Derzeit hat nicht nur der Bundesinnenminister eine Fülle vermeintlich guter Ideen zur Drohnenbekämpfung. Der neue Verkehrsminister hat offenbar auch erkannt, dass Luftraum- und Flughafen-Sicherheit in seinen Bereich fallen. Damit versuchen sich jetzt schon zwei Minister zu profilieren. Dabei sind Drohnen nicht erst seit dem Vorfall am Flughafen Leipzig Thema, wo laut Polizei eine mit Sprengstoff beladene Drohne unschädlich gemacht worden war.Spätestens seit dem vergangenen Jahr geht es im Innenministerium, in Sicherheitskreisen und zwischen Bund und Ländern um den Umgang mit den kleinen Flugobjekten. Bislang vor allem im Zusammenhang mit Spionage.Seit Langem ist bekannt, dass Drohnen über militärischem Gebiet und kritischer Infrastruktur fliegen. Meist werden sie zufällig gesichtet. Der Bundesinnenminister hatte öffentlichkeitswirksam eine Spezialeinheit bei der Bundespolizei ins Leben gerufen. Das war übrigens im Dezember vergangenen Jahres. Sie soll unbemannte Luftfahrzeuge aufspüren, abfangen und gegebenenfalls abschießen, so hieß es. Stationiert werden sollte sie unter anderem an Flughäfen. Von KI-gestützten Störsystemen und Abfangdrohnen war die Rede.Bis zu 130 Bundespolizisten sollten dafür eingesetzt werden. Angesichts von 21 internationalen Verkehrsflughäfen klingt das plausibel. Doch in Leipzig hat es offenbar nichts geändert. Wie auch, wenn am Ende eine defekte Drohne zufällig offenbar von einem Busfahrer gefunden wird und nicht von einem (staatlichen) Überwachungssystem.Nun spricht das Bundesinnenministerium davon, sogar 300 Bundespolizisten einzusetzen – an acht statt vier Standorten. Bundesweit? Wenn es schon nicht klappt, die Drohnen zu identifizieren, wie soll es die Lage verbessern, wenn sich ein Bundespolizist ins Auto oder vielleicht sogar in einen Hubschrauber setzt, wenn eine feindliche Drohne etwa über einem Flughafen gesichtet wurde.Und wenn der Bundesverkehrsminister nach eigener Aussage keine Zeit bei der Aufrüstung der Flughäfen verlieren will, stellt sich die Frage, was eigentlich in den vergangenen Monaten passiert ist. 30 Millionen Euro wollte die Bundesregierung allein im vergangenen Jahr in die Drohnenabwehr investieren, 50 Millionen im laufenden Jahr.Immerhin waren Flughäfen schon länger im Fokus, weil Drohnen – darunter mutmaßlich viele private – den Betrieb lahmgelegt hatten. Sichtet etwa ein Pilot eine Drohne bei Start oder Landung, werden Flüge in der Regel eingestellt, bis die Gefahr gebannt oder nicht mehr auffindbar ist. Allein deswegen wollte man aufrüsten.Warum muss in einem Land, in dem zahlreiche Drohnenabwehr-Firmen sitzen, der Staat nun seinerseits forschen?Stefanie WitteZwei Wochen nach der Spezialeinheit stellte Alexander Dobrindt übrigens ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum in Berlin vor. Darin sollten unter anderem Bundespolizei, Nachrichtendienste, Länder und Militär Informationen austauschen und ein Lagebild erstellen. Nicht in Echtzeit, aber zumindest so, dass die Bundesrepublik besser auf entsprechende Bedrohungen reagieren kann. Fraglich ist, was dort tatsächlich passiert. Wer mit beteiligten Behörden spricht, die Vertreter dorthin entsenden sollten, stieß in den vergangenen Monaten vielfach auf Achselzucken und Skepsis. Polizisten stehen auf dem Gelände des Flughafens Leipzig-Halle. An der nördlichen Rollbahn waren zahlreiche Polizistinnen und Polizisten im Einsatz und suchten das Gelände ab. © dpa/Sebastian Willnow Umso absurder wirkt es, wenn Dobrindt als Reaktion auf Leipzig ausgerechnet ein weiteres Zentrum ins Leben rufen will – dieses Mal zur Forschung. Warum muss in einem Land, in dem zahlreiche Drohnenabwehr-Firmen sitzen, der Staat seinerseits forschen? Warum treibt das ein Minister voran, der genau weiß, dass Israel, die USA und die Ukraine in diesem Zusammenhang weiter sind?Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier zwei Minister durch Aktionismus versuchen zu verschleiern, dass sich trotz monatelanger Arbeit an und Millioneninvestitionen in das Thema Drohnenabwehr bei Weitem nicht so viel verändert hat, wie es nötig wäre.Absolute Sicherheit gibt es auch hier nicht. Aber es wäre so nötig wie möglich, zumindest die besonders kritischen Drehkreuze, also große Verkehrsflughäfen mit hohen Passagierzahlen, mit entsprechender Technologie und Personal auszustatten. Zumal, wenn dort Rüstungsgüter verladen werden.Dazu darf es aber nicht bei Ankündigungen bleiben. In diesem Fall ist offenbar Sprengstoff nicht explodiert. Doch der Vorgang lässt erahnen, was droht, sollte Deutschland das Drohnen-Problem nicht endlich an seinen neuralgischsten Punkten in den Griff bekommen.