Während andere noch zögern, hat er oft schon den Ablaufplan im Kopf: Alexander Walkenhorst schlug im Januar wieder zu, als das Hamburger Beachvolleyball-Weltturnier („Elite 16“) gerettet werden musste: „Es wegfallen zu lassen, wäre fatal für Beachvolleyball-Deutschland gewesen“, sagt der 38 Jahre alte Essener.Zehn Jahre hatten sich die besten Bachvolleyballerinnen und Beachvolleyballer am Rothenbaum getroffen. Doch dort setzte die Vermarktungsagentur des Weltverbandes FIVB („Volleyball World“) das Geld buchstäblich in den Sand: Trotz eines hohen Zuschusses der Stadt Hamburg – man spricht von einer halben Million Euro – erwirtschaftete „Volleyball World“ am Rothenbaum ein Minus im hohen sechsstelligen Bereich.Dieses Jahr wurde das Risiko auf die lokalen Veranstalter abgewälzt; es gibt keine Zuwendungen mehr vom Weltverband. Nur Format und Name dürfen verwendet werden. Nicht einmal das Preisgeld in Höhe von 260.000 Euro zahlt Volleyball World. Da winkten die Hamburger Unternehmer Frank Ehrich und Frank Mackerodt ab – sie hatten das Elite-Turnier die vergangenen fünf Jahre mit einem Etat von 1,3 Millionen Euro veranstaltet.Aus Schleswig-Holstein wurden 1200 Tonnen Sand gebrachtAn ihre Stelle ist der Beachvolleyball-Unternehmer Alexander Walkenhorst mit seinen Agenturen Spontent und NBO gerückt. „Mein Einsatz war alternativlos“, sagt er, „es wollte ja kein anderer.“ Der neue Standort klingt exotisch: Gepritscht und gebaggert wird auf der Galopprennbahn in Horn im Osten der Stadt. 1200 Tonnen Sand aus einer Kiesgrube in Schleswig-Holstein hat Walkenhorst herankarren und auftragen lassen. Entstanden sind so drei Plätze.Am Center Court sitzen 2000 Menschen, nicht mehr 13.000 wie 2019 am Rothenbaum, als die Deutschen Clemens Wickler/Julius Thole Zweiter der WM wurden und der Eintritt frei war. Ab 2020 wurden die Eintrittskarten verkauft, das Publikum schrumpfte. „Das Event war nie groß genug für den Rothenbaum“, sagt Walkenhorst, „wir bauen es nun von unten wieder auf: Ich habe lieber ein kleines Stadion ausverkauft als ein großes mit leeren Rängen.“Den Aktiven bereitet der Umzug von der Stadtmitte in den Außenbezirk keine Sorgen. „Wir gehen hier fünf Minuten in unser Hotel. Ich mag es, dass es drum herum so grün ist“, sagt die Italienerin Valentina Gottardi, Hamburg-Siegerin von 2025. Als sie mit ihrer Partnerin Reka Orsi Toth am Montag von Rom nach Hamburg flog, wusste sie, dass es in ein neues Stadion gehen würde – aber nicht wohin. „Das Einzige, woran wir uns gewöhnen müssen, ist, dass es hier windiger ist. Der Rothenbaum war ja wie eine Halle“, sagt Orsi Toth.Dass der Umzug vom Rothenbaum nach Horn in der Öffentlichkeit wie ein Rückschritt wirkt, kann Walkenhorst nachvollziehen. Er verschweigt auch nicht, dass die Tage auf dem Hippodrom für ihn finanziell nur darstellbar sind, weil er hier eine Woche später seinen Stopp mit der German Beach Tour (GBT) hat: „Jetzt können wir die Synergien nutzen.“Elf Minuten vom Jungfernstieg, ein Bier schon für vier EuroHamburg ist kein einfacher Standort für Sportgroßveranstaltungen. Die Auflagen der Politik sind hoch. Die Galopprennbahn hatte Walkenhorst während der WM 2019 kennengelernt; damals, noch als Spieler, schickten ihn die Veranstalter zu einer Cross-Promotion-Veranstaltung nach Horn, weil er verletzt war. Er warb für Beachvolleyball und sah einen Platz, auf dem genug Raum auch für drei Courts sein würde. Die Idee, hier zu spielen, war da.Auf der Anlage in Horn ist alles drei Nummern kleiner als am Rothenbaum, aber das Ambiente auch weniger erdrückend. Die Anlage erreicht man in elf U-Bahn-Minuten vom Jungfernstieg. Während es dort über die Jahre immer mehr wie eine Kopie der ersten Hamburger Beachvolleyballtage aus der „Smart Tour“ von 2011 wirkte, die Klatschpappen gezückt wurden und der Animateur sich selbst feierte, ist die Szene in Horn näher an der Party, die Beachvolleyball im Kern nun auch einmal ist.Ohne Klatschpappe sind die Hände frei zum Applaus oder für das Bier – das in Horn nur vier Euro kostet. Wobei es schon einen Unterschied gibt, erklärt Walkenhorst: „Beim Elite-Turnier steht der Sport im Mittelpunkt, bei der German Tour die Festival-Atmosphäre.“Als Unternehmer freut sich Walkenhorst über die Erlöse der German Tour, als ehemaliger Sportler befremdet ihn das Kaufverhalten der Fans. Während sich die Ränge an diesem Wochenende erst spät bis zum Status „ausverkauft!“ füllten, gibt es für die German Beach Tour keine Karten mehr. Zukünftig will er die Termine der Turniere dann auch drehen, damit erst die Deutschen unter sich spielen, dann die Weltspitze.
Alexander Walkenhorst rettet Beachvolleyball Elite 16 in Hamburg
Alexander Walkenhorst verlegt das Elite-Turnier der Beachvolleyballer vom Rothenbaum auf die Galopprennbahn in Horn. Dort ist es kleiner und windiger – und trotzdem die Rettung.






