Auch wenn Baby so knuffig dreinschauen: Augenkontakt aus der Distanz kann voll ok sein, anfassen nicht. Getty Images Als Mutter erlebe ich oft, dass Fremde die Distanz zu meinen Kindern nicht wahren. Kürzlich hat ein älterer Herr ungefragt in den Kinderwagen gegriffen und mein drei Monate altes Baby berührt. Ich habe aus falscher Höflichkeit geschwiegen. Wie wehrt man solche gut gemeinten Übergriffe elegant ab? – Anonyma, per E-MailLiebe Anonyma, die Natur hat es so gewollt: Babys sind so designt, dass man sie knutschen, wiegen, füttern, küssen, streicheln, beschützen will. Charme als Überlebensvorteil. Nachteil: Auch ein unbeteiligter Herr wird kollateralverzaubert und möchte das Baby tätscheln. Das ist für sich genommen menschlich, hinzu kommt, dass die Noli-me-tangere-Philosophie der Gegenwart kein gesichertes Boomer-Wissen ist.Darum müssen Sie als Mutter jetzt zu deutlichen Worten in der Lage sein: «Bitte fassen Sie das Baby nicht an, danke.» Vielleicht mag ein wohlmeinender Herr darüber gekränkt sein, die Sache ist nur: Sie sind die Wächterin Ihres Babys, wenn Sie es nicht schützen, tut es niemand. Zudem ist es in späteren Jahren (ich sage dies als Mutter zweier Teenager) immens hilfreich, wenn man gelernt hat, die durch unmissverständliche Ansagen hervorgerufene Unbeliebtheit aus­zuhalten. Und wenn es so weit kommt, ist es eigentlich ein Erfolg: Dingdong, die Botschaft ist angekommen.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: [email protected] Namen können geändert oder anonymisiert werden. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.