PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHafenwirtschaftHHLA senkt Prognose nach schwachem ersten HalbjahrStand: 08:36 UhrLesedauer: 4 MinutenQuelle: picture alliance/imageBROKER/Thomas LammeyerDie Folgen von Terminalumbauten, Bahn-Baustellen und geopolitischen Verwerfungen werden in Hamburg spürbar. Der Containerumschlag geht deutlich zurück, das Ergebnis bricht ein.Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat nach einem schwachen ersten Halbjahr ihre Prognose für 2026 gesenkt. Der Konzern begründet dies mit operativen Belastungen durch die laufende Modernisierung und Automatisierung der Hamburger Containerterminals, mit Infrastrukturarbeiten im Schienennetz sowie mit anhaltenden geopolitischen und konjunkturellen Unsicherheiten. Auch der starke Wintereinbruch zu Jahresbeginn habe die Abläufe beeinträchtigt und könne im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich nicht mehr vollständig ausgeglichen werden.Lesen Sie auchDer konzernweite Containerumschlag sank von Januar bis Juni um 6,7 Prozent auf 2,959 Millionen Standardcontainer (TEU). Die Containertransportmenge im Hinterlandgeschäft ging leicht um 1,2 Prozent auf 985.000 TEU zurück. Zugleich stiegen die Umsatzerlöse um drei Prozent auf 910,9 Millionen Euro. Das operative Betriebsergebnis (Ebit) fiel dagegen deutlich von 79,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 51,3 Millionen Euro.HHLA-Chef Jeroen Eijsink stellte die Belastungen als Folge einer notwendigen Transformation dar. Die Modernisierung der Hamburger Containerterminals sei eine „entscheidende Investition in die Zukunftsfähigkeit der HHLA“. Gerade in einem schwierigen Marktumfeld müsse die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gestärkt werden. Deshalb halte das Unternehmen an seinen Investitionen fest, auch wenn Umbauten und Bahn-Baustellen das operative Geschäft derzeit belasteten.Die Zahlen kommen zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Seit dem Einstieg der weltgrößten Containerreederei MSC bei der HHLA wird in Hamburg intensiv darüber gestritten, ob der Hafen durch einen starken privaten Partner wettbewerbsfähiger wird oder ob sich die Stadt zu abhängig von einem einzelnen Reedereikonzern macht. Die Stadt Hamburg hält gemeinsam mit MSC über die Port of Hamburg Beteiligungsgesellschaft die Kontrolle über die HHLA; Hamburg behält dabei mit 50,1 Prozent die Mehrheit, MSC kommt auf 49,9 Prozent. Verbunden ist die Partnerschaft mit der Zusage, das Ladungsaufkommen an den Hamburger HHLA-Terminals bis 2031 deutlich zu steigern. Zugleich sollen Stadt und MSC der HHLA zusätzliches Eigenkapital für Investitionen bereitstellen.Für die Befürworter des Deals sind die jetzt vorgelegten Halbjahreszahlen ein Beleg dafür, dass der Hafenlogistiker ohne tiefgreifende Modernisierung weiter unter Druck geraten würde. Für Kritiker dürften sie dagegen Wasser auf die Mühlen sein: Wenn der Umschlag trotz neuer Eigentümerstruktur und Investitionsversprechen zurückgeht, stellt sich die Frage, wie schnell der angekündigte Effekt des MSC-Einstiegs tatsächlich sichtbar wird. Hinzu kommt, dass die HHLA selbst die laufende Terminalmodernisierung als einen Grund für die schwächere Produktivität nennt. Lesen Sie auchBesonders deutlich zeigt sich dies im Segment Container. An den Hamburger HHLA-Terminals sank der Umschlag im ersten Halbjahr um 7,3 Prozent auf 2,786 Millionen TEU. Die HHLA verweist neben dem schwachen Jahresauftakt auf die Modernisierungsarbeiten, auf Verschiebungen internationaler Warenströme durch geopolitische Spannungen und auf Veränderungen infolge der Neuordnung von Reederei-Allianzen. Rückgänge in wichtigen Überseeverkehren und bei den Feederverkehren hätten nur teilweise durch Zuwächse in anderen Fahrtgebieten ausgeglichen werden können.Damit wird ein zentrales Problem des Hamburger Hafens sichtbar: Der Standort ist stark in weltweite Liniennetze eingebunden, aber gerade deshalb abhängig von Entscheidungen großer Reedereien und Allianzen. Wenn Dienste verändert, Ladung verlagert oder neue Hub-and-Spoke-Systeme aufgebaut werden, schlägt sich das unmittelbar in den Umschlagszahlen nieder. Hamburg konkurriert dabei nicht nur mit Rotterdam und Antwerpen, sondern auch mit deutschen Standorten wie Bremerhaven und Wilhelmshaven, die in neuen Linienkonzepten der Reedereien ebenfalls eine größere Rolle spielen.Auf den Gleisen läuft es besserIm Segment Intermodal, also beim Transport von Containern per Bahn und Straße, fiel der Rückgang deutlich moderater aus als im Terminalgeschäft. Die transportierte Menge sank um 1,2 Prozent auf 985.000 TEU. Die Bahntransporte gingen um ein Prozent auf 855.000 TEU zurück, die Straßentransporte um 2,4 Prozent auf 130.000 TEU. Der Bahnanteil blieb mit 86,8 Prozent nahezu stabil. Die Umsatzerlöse im Segment stiegen dennoch um 6,3 Prozent auf 425,5 Millionen Euro. Das Ebit sank leicht um 1,6 Prozent auf 47,5 Millionen Euro. Auch hier verweist die HHLA auf Baustellen auf wichtigen Transportstrecken und die hohe Auslastung der norddeutschen Seehäfen.Der Immobilienbereich der HHLA entwickelte sich dagegen stabil. Die Flächen in der Speicherstadt und auf dem Fischmarktareal seien nahezu voll vermietet. Die Umsatzerlöse stiegen um 3,7 Prozent auf 24,2 Millionen Euro, das Ebit legte um elf Prozent auf 7,5 Millionen Euro zu. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand nun auf Konzernebene einen deutlichen Umsatzanstieg, aber nur noch ein operatives Betriebsergebnis zwischen 150 und 170 Millionen Euro. Für den Teilkonzern Hafenlogistik rechnet die HHLA mit einem Ebit zwischen 135 und 155 Millionen Euro. Der Containerumschlag dürfte leicht unter dem Vorjahreswert liegen, der Containertransport dagegen leicht zulegen. An den Investitionsplänen hält der Konzern fest: Insgesamt sollen 430 bis 480 Millionen Euro investiert werden, davon 400 bis 450 Millionen Euro in die Hafenlogistik.jlau