Sheikh Hasina kündigt Rückkehr nach Bangladesh an – dort droht ihr allerdings die TodesstrafeBangladeshs gestürzte Premierministerin verkündet bei einem Auftritt im Exil in Delhi, dass sie im Dezember in ihre Heimat zurückkehren werde. Reue für die Taten ihres Regimes zeigt sie nicht. Die neue Regierung reagiert empört.10.08.2026, 10.19 Uhr4 LeseminutenBangladeshs gestürzte Premierministerin Sheikh Hasina (hier 2018 in London) will im Dezember in ihre Heimat zurückkehren.Daniel Leal-Olivas / APZwei Jahre sind seit dem Sturz von Sheikh Hasina vergangen. Doch Reue zeigt Bangladeshs langjährige Premierministerin bis heute nicht. Bei den Studentenprotesten, die am 5. August 2024 zu ihrem Sturz führten, waren Hunderte Demonstranten von den Sicherheitskräften erschossen worden. Statt Verantwortung für die Repression zu übernehmen, stellte sich Hasina aber als Opfer einer Verschwörung dar und machte ihren Gegnern schwere Vorwürfe, als sie sich zum zweiten Jahrestag des Umsturzes im indischen Exil an die Medien wandte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Es war keine friedliche Studentenbewegung», sagte Hasina vergangene Woche bei dem virtuellen Auftritt in der indischen Hauptstadt Delhi, bei dem sie wiederholt von ihren Emotionen überwältigt wurde. Ihre Regierung habe von Beginn der Proteste an versucht, die Probleme durch Dialog mit den Studenten zu lösen. Doch hätten «organisierte Gruppen» die Studenten manipuliert und ihre Forderung nach Reformen für einen gewaltsamen Regimewechsel genutzt.Dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der nach ihrem Sturz im August 2024 die Leitung einer Interimsregierung übernommen hatte, warf sie vor, eine Aufarbeitung der Ereignisse verhindert zu haben. Ihre Awami League sei rechtswidriger Verfolgung ausgesetzt und Tausende Anhänger der Partei seien inhaftiert, gefoltert und vor Gericht gebracht worden, beklagte Hasina, die selbst während ihrer Regierungszeit die Opposition brutal unterdrückt hatte.Eine Rückkehr Hasinas dürfte für Spannungen sorgenVom wirtschaftlichen Zustand ihres Landes zeichnete sie ein düsteres Bild. «In den vergangenen zwei Jahren habe ich verfolgt, wie mein geliebtes Bangladesh leidet», sagte Hasina, die die 177 Millionen Einwohner des Landes 15 Jahre lang mit harter Hand regiert hatte. Die Tochter von Staatsgründer Mujibur Rahman, der 1971 Bangladesh in die Unabhängigkeit von Pakistan geführt hatte, klagte: «Dies ist nicht das Bangladesh, das wir aufgebaut haben. Dies ist nicht das Bangladesh, für das drei Millionen Menschen 1971 ihr Leben gegeben haben.»In dieser Situation sei es ihre Pflicht, in ihre Heimat zurückzukehren. «Egal, welches Schicksal mich erwartet, ich muss zu meinem Volk zurückkehren», sagte die 78-Jährige, die in Bangladesh wegen der Tötung der Demonstranten 2024 in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden ist. Sie sorge sich nicht um ihr eigenes Schicksal, sondern allein um das Wohl ihres Landes, sagte sie. «Sie mögen mich in eine Zelle werfen. Sie mögen mich töten. Alles kann passieren, doch muss ich gehen.»In Bangladesh traf Sheikh Hasinas Auftritt auf scharfe Kritik. Das Aussenministerium erklärte, er sei «ein Affront für die Souveränität Bangladeshs und eine schwere Beleidigung für die Märtyrer» der Juli-Revolution. Hasina wolle den Lauf der Geschichte zurückdrehen, doch werde die Regierung nicht zulassen, dass Bangladesh zu den «dunklen Tagen des Faschismus» zurückkehre. Hasinas «Mafia-Unternehmen» habe keinen Platz mehr in der Politik Bangladeshs.Dhaka fordert von Indien Hasinas AuslieferungSollte Hasina tatsächlich wie angekündigt im Dezember zurückkehren, würde ihr nicht nur die Festnahme, sondern auch die Hinrichtung drohen. Dies dürfte die politischen Spannungen im Land verschärfen. Ihre Awami League ist zwar seit 2025 verboten, doch verfügt die Partei in Teilen der Bevölkerung weiter über Rückhalt. Schon vor der Parlamentswahl im Februar hatten sich ihre Anhänger blutige Zusammenstösse mit rivalisierenden Parteien geliefert.Das Land wird seit der Wahl von der Bangladesh Nationalist Party (BNP) regiert, der langjährigen Gegenspielerin von Hasinas Awami League. Geführt wird die Regierung von Tarique Rahman, dem Sohn der mehrfachen Premierministerin Khaleda Zia, mit der sich Hasina über Jahrzehnte einen erbitterten Zweikampf geliefert hatte. Zia, die unter Hasinas Regierung wegen Korruption verurteilt worden war, war Ende Dezember im Alter von 80 Jahren verstorben.Unter der BNP-Regierung hat sich das angespannte Verhältnis zum Nachbarn Indien verbessert. Nach Rahmans Wahlsieg im Februar hatte ihm der indische Premierminister Narendra Modi gratuliert und eine Delegation zu seiner Amtseinführung nach Dhaka geschickt. Dass Hasina weiter unter dem Schutz Indiens in Delhi lebt, sorgt aber für Ärger in Dhaka. Auf Rahmans wiederholte Forderung nach der Auslieferung Hasinas ist Indien bis jetzt nicht eingegangen.Modi hält weiter an seiner langjährigen Verbündeten festNach Hasinas Auftritt erneuerte das bangalische Aussenministerium die Forderung nach ihrer Auslieferung und kritisierte, dass Indien ihren Auftritt vor den Medien erlaubt habe. Die indische Regierung hatte im Vorfeld betont, es handle sich bei der Medienkonferenz im Foreign Correspondents’ Club of South Asia um eine private Veranstaltung, mit der sie nichts zu tun habe. Allerdings hätte sie den Auftritt zweifellos verhindern können, wenn sie dies gewollt hätte.Hasinas Sohn Sajeeb Wazed Joy dankte bei der Medienkonferenz Indiens Premierminister Modi für die Beherbergung seiner Mutter. Sie erhalte die volle Behandlung eines Staatsoberhaupts in Indien, lobte er. In Bangladesh sorgt es für erheblichen Unmut, dass Indien bis zu ihrem Sturz an Hasina festgehalten hat. Offenbar ist Modi aber noch immer nicht bereit, seine langjährige Verbündete fallenzulassen. Sollte Hasina im Dezember tatsächlich nach Bangladesh zurückkehren, hätte sich zumindest der Streit um ihre Auslieferung erledigt.Passend zum Artikel