Ist jede Symbiose nur eine Täuschung? Gedanken übers Vertrauen und Trauen, die Tiere und die Menschen an sich.

Donata Kindesperk/taz

M eine Freundin P., die gerade einen Nebenjob im Berliner Zoo hat, berichtete: Neulich ereignete sich ein Drama im Nilpferdgehege. Ein Jahrzehnt lang hatte man dem 14-jährigen Nilpferd Friedrich Wilhelm und einem 17-jährigen Zebrahengst dabei zugesehen, wie das Zebra am Abend vertrauensvoll die Essensreste aus Friedrich Wilhelms gigantischem Gebiss gefischt und aufgegessen hatte.

Zehn Jahre lang hatte sich das Schauspiel der freundschaftlichen Versöhnung zwischen zwei in der Wildnis verfeindeten Tierarten täglich ereignet, bis an einem Dienstagabend Friedrich Wilhelm einfach so zugebissen hatte. Völlig unerwartet war der Biss gekommen, während das Zebra noch genießerisch dabei war, Friedrich Wilhelm die Zähne zu reinigen. Das Zebra war sofort tot. Auch Friedrich Wilhelm wurde kurz darauf eingeschläfert. Man konnte seinem sonst so gemächlichen Gemüt nicht mehr trauen.

Ich denke an den Mann, der mit seiner Cobra zum Tierarzt geht, weil diese aufgehört hat zu essen. Er ist besorgt um die Gesundheit seiner Cobra. Der Tierarzt untersucht das Tier und stellt fest: Der Schlange fehlt nichts. Im Gegenteil. Sie fastete, um sich langsam darauf vorzubereiten, ihren Besitzer zu verschlingen.