Boxpromoter und mutmasslicher Chef eines Drogenimperiums: Wer ist Daniel Kinahan, Irlands wohl gefährlichster Gangsterboss? Kinahan soll mit seiner Organisation jahrelang den Drogen- und Waffenschmuggel in Irland und darüber hinaus kontrolliert haben. Nun haben ihn die Vereinigten Arabischen Emirate nach Irland ausgeliefert. Dort droht ihm lebenslange Haft.11.08.2026, 15.30 Uhr5 LeseminutenDaniel Kinahan wird am 9. August unter grossem Polizeischutz aus dem Gerichtssaal zurück ins Hochsicherheitsgefängnis von Portlaoise transportiert.Natalia Campos / ReutersDaniel Kinahan lebte in Dubai ein Leben im Luxus. Seit Freitag sitzt er im Hochsicherheitsgefängnis von Portlaoise in Irland. Bis zu 20 Stunden am Tag soll er dort in seiner Zelle verbringen. Für einen Mann, der sich jahrelang dem Zugriff irischer und internationaler Ermittler entzog, könnte der Absturz kaum grösser sein. Kinahan ist ein gesuchter mutmasslicher Verbrecher.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im April 2022 setzte das amerikanische Aussenministerium eine Belohnung von bis zu 5 Millionen Dollar aus. Das Geld sollte für Informationen ausbezahlt werden, die zur Festnahme oder Verurteilung von Daniel Kinahan, seinem Vater Christopher Vincent sowie seinem Bruder Christopher junior führen. Die amerikanischen Behörden warfen den drei Männern vor, an grenzüberschreitender organisierter Kriminalität beteiligt gewesen zu sein.Im Zentrum der Ermittlungen steht das Kinahan-Kartell. Es wurde laut Angaben der Ermittler in den 1990er Jahren von Christopher Vincent Kinahan in Dublin gegründet. Im Laufe der Zeit integrierte er seine beiden Söhne in die Organisation.Was in Irland mit dem Schmuggel und dem Vertrieb von Kokain und Heroin aus Südamerika begann, entwickelte sich rasch zu einem europaweiten Netzwerk. Das amerikanische Aussenministerium bringt die Familie zudem mit Geldwäsche, Waffenschmuggel und Mord in Verbindung.Die Macht der Kinahans zeigte sich auch an der Gewaltbereitschaft. Im Zentrum stand ihr Konflikt mit dem rivalisierenden Hutch-Clan. Die beiden Seiten hatten ursprünglich teilweise zusammengearbeitet. Sie stritten sich später aber zunehmend um Geschäfte, Geld und um Einfluss auf den Strassen von Dublin.Der Bandenkrieg trieb ihn ins AuslandDie offene Fehde zwischen den beiden kriminellen Netzwerken begann im September 2015. Damals wurde Gary Hutch, ein Mitglied der Hutch-Familie, in Spanien von einem Auftragsmörder erschossen. Hutch hatte zeitweise mit den Kinahans zusammengearbeitet, geriet aber mit ihnen aneinander. Nach dem Mord an Gary Hutch eskalierte die Auseinandersetzung.Am 5. Februar 2016 schlug die Hutch-Gruppe zurück. Im Hotel Regency in Dublin fand ein Box-Event statt, bei dem auch Daniel Kinahan erwartet wurde. Mehrere bewaffnete Männer stürmten die Veranstaltung. Sie eröffneten das Feuer. David Byrne, ein enger Vertrauter der Kinahan-Gruppe, wurde getötet; zwei weitere Männer wurden verletzt. Kinahan selbst war das mutmassliche Ziel des Angriffs. Er hatte das Hotel jedoch bereits verlassen, als die Schützen das Feuer eröffneten.Der Angriff löste eine Spirale der Vergeltung aus. Aus dem Streit zweier krimineller Familien ist einer der blutigsten Bandenkriege der jüngeren irischen Geschichte entstanden. Laut Angaben irischer Behörden und Medien starben durch die Fehde seither 18 Personen.Vom Gangland in den BoxringFür Daniel Kinahan markierte das Attentat vom Februar 2016 ebenfalls einen Wendepunkt. Er verliess Irland und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Dubai. Dort begann er ein Leben, das nach aussen kaum noch an das irische Gangland erinnerte.In Dubai trat Kinahan zunehmend als Geschäftsmann und als Vermittler im Profiboxen auf, wie Recherchen von BBC zeigen. Bereits 2012 hatte er das Box-Management-Unternehmen MGM gegründet, das später unter dem Namen MTK Global bekannt wurde. Das Unternehmen vertrat zahlreiche Boxer und verschaffte Kinahan Zugang zu einer internationalen Branche.Er beriet Boxer, vermittelte Kämpfe und knüpfte Kontakte zu Trainern, Promotern und anderen einflussreichen Personen. Zu den bekanntesten Boxern, mit denen er in Verbindung stand, gehörte Tyson Fury, der ehemalige Weltmeister im Schwergewicht.2020 wurde Kinahan zur Schlüsselfigur bei den Verhandlungen über einen Kampf zwischen Fury und Anthony Joshua. Auch wenn der Kampf letztlich nicht zustande kam, hatte er doch eine Bedeutung, weil das Duell damals als grösster Kampf im Schwergewichtsboxen gegolten hätte.Im Internet kursiert immer noch ein Video eines euphorischen Tyson Fury. Darin bedankt er sich beim mutmasslichen Gangsterboss. «Ich habe gerade mit Daniel Kinahan telefoniert. Er hat mir mitgeteilt, dass der grösste Kampf in der Geschichte des britischen Boxsports soeben vereinbart wurde. Vielen Dank, Dan, dass du diesen Deal unter Dach und Fach gebracht hast.»
Boxpromoter und mutmasslicher Chef eines Drogenimperiums: Irlands gefährlichster Gangsterboss ausgeliefert
Kinahan soll mit seiner Organisation jahrelang den Drogen- und Waffenschmuggel in Irland und darüber hinaus kontrolliert haben. Nun haben ihn die Vereinigten Arabischen Emirate nach Irland ausgeliefert. Dort droht ihm lebenslange Haft.










