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Autobauer: Mercedes verliert Software-Chef Magnus Östberg Der schwedische Manager leitete eine der wichtigsten Transformationen in der Konzerngeschichte. Ob es einen Nachfolger gibt, ist unklar. Kurzfristig übernehmen gleich mehrere Führungskräfte.
Magnus Östberg: Der Softwarechef verlässt Mercedes. Foto: Mercedes-BenzDüsseldorf. Der Autobauer Mercedes-Benz verliert seinen Software-Chef Magnus Östberg. Über die Personalie informierte der Dax-Konzern am Dienstagnachmittag im Intranet und per E-Mail. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.Demnach wird Östberg Ende des Monats gehen. Der Manager soll nach Angaben aus Konzernkreisen selbst darum gebeten haben, seine Stelle zu verlassen. Sein Abgang hat viele Beschäftigte überrascht.Der 53-Jährige war der wichtigste Architekt der Softwarestrategie von Mercedes. In den vergangenen fünf Jahren leitete der gebürtige Schwede eines der bedeutsamsten Transformationsprojekte der 140-jährigen Unternehmensgeschichte: das Fahrzeug-Betriebssystem „MB.OS“ (Mercedes-Benz Operating System). Das mehrere Milliarden Euro teure Projekt gilt als eines der ambitioniertesten der Branche.In den neuen Mercedes-Modellen ist MB.OS zentrales Element des Fahrzeugs. Die Autofahrer bedienen darüber nicht nur das Infotainment-System oder Apps wie Microsoft Teams und den Videodienst Disney +. Auch Assistenzsysteme wie autonomes Fahren werden darüber gesteuert.Mercedes kooperiert mit verschiedenen Partnern. In westlichen Ländern arbeitet der Konzern mit dem Kartendienst Google Maps zusammen, in China ist es Amap von Alibaba. Beim autonomen Fahren kooperiert man in Europa und den USA mit dem Chiphersteller Nvidia, in östlichen Ländern ist das Start-up Momenta aus China Partner.Mercedes stellt mit MB.OS die Basis. Die Dienste von Partnern sollen nicht nur zugekauft, sondern implementiert werden. Östberg verglich das Softwaresystem gern mit dem Chefkoch eines Sternerestaurants. Dieser müsse das Gemüse oder Fleisch auch nicht selbst erzeugen, aber am Ende beim Einkauf sorgfältig auswählen, damit er ein Menü zusammenstellen könne, das zur Philosophie des Restaurants passe.Erstes softwaredefiniertes Mercedes-FahrzeugSo entwickelt Mercedes anders als früher kein Kartenmaterial für die Navigation selbst, sondern überlässt das etwa Google. Durch MB.OS haben die Karten aber die Mercedes-Optik. Zudem hat der Konzern so die Hoheit über die Daten. Über MB.OS können Kunden auch nachträglich Updates „over the air“ aufspielen, also ohne Werkstattbesuch.Die Coupé-Limousine CLA bildete vergangenes Jahr im Frühjahr den Auftakt und war unter Östbergs Führung das erste softwaredefinierte Fahrzeug, das Mercedes auf den Markt gebracht hat.Monitor über das gesamte Cockpit: Mercedes-Kunden können darüber MB.OS bedienen. Foto: Mercedes-BenzEs war ein Paradigmenwechsel: Bei der Entwicklung stand die Software im Vordergrund, die zahlreichen Steuergeräte wurden durch wenige Zentralcomputer ersetzt. In der Vergangenheit lag der Fokus auf der physischen Integration der Bauteile von Lieferanten.Vor allem mit der überarbeiteten Software hat Mercedes laut Branchenkennern große Fortschritte gemacht, um zu chinesischen Wettbewerbern aufzuschließen. Die Zeiten, in denen die Software Aussetzer hatte, gehören der Vergangenheit an. MB.OS ermöglicht auch eine bessere Sprachsteuerung.Autoindustrie „Schockierendes Bild der Branche“: Kerngeschäft der deutschen Premiumhersteller bricht ein Der Mercedes-Vorstand dankt Östberg in dem Schreiben „für seine herausragende Leistung und strategische Weitsicht“ bei der Software-Transformation. Östberg habe sich aus „persönlichen Gründen entschieden, eine neue Phase seiner beruflichen Karriere zu beginnen“.Die Arbeit von Östberg galt als fordernd und intensiv. Seine Familie lebt in den USA, oft war er in Sindelfingen, aber auch in China unterwegs. Wohin es ihn künftig zieht, ist unklar. Zunächst soll Östberg als Berater für Mercedes tätig bleiben. Der Manager galt unter Kollegen als umgänglich und wurde geschätzt.Nachbesetzung ungewissDie Aufgaben von Östberg werden auf vier Manager verteilt: Der leitende MB.OS-Manager Michael Hafner soll das Projekt aus Sindelfingen verantworten. In China wird das Projekt vom leitenden Manager Wang Xing betreut. Auch Nordamerika-Chef Jason Hoff und der leitende Angestellte James Liu übernehmen Funktionen von Östberg.Ob seine Stelle nachbesetzt wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Östberg hat das Fundament für die Software gelegt, auf dem der Konzern weiter aufsetzen kann. Verwandte Themen ChinaOla KälleniusUSASoftwareMichael Hafner: Der Vice President für MB.OS übernimmt die Verantwortung. Foto: Mercedes-BenzÖstberg, der Schwedisch, Englisch und Deutsch spricht, begann seine Tätigkeit bei Mercedes im September 2021. Die Funktion des Softwarechefs wurde eigens für ihn geschaffen. Er berichtete an den Entwicklungsvorstand und Konzernchef Källenius.Nach seinem Masterabschluss in Elektrotechnik startete er seine Karriere in der Automobilindustrie in der Software- und Beratungsfirma Mecel. Danach hatte er verschiedene Leitungsfunktionen beim früheren Autozulieferer Delphi inne. Vor seinem Wechsel zu Mercedes war Östberg bei dem Autozulieferer Aptiv für das automatisierte Fahren verantwortlich. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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