Mafiaboss in Algerien verhaftet – Paris und Algier nähern sich einander im Kampf gegen die Drogen anMehdi Laribis DZ Mafia eroberte den südfranzösischen Drogenmarkt mit roher Gewalt. Seine Verhaftung ist für Paris ein diplomatischer Erfolg, der allerdings am grassierenden Drogengeschäft wenig ändern dürfte.Christine Longin, Paris13.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenKundgebung für den ermordeten Mehdi Kessaci, Bruder eines bekannten Anti-Mafia-Aktivisten. Die Spur führt auch in diesem Fall zur DZ Mafia.William Cannarella / ImagoMehdi Laribi hatte in seiner Jugend eine kurze Karriere als Filmschauspieler. In mehreren Kinofilmen, darunter «Khamsa» des Regisseurs Karim Dridi, übernahm er eine Nebenrolle. Doch Laribi entschied sich für den Drogenhandel und stieg in Marseille zu einem der Köpfe der berüchtigten DZ Mafia auf. Ende Juli wurde er in Algerien festgenommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von dort aus soll er zuletzt die Geschäfte der Drogenbande gesteuert haben. «Er war sehr gefährlich und gewalttätig», sagt Yann Bisiou, Dozent für Kriminalwissenschaften an der Universität Montpellier, der NZZ. Seine Festnahme sei deshalb eine «gute Sache». Ob Laribi sich je vor einem französischen Gericht verantworten müssen wird, ist aber unklar. Laribi ist Doppelbürger, und Algerien liefert seine Staatsangehörigen in der Regel nicht aus.Ein Zeichen der Annäherung zwischen Paris und AlgierDass Laribi nun in Algerien unter Justizaufsicht steht, dürfte die Aktivitäten der Drogenbande nicht stoppen. «Die Festnahme hat vor allem geopolitische und diplomatische Folgen», bemerkt Bisiou. Sie zeige den Willen Algeriens, wieder mit Frankreich zusammenzuarbeiten. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern war stark belastet, nachdem Frankreich den Anspruch Marokkos auf die Region Westsahara anerkannt hatte. Algerien unterstützt dagegen die Bewegung Frente Polisario, die für die Unabhängigkeit der Region kämpft.Entspannung brachte ein Algerien-Besuch von Justizminister Gérald Darmanin Mitte Mai. Dabei soll der Minister der algerischen Seite eine Liste mit Namen von Drogenhändlern vorgelegt haben, deren Festnahme Frankreich wünschte. Wenige Tage nach Laribi nahm die algerische Polizei auch Djamel Djeha fest, ein weiteres mutmassliches Mitglied der DZ Mafia. Djeha soll den Drogenhandel in Castellane, einem anderen Problemviertel von Marseille, geleitet haben. «Danke an die algerischen Justizbehörden für unseren Austausch und unsere Zusammenarbeit im gemeinsamen Kampf gegen den Drogenhandel», schrieb Darmanin im Kurznachrichtendienst X.Anwohner beobachten den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der am 19. März 2024 den Marseiller Stadtteil La Castellane besucht, um sich vor Ort mit der Sicherheitslage und der Bekämpfung des Drogenhandels zu befassenChristophe Ena / PoolAufstieg und Fall von Mehdi LaribiLaribi wuchs als zweites von fünf Kindern in der Cité Bassens auf, einem Problemviertel im Norden von Marseille. Die Zeitung «Le Parisien» berichtet, dass seine kriminelle Karriere bereits mit zwölf Jahren begann. Wenige Jahre später übernahm er mit seinem Bruder Lamine die Kontrolle über den Drogenhandel in seinem Viertel. 2011 wurden die beiden festgenommen, nachdem sie drei Jugendliche umgebracht und ihre Leichen im Kofferraum eines Autos verbrannt hatten. Die Methode ist in Marseille als «Barbecue» bekannt. Laribi, der den Spitznamen «Tic» trägt, musste daraufhin eine Haftstrafe von zehn Jahren verbüssen.Heute wird Laribis Name vor allem mit der sogenannten DZ Mafia verbunden, die er nach seiner Freilassung zusammen mit anderen gründete. Das algerische Länderkürzel DZ soll die Verbundenheit der Gründungsmitglieder mit Algerien zeigen: Laribi und andere Anführer haben sowohl die französische als auch die algerische Staatsbürgerschaft.In ihren ersten Jahren lieferte sich die DZ Mafia einen blutigen Konkurrenzkampf mit dem Yoda-Clan: Allein 2023 starben 49 Menschen in diesem Konflikt, den Laribis Gruppe schliesslich gewann. Die Methoden der DZ Mafia sind drastisch. «Sie töten die Leute nicht nur, sondern schneiden sie in Stücke oder verbrennen sie», sagt Bisiou.Nachdem Laribi sich aber nach Algerien abgesetzt hatte, verlor er innerhalb der Gruppierung an Einfluss. In einem von der Polizei abgehörten Gespräch beschwerte sich einer seiner Vertrauten, dass «Tic» in Algerien ein schönes Leben habe, während er die jungen Dealer anleiten müsste. Im Frühjahr 2025 soll Laribi zudem hinter dem Rücken seiner Kollegen versucht haben, einen Drogentransport von neun Tonnen Haschisch für seine eigenen Zwecke zu nutzen. «Seit diesem Fall wurde Mehdi Laribi als Verräter betrachtet», heisst es in den Akten der Staatsanwaltschaft von Marseille. Laribis Verbindungsmänner in Frankreich sollen sich daraufhin abgespalten und die DZ Mafia Nouvelle Génération (neue Generation) gegründet haben.Mehdi Laribi (36), genannt «Tic», gilt als einer der Gründer der DZ Mafia. Der Franzose mit algerischer Staatsbürgerschaft wurde Ende Juli in Algerien festgenommen und steht seither unter gerichtlicher Aufsicht. © Screenshot TF1PDDie DZ Mafia ist auch auf den sozialen Netzwerken präsent«Die DZ Mafia ist keine strukturierte, hierarchische Mafia wie zum Beispiel die italienische Camorra», analysiert Bisiou. Es handele sich eher um ein Netzwerk von Kriminellen, das punktuell zusammenarbeite.Bisiou bezeichnet die DZ Mafia eher als Marke denn als Organisation. Unter ihrem Namen träten auch Kleinkriminelle auf, die eigentlich nichts mit der bekannten Gruppierung zu tun hätten. «Denn der Name macht allen Angst», sagt Bisiou.Zur Selbstdarstellung nutzt die DZ Mafia ganz offen die sozialen Netzwerke. So zeigt sie auf Tiktok ihren Reichtum in Form von Waffen, Autos und Bündeln von Geldscheinen. Jugendliche, die als Späher an den Drogenumschlagplätzen arbeiten, rekrutiert sie über Snapchat, Telegram oder Whatsapp.Der Erfolg kommt zur rechten ZeitZuletzt machten die Drogenhändler von sich reden, als der Bürgermeister der südfranzösischen Kleinstadt Alès zwei Patronen in einem Umschlag erhielt. Auf beide war der Name der DZ Mafia eingraviert. Die Gruppierung lehnte die Verantwortung für diese Drohbotschaft allerdings in einem Video ab, auf dem mehrere vermummte Männer zu sehen sind. Auch im Fall der Ermordung von Mehdi Kessaci, dem Bruder des Grünen-Politikers und Anti-Drogen-Aktivisten Amine Kessaci, führt eine Spur zur DZ Mafia.Angesichts dieser eskalierenden Gewalt bedeutet die Verhaftung Laribis ein dringend benötigtes positives Signal für die Politik von Justizminister Darmanin. Er führt den Kampf gegen den Drogenhandel seit Jahren mit harter Hand. Vor einem Jahr weihte er die ersten Hochsicherheitstrakte in Gefängnissen ein, in denen Drogenbosse nun unter strikter Isolierung untergebracht sind. Die Drogenkriminalität hat dadurch allerdings nicht abgenommen: Laut dem Innenministerium wurden 2025 mehr als 56 000 Menschen wegen Drogenhandels polizeilich erfasst – ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.Blumen und Trauerbotschaften liegen am 21. November an einem provisorischen Gedenkort auf einem Kreisverkehr in Marseille, wo der 20-jährige Mehdi Kessaci in der vorangegangenen Woche ermordet wurde.Manon Cruz / ReutersPassend zum Artikel
Gründer der DZ Mafia verhaftet: Mit roher Gewalt eroberte er den französischen Drogenmarkt
Mehdi Laribis DZ Mafia eroberte den südfranzösischen Drogenmarkt mit roher Gewalt. Seine Verhaftung ist für Paris ein diplomatischer Erfolg, der allerdings am grassierenden Drogengeschäft wenig ändern dürfte.








