Es ist knapp zehn Jahre her, da sah Donald Trump mal kurz aus wie der ewig zerzauste Boris Johnson. Im September 2016 ließ sich der damalige Präsidentschaftskandidat Trump dazu hinreißen, dem Komiker Jimmy Fallon einen Wunsch zu erfüllen: ihm einmal durchs sorgfältig gelegte Haar wuscheln zu dürfen. Und so verließen seine zarten, langen Strähnen für wenige Sekunden ihr gewohntes Terrain und streckten sich in der „Tonight Show“ weit in alle Richtungen. Ein großer Talkshow-Moment war das zwar nicht, gleichzeitig zeigte sich: Ja, es ist dünn da oben. Das gilt manchmal eben auch für die Mächtigsten der Welt.Es wurde schon reichlich gespottet über die Frisur von Donald Trump, an Assoziationen mangelt es nicht. Manch einer fühlt sich beim Anblick an roadkill erinnert, also ein platt gefahrenes Tier am Straßenrand; andere sehen darin ein zusammengefallenes Soufflé. Trump selbst bezeichnete sein Haupt als „Kunstwerk“, das er lediglich an der Luft trocknen lasse (Rolling Stone, 2011). Im selben Jahr gewährte er auch der Reporterin Barbara Walters während eines Interviews den beherzten Griff an den Kopf, um zu beweisen: alles echt – obwohl Walters später sagte, sie glaube weiterhin, es handle sich um ein künstliches Haarteil.Darüber wird auch nun wieder diskutiert. Als Trump in der vergangenen Woche in Las Vegas eine Rede hielt, fragte sich das Publikum: Woher kommt plötzlich diese golden schimmernde, imposant aufgebauschte Welle auf dem Kopf des US-Präsidenten? Aus einem nur wenige Tage zuvor noch eifrig zusammengekehrten, aber immerhin altersgerechten (80!) Fläumchen war über Nacht eine volle, saftige Pracht geworden. Mithilfe der KI blähte sich die Frisur in unzähligen „Big Hair Memes“ in den sozialen Medien weiter auf und wurde endgültig zum mane event (Englisch für Mähne).Zu all der Haarspalterei wollte Mary Trump, die Nichte des Präsidenten und eine seiner ärgsten Kritikerinnen, in der Radiosendung „The Dean Obeidallah Show“ vor wenigen Tagen zwar nichts sagen, dafür erzählte sie von Fred Trump, ihrem Großvater. Dessen Haaransatz sei seit Teenagertagen immer weiter zurückgegangen, zum Problem wurde die Halbglatze aber erst nach seiner Alzheimer-Diagnose. Daraufhin habe sich ihr Opa ein schlecht sitzendes Toupet besorgt, das vor allem sein Sohn Donald „peinlich“ fand. Auch soll der Opa Haarteil wie Schnauzer gefärbt haben, damit es möglichst echt aussah. Doch weil er die Farbe zu lange einwirken ließ, leuchtete sein Kopf in knalligem Magenta. „Und nun ist Donald plötzlich völlig besessen von seinem Haar – so wie schon sein Vater“, so Mary Trump.Für Karoline Leavitt, Donald Trumps stets aus der Hüfte feuernde Pressesprecherin, ist die Sache mit den Haaren klar: Gutes Licht, das sei alles. Man könnte auch sagen, für Donald Trump zählt hauptsächlich die Inszenierung. Und drumherum: ganz viel heiße Luft.
Echt jetzt? Donald Trump und seine Frisur
Wundersame Haarvermehrung: Warum das Internet gerade mit Spekulationen über Donald Trumps Frisur überschwemmt wird










