Der Rohölpreis hat zuletzt wieder angezogen. Auch Heizöl ist in den vergangenen Tagen trotz der warmen Witterung wieder teurer geworden, der Preis stieg auf 134 Euro je 100 Liter. Die Benzinpreise in Deutschland dagegen stagnierten auf Wochensicht ungefähr, wie der Autoklub ADAC am Dienstag in seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von mehr als 14.000 Tankstellen berichtet. Super E10 kostet im Durchschnitt derzeit 2,125 Euro je Liter; vor Wochenfrist waren es 2,128 Euro je Liter. Für Diesel zahlen Autofahrer 2,200 Euro je Liter, vor einer Woche waren es 2,204 Euro je Liter.Sieben Cent je Liter UnterschiedAllerdings gibt es nach den ADAC-Angaben mittlerweile regionale Preisunterschiede. In einigen Bundesländern im Westen Deutschlands sei durch das Rhein-Niedrigwasser die Beschaffung und der Transport von Kraftstoffen aufwendiger geworden. Besonders teuer sei Sprit deshalb im Moment unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, auch in Hessen merkt man wohl zum Teil ein bisschen was. Der Unterschied zwischen teuren und günstigen Ländern beläuft sich auf ungefähr sieben Cent je Liter Super E10 und auf rund acht Cent je Liter Diesel. Die Kraftstoffversorgung in Deutschland erfolge jedoch keineswegs ausschließlich über die Binnenschifffahrt, hebt der ADAC hervor. Man solle den Faktor als Argument für höhere Benzinpreise in Deutschland nicht so einfach durchgehen lassen: Es stelle „lediglich einen von mehreren Einflussfaktoren dar“, der sich regional unterschiedlich stark auswirken könne.Kein echter VersorgungsengpassEinen echten Versorgungsengpass gebe es noch nicht, berichtete Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes in Bonn: „Bisher haben wir nur in bestimmten Regionen, speziell hier im Westen, ein Preisproblem.“ Der Schiffstransport für Blending-Komponenten, also den Zutaten zur Benzinherstellung, komme kaum noch durch. Binnenschiffe führen mit nur 15 Prozent ihrer normalen Ladung. Bestimmte Lager, besonders in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, seien per Schiff nicht mehr erreichbar, und die Alternativen für den Transport seien knapp und teurer. Tankwagen müssten statt vom relativ nahen Lager den Kraftstoff direkt an der Raffinerie abholen, das dauere länger und sei teurer.Im Vergleich zum Vorjahr sind die derzeitigen Kraftstoffpreise jedenfalls weiterhin recht hoch. Für die im Juli auf 2,8 Prozent gestiegene Inflation in Deutschland spielten die Kraftstoffe eine zentrale Rolle, erklärte Ruth Brand, die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, am Mittwoch. Ökonomen meinen, dass, wenn der Stand des Rheins so niedrig bleibe, es durchaus Auswirkungen auf die Inflation haben könnte. „Die deutsche Inflationsrate könnte dadurch temporär um bis zu einem halben Prozentpunkt ansteigen“, sagte Felix Schmidt vom Hamburger Bankhaus Berenberg.„Rohöl könnte auf mehr als 100 Dollar steigen“Der Preis für Rohöl war zuletzt wieder gestiegen. Am Mittwoch notierte Rohöl der Sorte Brent zeitweise knapp unterhalb von 90 Dollar je Barrel (zu 159 Liter), vor einer Woche waren es rund 78 Dollar gewesen. Cyrus de la Rubia, Volkswirt der Hamburg Commercial Bank, hält sogar einen Anstieg auf mehr als 100 Dollar in den nächsten Wochen für möglich. „Seit Monaten kommt nur ein Bruchteil des Erdöls von den Golfstaaten auf den Weltmarkt im Vergleich zur Vorkriegssituation“, sagte er.Bislang habe das einigermaßen abgefedert werden können, sagte der Ökonom. So hätten Tanker, die schon im Vorfeld des Krieges den Persischen Golf verlassen hätten, als schwimmende Lager gedient. Außerdem hätten viele Staaten ihre strategischen Reserven angezapft. Weiter sei die Ost-West-Pipeline, mit deren Hilfe das Öl aus der Golfregion zum Roten Meer transportiert werden könne, verstärkt als Ausweichroute genutzt worden. Zudem habe China seine Ölimporte massiv gesenkt, um etwa drei Millionen Barrel je Tag. „China war dazu in der Lage, weil das Land vorher seine Lagerbestände auf Rekordstände ausgebaut hatte und diese jetzt anzapfen kann“, sagte de la Rubia.Die Ölproduktion habe jedoch während der vergangenen Monate niemals den laufenden Konsum abgedeckt. „Die Angebotspuffer neigen sich jetzt dem Ende zu und die Lage wird angespannter“, sagte der Ökonom. „Dazu kommt noch, dass Russlands Raffinerien unter schwerem Beschuss sind und von dieser Seite ebenfalls eine Angebotsverknappung zu beobachten ist.“ Nachdem Iran Forderungen gegen die Vereinigten Staaten formuliert habe, die diese ohne Gesichtsverlust kaum erfüllen könnten, mache sich gerade der Eindruck breit, dass dieser Konflikt in absehbarer Zeit nicht gelöst werde.