500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur: So funktioniert die neue Zusammenarbeit zwischen Nvidia mit der Wall-StreetNvidia-Chef Jensen Huang braucht frisches Geld für den KI-Ausbau. Dafür sollen Finanzhäuser wie Goldman Sachs, Blackrock oder KKR viel Geld bei externen Investoren einsammeln. Die Risiken sind angesichts der befürchteten KI-Blase gross.12.08.2026, 16.37 Uhr3 LeseminutenNvidia-Chef Jensen Huang will nun selbst KI-Rechenzentren aufbauen – externe Investoren sollen dafür zahlen.Yoshio Tsunoda / ImagoDer Chiphersteller Nvidia und verschiedene Wall-Street-Finanzgesellschaften haben mit einer gemeinsamen Initiative für Aufsehen gesorgt. Geplant ist, dass die Partner mehr als 500 Milliarden Dollar von externen Geldgebern anziehen – zum Beispiel von institutionellen Investoren, Versicherungen oder Pensionskassen. Das Geld soll in den Bau von KI-Rechenzentren fliessen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Initiative wurde mit grossen Worten angekündigt: «Das ist der Beginn eines offenen Kapitalmarktes für KI-Infrastruktur», sagte Nvidia-Chef Jensen Huang. Es werde eine neue Anlageklasse entstehen, bei der Geldgeber direkt in die Infrastruktur für die Wirtschaft von Morgen investieren könnten. Bei der Beschaffung des Geldes helfen die sechs Wall-Street-Grössen Apollo, Blackrock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs and KKR.Alternative zu HyperscalernKI-Rechenzentren werden bis jetzt vor allem von den US-Techkonzernen Amazon, Alphabet (Google), Microsoft, Meta und Oracle gebaut und betrieben. Diese sogenannten Hyperscaler wollen laut der Bank Morgan Stanley bis 2028 die enorme Summe von 3,5 Billionen Dollar in KI-Rechenzentren investieren. Das kreiert eine hohe Nachfrage nach den KI-Chips von Nvidia, die in praktisch allen Rechenzentren eingesetzt werden. Und das macht Nvidia zur derzeit wertvollsten Firma der Welt.Doch Nvidia befürchtet offenbar, dass kleinere Firmen nicht mithalten können. Huang erklärte in einer Mitteilung, viele KI-Labors und Startups könnten sich den Bau eines Rechenzentrums nicht leisten. Nvidia wolle deshalb selbst vom Chip-Lieferanten zum Anbieter von «KI-Fabriken» werden. Laut Huang würden diese zunehmend zu einer zentralen Infrastruktur für die Wirtschaft. Ein willkommener Nebeneffekt dürfte sein, dass Nvidia selbst profitiert, indem das Unternehmen mehr KI-Chips absetzen kann.Die Initiative sieht vor, dass Nvidias KI-Fabriken mit externem Geld finanziert werden, das von den Wall-Street-Finanzgesellschaften eingesammelt wird. Diese Art der Finanzierung ist neu. Hyperscaler wie Google, Microsoft oder Amazon haben ihre KI-Rechenzentren zum Teil mit eigenem Geld bezahlt. Allerdings haben sie sich in den vergangenen Monaten auch zunehmend dafür verschuldet, etwa über die Ausgabe von Firmenanleihen. Manche Investitionen in Rechenzentren sind zudem in intransparente Zweckgesellschaften ausgelagert worden.Dies hat die Sorge geschürt, dass im KI-Sektor eine mit Fremdkapital finanzierte Blase entstehen könnte. Auch sogenannte zirkuläre Finanzierungen stehen in der Kritik. Nvidia hat etwa angekündigt, 100 Milliarden Dollar in Open AI, den Anbieter von ChatGPT, zu investieren. Die hochdefizitäre Firma soll sich so den Kauf von neuen Nvidia-Chips leisten können. Damit übernimmt Nvidia Geschäftsrisiken des eigenen Kunden.Weg von zirkulären FinanzierungenHuangs neue Initiative dürfte nun ein Versuch sein, von solchen zirkulären Finanzierungen wegzukommen. Das Geld für Nvidias KI-Fabriken soll vollständig von externen Investoren kommen. Die involvierten Wall-Street-Häuser sollen wohl für Seriosität bürgen. Laut den Ankündigungen werden sie jedes einzelne Investitionsprojekt für eine KI-Fabrik auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen.Nvidia selbst übernimmt nur beschränkt Risiken. Der Chipkonzern werde «in einzelnen Fällen» bis zu 25 Prozent von allfälligen Verlusten tragen, hiess es vage. An den Finanzmärkten wurde das als vorteilhaft für Nvidia beurteilt. Es werden wohl Verlustrisiken weg von Nvidia und hin zu externen Investoren verschoben.Bis jetzt ist kein Geld geflossen. Wie viele Investoren die Wall-Street-Finanzgesellschaften überzeugen können, muss sich zeigen. Die Investoren dürften sich dabei einiges überlegen.Gefahr eines CrashsEinerseits geht es um die Frage, ob die KI-Fabriken von Nvidia ein gutes Geschäft sein werden und ob die darin verbauten Chips als Sicherheit ihren Wert behalten werden. Beides ist umstritten.Nvidia-Chef Huang sprach von grossen Chancen und betonte etwa, dass selbst ältere Nvidia-Chips noch rege genutzt würden. Kritiker weisen hingegen darauf hin, dass die meisten Kunden von KI-Rechenzentren bis jetzt kein Geld verdienen oder – wie Open AI – hohe Verluste schreiben. Falls der KI-Boom abrupt zu einem Ende kommen sollte, könnten die KI-Rechenzentren stark an Wert verlieren.Zweitens zeigt die Erfahrung, dass in Phasen technologischer Umbrüche oft zu viel in neue Infrastrukturen investiert wird. Eine Investitionsblase gab es etwa beim Bahn der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert oder beim Internet-Boom Ende der 1990er-Jahre. Auch im KI-Sektor werden nun womöglich grosse Überkapazitäten aufgebaut. Dieses Risiko gehen die Investoren ein, wenn sie bei der neuen Initiative von Nvidia und der Wall Street mitmachen.Passend zum Artikel