Für PNE-Aktionäre gab es am Dienstag ein böses Erwachen: Erst im Juni 2026 hatte der PNE-Kurs mit gut elf Euro den höchsten Stand seit Oktober 2025 erreicht, nun ist die Aktie des Windparkentwicklers nicht einmal mehr acht Euro wert. Der Grund: Übernahmehoffnungen haben sich zerschlagen, zumindest sind die Preisvorstellungen wahrscheinlich nicht erreichbar.Am Montagabend hat das Unternehmen aus Cuxhaven mitgeteilt, dass es sich offenbar schon vor einiger Zeit zu 100 Prozent zum Verkauf gestellt hat. Das ist keine große Überraschung, anders als die beiden folgenden Sätze der Ad-hoc-Mitteilung. Sie haben es durchaus in sich. PNE teilt mit, dass „das erhaltene Marktinteresse darauf hindeutet, dass die Preisvorstellungen etwaiger Erwerber unterhalb des derzeitigen Börsenkursniveaus der PNE-Aktie liegen. Vor diesem Hintergrund ist aktuell unsicher, ob es zu einer Transaktion kommen wird und wie deren Bedingungen aussehen würden.“ Daraufhin verlor die Aktie bis Dienstagmittag 19 Prozent im Vergleich zum Handelsschluss am Montag.Verkaufsgerüchte über Morgan Stanley gibt es schon längerDas Unternehmen aus Cuxhaven entwickelt, projektiert, realisiert und finanziert Windparkprojekte. Als unabhängiger Stromproduzent betreibt PNE, das 2013 die Mehrheit des stärker international ausgerichteten Konkurrenten WKN mit Sitz in Husum gekauft hat, auch Windparks in Eigenregie, unter anderem in Osteuropa, Großbritannien, den USA und Kanada. 2019 stieg die US-Bank Morgan Stanley mit einem Angebot von vier Euro je PNE-Aktie ein und ist heute durch die Photon Management GmbH Mehrheitsaktionär. Schon im Januar 2023 gab es Gerüchte, dass Morgan Stanley seine Anteile an PNE wieder verkaufen will. Seit Montagabend ist klar, dass sogar das ganze Unternehmen verkauft werden soll – es aber derzeit nur schwache Nachfrage gibt.Als der Kurs von PNE jüngst im Juni 2026 auf mehr als elf Euro kletterte, wurde dies mit einem Gewinnsprung (gemessen allerdings am Ebitda, also dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) des Windunternehmens im ersten Quartal von 3,6 auf 17,9 Millionen Euro begründet. Zudem konnte PNE eine Anleihe verkaufen, mit der sich das Unternehmen 65 Millionen Euro bis 2031 lieh. Außerdem gab es die Übernahmespekulationen. Die wenigen Analysten, die sich mit den Kursaussichten von PNE beschäftigen, darunter das Bankhaus Metzler und SMC, geben seit Mai Kursziele von 10,80 und sogar 13,20 Euro aus. Laut Bloomberg vom Dienstag gibt es nach wie vor nur Kaufempfehlungen für die PNE-Aktie.2025 mit starkem Umsatz und höherem KonzernverlustDabei hat der Aktienkurs von PNE oft stark geschwankt – nicht zuletzt wegen der sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen. Jahrelang profitierten Energieerzeuger wie PNE in Deutschland von den hohen Strompreisen und den staatlichen Förderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Allerdings musste PNE zuletzt Projekte in Kanada, Spanien und Rumänien abschreiben und begründete dies mit „wesentlich veränderten Marktbedingungen“, also gesunkenen Strompreisen und gestiegenen Kosten dort. Gleichwohl erzielte PNE im Jahr 2025 mit 690 Mitarbeitern einen Umsatz von 230 Millionen Euro und einer „Gesamtleistung“ von 376 Millionen Euro – Spitzenwerte in der 30 Jahre währenden Firmengeschichte. Im Jahresabschluss steht allerdings unter dem Strich ein Verlust im Konzern von 47,4 (Vorjahr: minus 3,8) Millionen Euro. Das Eigenkapital sank um 40 Millionen auf 154 Millionen Euro.Die Kursentwicklung ist ein Spiegelbild dieser wachsenden, aber Stand jetzt nicht profitablen Unternehmensentwicklung: Am 25. Juli 2023 gelangte die PNE-Aktie wegen ihrer zuvor hohen Wertsteigerung in den Tec-Dax, am 22. Dezember 2025 flog sie aber schon wieder aus diesem Technologieaktienindex, als der Prothesenhersteller Ottobock aufrückte.Seither ist PNE „nur“ noch im S-Dax. In diesem 70 Aktiengesellschaften umfassenden Index mit Marktwerten unterhalb des M-Dax ist PNE trotz des Kursverlustes am Dienstag in der Fünf-Jahres-Wertung mit 35 Prozent Kursgewinn unter den besten acht Aktien. Vor ihr liegen etwa Drägerwerk (plus 44 Prozent Kursgewinn), SAF-Holland (70 Prozent) und Spitzenreiter Alzchem (530 Prozent).