Passagiere der Deutschen Lufthansa müssen vorerst nicht mehr mit Streiks von Piloten rechnen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder informiert, dass nun in Schlichtungen nach Lösungen für offene Tarifkonflikte gesucht werden soll. Parallel dazu wird ein Mediationsverfahren angestoßen, in dem auch grundsätzliche Fragen zu Entwicklungsperspektiven für einzelne Flugbetriebe – insbesondere wohl die Kernmarke Lufthansa – besprochen werden sollen. Der Konzern und die zuständige Tarifkommission der Gewerkschaft haben sich auf eine entsprechende „Verfahrensvereinbarung“ verständigt, wie es hieß.Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann begrüßte in einer internen Veröffentlichung für Beschäftigte die Vereinbarung. „Wir müssen wieder stärker miteinander statt übereinander sprechen“, sagte er. „Wichtig ist, dass wir jetzt nicht nur Lösungen für die aktuellen tariflichen Konfliktthemen finden, sondern eine belastbare Grundlage für Zusammenarbeit der kommen Jahre schaffen.“Mit der Vereinbarung ist noch kein langfristiger Tariffrieden gesichert, aber man hat sich nach einer Eskalation rund um die 100-Jahr-Feier von Lufthansa im Frühjahr wieder angenähert. Da im April auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO zu Ausständen aufgerufen hatte, war es zu einer Woche mit Streiks gekommen. Lufthansa hat die finanziellen Belastungen auf 150 Millionen Euro beziffert.Im Frühjahr war Schlichtung nicht zustande gekommenEine mögliche Schlichtung war auch im April schon Thema, Lufthansa und VC konnten sich damals aber nicht auf Rahmenbedingungen einigen. Die Gewerkschaft hatte Lufthansa vorgeworfen, grundsätzlich ein finanzielles Plus für Piloten ausgeschlossen zu haben. „Eine Schlichtung, die nur dann akzeptiert wird, wenn sie ausschließlich zulasten der Beschäftigten ausgeht, ist keine Schlichtung“, hieß es damals von der Vereinigung Cockpit.In der Lufthansa-Zentrale hegte man derweil den Verdacht, dass die Gewerkschaft für bessere Streikmöglichkeiten stets mindestens einen Tarifkonflikt offen halten wolle. Das Verlangen des Konzerns, neben offenen Konflikten auch laufende Tarifverträge neu zu verhandeln, wies die Gewerkschaft zurück. Nun soll das Themenspektrum für die Schlichtung nach Lufthansa-Angaben doch ausgeweitet werden.Offiziell streitet die Vereinigung Cockpit mit dem Konzern über die Höhe von Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung für Piloten der Kernmarke und von Lufthansa Cargo, über das separate Versorgungssystem bei Eurowings sowie über einen Vergütungstarifvertrag für die Piloten der Einheit Lufthansa Cityline. Die drei Konflikte sollen in getrennten Schlichtungsverfahren bearbeitet werden, wobei für die Beschäftigten der Kernmarke und der Frachtgesellschaft auch über die Gehälter gesprochen wird, bei Cityline auch über Themen im Zusammenhang mit dem Betriebsende für diese Konzerneinheit. Als vierter Verhandlungsstrang kommt die Mediation dazu.Den Cityline-Flugbetrieb hatte Lufthansa nach den Streiks im April eingestellt, das ohnehin geplante Betriebsende wurde abrupt vorgezogen. Gewerkschaftsvertreter ärgert, dass Lufthansa neue Betriebseinheiten wie die fast namensgleiche Lufthansa City Airlines mit schlechteren Beschäftigungskonditionen geschaffen und Verkehre dorthin verschoben hat. Solche umstrittenen Punkte der Konzernstrategie stellen aber keine zulässigen Streikgründe dar, sie werden in der Mediation Thema.Die Arbeitnehmervertreter wollen auch Entwicklungsperspektiven für den Lufthansa-Kernbetrieb. Der Konzern macht diese von einer steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarke abhängig. Mit Blick auf die Mediation sagte Niggemann, es gelte „gemeinsam Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit“ der Kernmarke zu übernehmen. „Ein weiteres Schrumpfen ist nicht in unserem gemeinsamen Interesse.“Die VC habe für die Dauer der Gespräche eine Friedenspflicht zusagt. Lufthansa hat sich verpflichtet, vorerst die Verlagerung von Flugzeugen von der Lufthansa-Kernmarke zu anderen Flugbetrieben nicht voranzutreiben. „Im Vertrauen darauf, dass wir gemeinsam Lösungen finden, werden wir unsererseits die Anzahl der Flugzeuge bei der Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo während des Prozesses stabil halten“, sagte Niggemann. Auch bei den Flugbegleitern drohen unmittelbar keine Streiks. Die Gewerkschaft UFO hat die Hoffnung geäußert, „ohne weitere Eskalation zu einer Einigung kommen zu können“.
Lufthansa und Vereinigung Cockpit einigen sich auf Schlichtung
Im Frühjahr hatte es zum großen 100-Jahre-Fest der Lufthansa große Streiks gegeben. Nun gibt es Anzeichen für eine Annäherung. Konzern und Vereinigung Cockpit wollen in eine Schlichtung gehen.








