Wer in den Vereinigten Staaten gesund bleiben will, hat es in Zukunft schwerer. Zumindest wenn das Dekret, das Donald Trump gerade unterzeichnet hat, tatsächlich umgesetzt wird. Der US-Präsident hat im Weißen Haus neue Impfempfehlungen für Kinder unterzeichnet: Künftig empfiehlt die Regierung eine Impfung nur noch gegen elf statt 17 Infektionskrankheiten, der Abstand zwischen Impfterminen soll verlängert werden. Gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) soll es künftig keine Dreifachimpfung, sondern nur noch Einzelimpfungen geben. Insgesamt bedeutet dieser Impfkurs, dass Erreger sich wieder stärker ausbreiten können. Wie gefährlich das werden kann, belegen beispielhaft die aktuellen Masernerkrankungszahlen in den USA.Trump sagte, die MMR-Kombi-Impfung könne „durchaus tödlich“ sein. Auf die Frage eines Journalisten, ob es dafür Belege gebe, antwortete er: „Nein.“ Er habe aber von Menschen gehört, die dies behaupteten. Aber was ist dran an solchen Behauptung?Nichts, wie die Faktenlage zeigt. Alle Impfstoffe, die in den USA bei Kindern eingesetzt werden, haben Zulassungsprozesse durchlaufen. Anders als bei anderen Medikamenten, sind Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen bei Kleinkindern in klinischen Studien sehr gut untersucht, sie werden zudem sehr genau überwacht.Jede Impfung kann Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle hervorrufen. Diese klingen in der Regel schnell wieder ab. Das ist auch ein Grund, warum Mediziner zu Mehrfachimpfungen raten: Es ist nur ein Pieks bei gleicher Sicherheit und Wirksamkeit. Weitere Gründe, die für Mehrfachimpfungen sprechen: Ein Kombitermin belastet das Kind, die Eltern und die Gesellschaft weniger als drei Einzeltermine.In den Vereinigten Staaten wird die MMR-Dreifachimpfung deshalb seit 1971 vorgenommen. Einzelimpfstoffe sind derzeit nicht verfügbar. Bei der zuständigen US-Bundesbehörde, den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), gibt es eine ausführliche Informationsseite zur Wirkungsweise, zu Nebenwirkungen und Sicherheitsstudien. In seltenen Fällen, heißt es da, könnten nach einer MMR-Impfung Fieberkrämpfe auftreten, die aber ohne Langzeitfolgen verlaufen.Die Falschaussage zu AutismusTrump wiederholte seine These, es gebe einen Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Autismus – eine mehrfach widerlegte Falschaussage. So konnte beispielsweise die auf Evidenz spezialisierten Cochrane Collaboration nicht nachweisen, dass die Häufigkeit von Autismus bei gegen Masern geimpften Kindern höher ist als bei ungeimpften. Ein Zusammenhang zwischen MMR-Dreifachimpfung und steigenden Autismus-Zahlen ist ebenfalls nicht belegt. Experten erklären den Anstieg der Diagnosen stattdessen damit, dass Eltern, Erzieher und Ärzte Anzeichen von Autismus besser erkennen und eine Diagnose heutzutage den Zugang zu Therapien und Förderungen ermöglicht.Der neuen Anordnung zufolge sollen Impfungen gegen Hepatitis A- und B-Viren, Covid-19-Viren, Rotaviren, Meningokokken, respiratorische Synzytialviren (RSV) und Influenzaviren nicht mehr pauschal für alle Kinder empfohlen werden. Eltern könnten sich aber weiterhin für sämtliche Impfungen entscheiden, betonte Trump bei der Unterzeichnung des Dekrets im Weißen Haus. Die Kosten dafür sollen nach Angaben der Regierung auch weiterhin von Versicherungen übernommen werden.Höchststand bei den MaserninfektionenDas Schüren von Zweifeln an Impfungen hat in den USA bereits dazu geführt, dass die Zahl der Maserninfektionen in die Höhe geschossen sind. So galt die Krankheit im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten als ausgerottet. Im Jahr 2025 wurden 2289 Fälle bei den CDC gemeldet, in diesem Jahr bereits 2318. Das ist ein Höchststand der vergangenen 35 Jahre.Die neue Anordnung setzt den seit Monaten verfolgten Kurs der Trump-Regierung fort. Es soll weniger geimpft werden, und Eltern sowie Ärzte sollen stärker individuelle Entscheidungen treffen können. Ein Bundesgericht hatte entsprechende Pläne von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. im März vorläufig gestoppt, nachdem Ärzteverbände dagegen geklagt hatten. Trumps neue Anordnung hebt die Gerichtsentscheidung aus dem März nicht auf, macht den reduzierten Impfplan aber zur Regierungspolitik.In den USA gibt es keine generelle Impfpflicht für Kinder, aber in allen Bundesstaaten werden Impfnachweise für den Besuch von Kitas oder Schulen verlangt. Ausnahmeregelungen gibt es, wenn Kinder andere Erkrankungen haben, die keine Impfung zulassen, oder wenn es religiöse oder philosophische Vorbehalte in der Familie gibt. Die US-Regierung betont, dass sie weiterhin hohe Impfquoten anstrebt. Sie wolle dies aber durch Information und freiwillige Entscheidung erreichen. Auch in Europa sei dies ohne umfassende Schul-Impfpflicht möglich, begründeten Trump und Kennedy ihren Kurs.Tatsächlich setzen viele europäische Staaten vor allem auf freiwillige Impfprogramme. In Deutschland gibt es beispielsweise keine generelle Impfpflicht für Kinder, seit 2020 müssen sie aber beim Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Schulen eine Masernimpfung nachweisen – zum Schutz der Kinder vor der ansteckenden und gefährlichen Infektionskrankheit. Gegen Hepatitis B werden in Deutschland Säuglinge im Rahmen der sogenannten Sechsfachimpfung geimpft, sie beinhaltet auch Vakzine gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung und Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Eine Impfempfehlung für Covid-19 und Influenza gibt es in Deutschland für Kleinkinder nur, wenn diese vorerkrankt sind. Die Ständige Impfkommission empfiehlt in Deutschland, Kinder gegen 18 Infektionskrankheiten impfen zu lassen. Die so erlangte Grundimmunisierung der Jüngsten verhindert die Ausbreitung von Erregern und schützt somit auch ungeimpfte Erwachsene.
US-Impfkurs: Warum Trump die MMR-Dreifachimpfung streichen will
Donald Trump will Kinder in den USA künftig nur noch gegen elf statt 17 Krankheiten impfen lassen. Er begründet das mit Falschaussagen und verweist auf Europa.










