Vom Kirchenmusiker zum Schriftsteller: Kristof Magnusson über Bach, das Leipziger Literaturinstitut und das Empowernde an Unterhaltungskultur.
Gemessen an den verkauften Exemplaren seiner Bücher zählt Kristof Magnusson zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Dass er trotzdem häufig unter dem Radar der Literaturdiskursszene läuft, mag daran liegen, dass er bislang keine Anlässe für Skandale lieferte. Der in Hamburg aufgewachsene, just eben 50 Jahre gewordene Buch- und Theaterautor lebt heute in Berlin. 2005 war er für seinen Text „Zuhause“ zum Bachmannpreis in Klagenfurt eingeladen, sein neuer Roman „Die Reise ans Ende der Geschichte“ wurde auch von Denis Scheck im WDR sehr gelobt. Wir treffen uns zum Gespräch auf halber Strecke, im „Hoven“, einem queeren Lokal in Berlin-Neukölln, und bestellen zum Nachmittag belebenden Tee. Magnusson wirkt aufgeräumt, freundlich und, ja, wach, obwohl er am sehr frühen Morgen nach kürzerer Nacht aus Rendsburg gen Berlin aufgebrochen ist.
taz: Kristof Magnusson, nach meiner vielleicht nur groben Zählung sind Sie im deutschsprachigen Bereich einer jener Autoren, die es auf die meisten Lesungen im Jahr bringen, etwa 150.
Kristof Magnusson: Oh, danke, ich selbst habe keinen Überblick, aber ich bekenne offen, ja, ich bin gern unterwegs, fahre gern zu Lesungen, besonders in kleinere Orte. Ich glaube sehr an dieses Format. Wenn an einem schönen Abend 80 oder 100 Menschen zusammenkommen und etwas hören und sehen wollen, dann schafft das auch ein, wie heißt es immer, positives Identifikationsangebot.







