Es braucht gar keine Sommerferien, damit sich der Verkehr die A8 entlangwälzt. Ohne diese Autobahn ist der motorisierte Verkehr in Südbayern kaum vorstellbar: Sie bringt München, Rosenheim und den Chiemsee mit Salzburg zusammen, verbindet übers Dreieck Inntal außerdem mit Tirol und weiter nach Italien. Und sie gilt als etwas in die Jahre gekommen. Ihr Ausbau von vier auf sechs Spuren plus zwei Standstreifen wird deshalb seit Langem überlegt, Gegenstand von Diskussionen und Prozessen, zum Teil in Planung – und inzwischen zum Teil zurückgestellt. SZ-GrafikDer Grund: 82 Autobahnbrücken, vor allem zwischen dem Chiemsee und Salzburg. Sie stammen größtenteils aus den 1930er-Jahren, ihre Lebenszeit nähert sich also allmählich dem Ende. Oder wie es Josef Seebacher von der Autobahn GmbH des Bundes formuliert: „Uns läuft die Zeit davon.“ Daher habe man „anders priorisiert“. Heißt: Statt auf die zusätzlichen Spuren will sich die Autobahngesellschaft im östlichen A8-Teilstück auf die Modernisierung der Brücken konzentrieren.Damit konkretisiert sich im August 2026, was absehbar war: Im Februar 2025 berichtete die SZ, dass „die Pläne für den weiter östlichen gelegenen Abschnitt etwas modifiziert“ wurden. Das bedeutet nicht, dass der Ausbau der A8 per se gestoppt wäre. Aber es zeichnet sich allmählich ab, was davon in den kommenden Jahren gerade um Traunstein überhaupt wie zu erwarten ist.Folgt man dabei Seebacher, dem Sprecher der Autobahn GmbH, steht bei der ganzen Thematik eine Art „Zwischenschritt“ an: „Es geht nur um die Brücken.“ Vereinfacht sollten die ohnehin im Rahmen des sogenannten 6+2-Ausbaus ertüchtigt werden, aber bis der vielleicht kommt, wird es noch dauern. Also werden die Spuren zurückgestellt und die Brücken vorgezogen.Dazu wurden östlich des Chiemsees mehrere Erhaltungsabschnitte definiert. Die nötigen Vermessungsarbeiten sind angeblich bereits abgeschlossen, momentan läuft die Bauplanung. Die befindlichen Brücken sollen aber idealerweise nicht bloß saniert werden. Stattdessen könnten die Ersatzbauwerke gleich einen neuen Standstreifen bekommen.Das wiederum würde bedeuten: Diese Standstreifen könnten im Fall eines sechsspurigen Autobahnausbaus womöglich auch als Fahrstreifen benutzt werden. Und für die Abschnitte westlich vom Chiemsee ändert sich dadurch ohnehin nichts an den „6+2“-Plänen. Der Bundesverkehrswegeplan sieht den Ausbau der A8 weiter vor. Das bestätigt das bayerische Verkehrsministerium. „Von einem Planungsstopp kann keine Rede sein“, wird Minister Christian Bernreiter (CSU) in einer Mitteilung zitiert. Ihr Ausbau werde „mit ganzer Kraft vorangetrieben“, „als Staatsregierung machen wir deswegen maximal Druck“.Allerdings kann noch ein Gericht mitreden. Für zwei Planungsabschnitte der A8 wurden laut Ministerium bisher Planfeststellungsverfahren angegangen. Zwischen Rosenheim und Achenmühle läuft demnach das Verfahren seit 2014. Und gegen die Pläne zwischen Achenmühle und Bernauer Berg klagt der Bund Naturschutz (BN).Er beurteilt das ganze Vorhaben als überdimensioniert. Dass sich die Autobahngesellschaft nun auf dem Abschnitt im Osten gegen eine dritte Spur entschieden habe, „ist ein wichtiger Erfolg“, teilt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe mit. „Wir hoffen auf die Vernunft der Entscheidungsträger, auch die übrigen Ausbaupläne zu begraben.“ Laut Verkehrsexperten werde ein Ausbau nur zu noch mehr Verkehr führen; die Situation wäre „nach kurzer Zeit genau so“ wie vorher.Die mündliche Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig ist auf Anfang Januar 2027 terminiert. Der schnellste Autoweg dorthin ist von München aus immerhin nicht die A8 – sondern die A9.