Malis Militärregierung wollte mit russischer Hilfe das Land befrieden. Jetzt sind Tuareg-Rebellen und bewaffnete Islamisten wieder in der Offensive.
E in Soldat blockiert das Tor, das zur Sängerin Nana Coulibaly führt. Verspiegelte Sonnenbrille, Tarnmontur, Sturmgewehr. Sein Zeigefinger ruht über dem Abzugsbügel. Hinter dem Tor: vier weitere Soldaten. Alle in voller Kampfmontur. Der Ort, an dem sich Coulibaly vor ihrem Auftritt ausruht, ist abgeriegelt.
Drinnen sitzt die Sängerin am Rande eines Schulhofs auf einer hölzernen Bank, eine 30 Jahre alte Frau in einem blauen Schleier und mit einem halben Dutzend bunter Armreife. „Natürlich fühle ich mich hier sicher“, sagt sie. „Dass dieses Festival stattfinden kann, ist ein Symbol. Ein Zeichen, dass sich nun alles zum Guten wendet.“
Es ist Dezember 2025. In Timbuktu, einer Stadt im Norden Malis, findet die Biennale Artistique et Culturel statt, ein Festival mit Musik, Schauspiel und Tanz. Ausgerechnet hier, in einem Landstrich, in dem seit mehr als einem Jahrzehnt Bürgerkrieg herrscht.
Hunderte Künstlerinnen und Künstler sind aus ganz Mali angereist, um zu feiern. Menschen wie Coulibaly. Es sind so viele, dass die meisten während des zweiwöchigen Spektakels in Klassenzimmern und Gemeindehäusern übernachten müssen. Schließlich sind auch Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer nach Timbuktu gekommen, eine ausgetrocknete Oasenstadt aus gelb-braunen Lehm- und Steinhäusern mit mehreren zehntausend Einwohnern.







