Zehn Monate nach dem Sprengstoffanschlag auf den bekannten italienischen Investigativjournalisten Sigfrido Ranucci hat die Polizei einen Vertrauten des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi festgenommen. Der Unternehmer Valter Lavitola stehe im Verdacht, der Auftraggeber des Anschlags zu sein, teilten die Carabinieri am Montag mit.Lavitola hatte offenbar geglaubt, der Anschlag würde Ranuccis Bekanntheit im Vorfeld einer möglichen politischen Karriere erhöhen, wie italienische Medien unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden berichteten. Die Behörden stellten zudem einen Haftbefehl gegen einen weiteren Verdächtigen aus. Dieser soll als Mittelsmann zwischen Lavitola und vier im Juni festgenommenen Männern gedient haben, die den Anschlag verübt haben sollen.Dem Journalisten wird den Angaben zufolge keinerlei Fehlverhalten vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er von Lavitolas Plänen keine Kenntnis hatte. Ranucci hatte Lavitola in der Vergangenheit als »wahren Freund« bezeichnet.

Für den jetzt festgenommenen Unternehmer Lavitola und gegen Berlusconi hatte die Staatsanwaltschaft im Jahr 2015 wegen Korruptionsvorwürfen Gefängnisstrafen gefordert. Berlusconi soll einem Senator Geld für dessen Stimme gezahlt haben, Lavitola soll das Geld persönlich übergeben haben.Lavitola und einem weiteren Unternehmer war in der Vergangenheit auch zur Last gelegt worden, Berlusconi 2008 und 2009 mit Callgirls versorgt zu haben. Sie sollen dann mehr als 800.000 Euro von ihm erpresst haben, um die Justiz zu diesem Thema zu belügen. Lavitola floh damals für mehrere Monate nach Südamerika, wurde aber nach seiner Rückkehr nach Italien im April 2012 festgenommen.