Die Klimaanlage brummt, der Ventilator surrt, und trotzdem staut sich die Hitze in den Büros und Kaufhäusern der Innenstädte. Sommer wie dieser machen deutlich: Kühlung ist längst kein Luxusproblem mehr, sondern eine Frage der Aufenthaltsqualität, der Produktivität – und zunehmend auch der Netzstabilität. Doch während private Klimageräte massenhaft an die Fassaden gehängt werden, gibt es eine weitaus elegantere Lösung, die im Verborgenen unter den Straßen fließt: Fernkälte. Ein Blick auf Chemnitz, Dresden und Leipzig zeigt, wie unterschiedlich Sachsens Großstädte mit dieser Technologie umgehen.

Chemnitz: Der leise Meister

Wer Fernkälte in Deutschland verstehen will, muss nach Chemnitz schauen. Bereits seit 1973 betreibt die Stadt eines der ältesten Fernkältesysteme Europas. Was am Standort Georgstraße mit nur drei Kilometern Netzlänge begann, gilt heute als eines der modernsten Systeme weltweit. Betrieben wird die Anlage von Eins Energie und der Netztochter inetz, in enger Kooperation mit der TU Chemnitz.

Das Herzstück: ein ringförmiges Innenstadtnetz von rund fünf Kilometern Länge mit einer Auslegungsleistung von 20 Megawatt sowie ein zweites, separates Netz für das Klinikum Chemnitz. Rund 5 °C kaltes Wasser fließt durch isolierte Rohre in die Gebäude, nimmt dort die Wärme auf und kehrt mit etwa 12 °C zurück. Das Besondere: Die Kälte wird per Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung aus der Abwärme des Heizkraftwerks über Absorptionskältemaschinen erzeugt – aus einem Nebenprodukt also, das sonst ungenutzt verpuffen würde. Der Primärenergiefaktor liegt bei 1,42, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz wird erfüllt.