Der Mann, den wir als losen Bekannten verorten, wirkt geknickt. Seine Tochter ist mit ihrer Suche nach lukrativen Ferienjobs mehrfach gescheitert. Um ihre Einsatzfreude nicht vollständig zu dimmen, springt die Verwandtschaft ein und bietet kleine Arbeiten gegen Entgelt an: Keller aufräumen, Babysitten, altes Spielzeug online verkaufen – mit Gewinnbeteiligung. Nett gemeint, die 17 Jahre alte Schülerin übernimmt, trauert aber einem „richtigen Job“ hinterher.Die Schülerin will irgendwo „ganz offiziell“ antreten, Regale einräumen, kellnern. Dafür hatte sie sich schon Monate zuvor beworben und kassiert Absagen oder, was sie als demütigender empfindet, gar keine Reaktion. „Die ziehen Studenten wegen der zeitlichen Verfügbarkeit vor, die erwarten Erfahrung. Manche schreiben Stellen nur alibimäßig aus. Ich bin denen nicht gut genug.“Mittelprächtig und sie versiegtenIhr Vater ist nicht gerade prädestiniert, sie moralisch aufzubauen. Denn dem 51 Jahre alten Bekannten ist das gerade ganz ähnlich passiert. Zweieinhalb Jahrzehnte hat er zwei-, dreimal im Jahr in Seminaren sein Wissen an junge Menschen weitergegeben.Dafür nahm er jedes Mal drei Tage Urlaub, bekam dafür ein mittelprächtiges Honorar, das sich in Höhe einer Anerkennungsgebühr bewegte, und reiste an, zweiter Klasse – für ihn kein Thema. Mehrfach wechselten seine Ansprechpartner, erst meldeten sie sich nur noch einmal im Jahr, dann versiegten die Aufträge.Warum wollen sie ihn nicht mehr? Warum ist seine Expertise nicht mehr gefragt? Das anzusprechen, verbot ihm sein Stolz.Er zergrübelte Erklärungsmuster, sind vielleicht seine Reisekosten zu hoch? Doch sein Nachfolger kommt von weiter her. Funkstille, die er mit Gegenschweigen beantwortet. Die Tochter drängt ihren Vater, sich endlich Klarheit zu verschaffen.Endlich zu fragen: Warum wollt ihr mich nicht mehr? Der Auftraggeber, der keine Aufträge mehr vergibt, windet sich, lässt sich aber provozieren und faselt, es gehe um „frische Impulse“, darum, die „jüngere Generation ranzulassen“. Das kurze Telefonat endet kühl.Aussortiert, abserviert. Alles eine Frage des Alters. „Ich bin denen zu alt, du bist vielen zu jung“, resümiert der Vater resigniert. Beide leiden. Immerhin ist er froh, mit seiner früheren Nebentätigkeit nicht sein Profil im Berufsnetzwerk aufgepeppt zu haben. Das erspart ihm jetzt möglicherweise geheucheltes Mitleid und Wühlen in Wunden. Resilienz hin oder her. „Die Welt ist nicht fair. Es tut weh“, sagt die Tochter. Und der Vater nickt.In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.