Der amerikanische Politikwissenschaftler Ryan Burge vermisst den Wandel der amerikanischen Religionslandschaft mit Daten. Dabei trennt er konsequent zwischen religiöser Zugehörigkeit, persönlichem Glauben und gelebter Praxis – drei Dimensionen, die politisch sehr unterschiedliche Wirkungen entfalten können.

In seinem jüngsten Buch „Die verschwindende Kirche“ („The Vanishing Church“) verbindet er diese Analyse mit einer größeren Frage: Was bedeutet der Rückgang religiöser Bindungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie?

Herr Burge, was ist das größte Missverständnis über Religion in Amerika?

Religion ist im Rückgang, das ist ein Fakt. Jeder empirische Befund weist in diese Richtung. Aber sie geht nicht bei jedem Messwert gleich stark zurück. Der Gottesdienstbesuch sinkt viel schneller als der Gottesglaube. Immer noch 85 Prozent der Amerikaner drücken irgendeine Form von Glauben an Gott oder eine höhere Macht aus. Das ist das größte Missverständnis: dass Säkularisierung bedeutet, wir gehen alle nie in die Kirche und glauben nicht an Gott. Fast jeder ist auf einer dieser Dimensionen tatsächlich religiös.

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