempfindung leider niemandem mitteilen.Weitere Folgen der Kolumne „Bester Dinge“ lesen Sie hier.
Zoo in Tampa, Florida, behandelt Manatis mit Akupunktur
Eine Seekuh wurde im Zoo von Tampa wegen einer Nervenkrankheit mit Akupunktur behandelt, ebenso wie eine humpelnde Pfeifgans. Die Methode scheint zu wirken.






