Ein Auto ist ein Auto ist ein Mensch? Diese Frage kann man sich stellen, wenn man ein neues Angebot von Mercedes-Benz betrachtet: eine „Geburtsurkunde“ für alle Mercedes-Pkws, die von 1986 bis 2010 hergestellt wurden. Das Dokument, „auf hochwertigem Papier gefertigt und in einer eigens dafür vorgesehenen Mappe“, macht einige Angaben zum Auslieferungszustand des Fahrzeugs. Es kostet 130 Euro, was sich Auto-Fans gewiss leisten können. Aber halt! Gibt es die eigentlich noch – Auto-Fans?Mark Zuckerbergs KI-Manifest:Verlogenes GesülzeMeta-Chef Mark Zuckerberg hat ein Manifest für künstliche Intelligenz veröffentlicht. Wir haben es gelesen, damit Sie das nicht tun müssen.Die Deutschen und ihr Fahrzeug: Das war mal eine innige, ja fast zärtliche Beziehung. Schon sprachlich drückte sich die aus. Wer seinem Auto in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht gar selbst einen Kosenamen gab, sprach liebevoll vom „Bulli“ oder „Käfer“, hatte vielleicht einen „Flitzer“ in der Garage oder fuhr mit der „Familienkutsche“ in den Urlaub. In der Werbung von Opel oder VW waren oft Vater, Mutter, Kind zu sehen – neben dem „Kadett“ oder dem „Variant“, was fast wirkte, als wäre das Auto ein echter Familienangehöriger. Und von den Fahrerhäuschen der Lkws grüßte das „Bibendum“, das so vergnügt dreinschauende Michelin-Männchen, dessen Körper aussah, als wäre er aus Autoreifen geformt.Eine Gruppe hat sich ihre besondere Liebe zum Pkw immer noch bewahrt – die Young- und Oldtimer-FansHeute ist das enge Verhältnis zum Auto doch sehr viel nüchterner geworden. Die deutsche Automobilindustrie leidet wie selten, der Absatz chinesischer Autos hierzulande wachst rasant. Es gibt aber eine Gruppe, die sich ihre besondere Liebe zum Pkw immer noch bewahrt hat. Das sind die Young- und Oldtimer-Fans. Zehntausende davon sind in Clubs organisiert, man sieht sie jetzt im Sommer bei gemeinsamen Ausfahrten am Wochenende oder bei Autoshows in den Städten. Und genau diese Gruppe möchte Mercedes mit der „Geburtsurkunde“ ansprechen.Wer also wissen will, wann genau der eigene Mercedes ausgeliefert wurde, wie er lackiert war, welcher Art die Innenausstattung gewesen ist und ob es vielleicht auch Extras gab, der wird diese Angaben in dem neuen Dokument finden. Wohlgemerkt, die Geburtsurkunde ist kein Gutachten, sie beschreibt nur, in welcher Konfiguration das Fahrzeug vor Jahrzehnten das Werk verließ.Literatur:Die besten Bücher für die FerienOb unter dem Hitzedom, wenn ein Gewitter niedergeht oder in einer sternklaren Nacht: Am besten verbringt man den Sommer mit einem Buch. Oder mehreren! Empfehlungen aus der SZ-Redaktion für die heißeste Lesezeit des Jahres.Für normale Autofahrer und -fahrerinnen dürften diese Informationen völlig uninteressant sein. Für Oldtimer-Besitzer und überhaupt für Sammler aber gilt: Je originaler ein Gegenstand ist, je weniger an dem Ursprungszustand verändert wurde, desto interessanter und vielleicht auch teurer kann er sein. Oder, wie es Tobias Walburg, Pressesprecher von Mercedes-Benz Heritage, formuliert: „Eine nachvollziehbare und belegbare Historie ist bei der Wertermittlung klassischer Fahrzeuge ein positiver Faktor.“Die bisherige Resonanz sei gut, teilt Walburg mit, genaue Zahlen gebe es noch nicht. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass Mercedes ähnlich viele Urkunden ausstellen wird wie die Standesämter im Zuge der monatlich etwa 55 000 Geburten. Und dennoch bezeugt jeder, der sich jetzt für seinen „Benz“ das neue Dokument leistet, eine Haltung, wie sie einst Rallye-Weltmeister Walter Röhrl leicht ironisch so beschrieben hat: „Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln, ein Auto braucht Liebe.“
Familienmitglied Auto? Mercedes-Benz stellt Geburtsurkunden für einige Modelle aus
Was wie ein Witz wirkt, könnte für Young- und Oldtimer-Fahrer interessant sein: Die Dokumente könnten Modelle wertvoller machen.






