Die Basilika in Porec ragt über die anderen Häuser der Inselzunge. Julien Duval Segler wissen es schon lange: Die Küste Kroatiens und die davorliegende Inselwelt sind wunderschön. Doch es gibt mehr zu entdecken: kultivierte Städte, malerische Dörfer und ein fruchtbares Hinterland. Eine Reise in fünf Stationen.IstrienDie Halbinsel Istrien beginnt gleich hinter der italienischen Stadt Triest und schiebt sich v-förmig in die tiefblauen Fluten der Adria. Sie ist zweigeteilt: Der nördliche Zipfel gehört zu Slowenien, der grössere Teil liegt in Kroatien und wird oft und nicht zu Unrecht mit der Toskana oder Südfrankreich verglichen.Die sanfte Hügellandschaft, die vielen Weinberge und die malerischen mittelalterlichen Dörfer ähneln denen der Provence oder der Maremma, und auch die Strände stehen den Buchten am Mittelmeer in nichts nach. Trotzdem ist dies ein noch deutlich weniger bekanntes Feriengebiet, was sich durch die Abwesenheit grosser Touristenscharen und entsprechender Infrastrukturen sehr angenehm bemerkbar macht. Sanfte Hügel und eine weich gezeichnete Bergkette prägen das Landesinnere. Julien Duval Vor dem Restaurant Viking parkiert kein einziger Reisebus, dafür auffallend viele Autos mit italienischem Kennzeichen. Kein Wunder! Das Terrassenlokal befindet sich direkt am elf Kilometer langen Limski-Kanal, der zwischen der hübschen Küstenstadt Rovinj und dem weiter nördlich gelegenen Portoroz – einem eleganten Seebad aus der Zeit der k. u. k. Monarchie mit bis heute österreichisch geprägtem Charme – fliesst.Aufgrund des hohen Sauerstoff- und des niedrigen Salzgehalts findet man entlang des Kanals viele Austern- und Muschelzüchter. Dies spiegelt sich auch auf den Speisekarten der Restaurants wider: Man findet zahlreiche Gerichte mit Austern und Muscheln, die genauso gut schmecken wie in Bella Italia, aber nur halb so viel kosten. Das malerische Städtchen Rovinj liegt südlich des Limski-Kanals. Julien Duval In den winzigen Dörfern im Hinterland herrscht eine beinahe klösterliche Stille. In den schmalen Gassen huschen schwarz gekleidete Frauen eilig an den trutzigen, hellen Kalksteinhäusern und kargen Kirchplätzen vorbei. Selbst einfache Lebensmittelläden sind hier keine Selbstverständlichkeit. Dafür stehen schlecht rasierte, rauchende Männer am Strassenrand, die jeden Fremden argwöhnisch beobachten.Eine Ausnahme ist Motovun, wo seit zehn Jahren jedes Jahr im August ein kleines, feines Musikfestival stattfindet. Das mittelalterliche Dorf ist so postkartenhübsch, dass immer mehr Besucher die engen Haarnadelkurven in Kauf nehmen, die zwischen Weingärten und Wäldern den steilen Berg hinaufführen. Im Zentrum gibt es ein paar wenige Läden, viele Kastanienbäume und das Hotel Kastel, das in einer Burg aus dem 17. Jahrhundert residiert und mit angenehm unaufdringlichen Zimmern und einem romantischen Innenhof lockt, in dem abends bei Kerzenschein gegessen wird.Über Nacht: Mitten in der malerischen Altstadt von Rovinj und direkt am Meer befindet sich das stimmungsvolle Hotel Adriatic mit nur 18 Zimmern und Suiten. Von den Fenstern aus kann man die Fischerboote beobachten, das Frühstück wird auf der schönen Terrasse serviert. Doppelzimmer ab 220 FrankenZu Tisch: Istrien gilt als Trüffelhochburg, und der Trüffelkönig heisst Giancarlo Zigante. Sein Restaurant befindet sich in Livade und lockt mit Rindfleisch-Carpaccio, hausgemachten Ravioli oder Pommes, die mit Schwarzer oder Weisser Trüffel verfeinert werden. Im dazugehörenden Laden werden Trüffelspezialitäten verkauft.Nicht verpassen: Die rund 5500 Olivenbäume von Duilio Belic stehen im Hinterland des Fischerdorfs Fazana. Das Öl, das er daraus gewinnt, wird regelmässig mit internationalen Preisen ausgezeichnet, und es lohnt sich, an einer der Öldegustationen teilzunehmen, die er mit seiner Frau im eigenen Olivenhain veranstaltet.PulaDie schlechte Nachricht zuerst: Pula ist kein Geheimtipp mehr. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur gut informierte Trendsetter unter den Einheimischen in den Terrassencafés am Forum sassen. Auch andere Feriengäste haben das römische Amphitheater, die verwinkelten Altstadtgassen und die im Jahr 1903 errichtete Markthalle mit ihrem üppigen Angebot an Fisch und Meeresfrüchten entdeckt. Kein Wunder – die 70 000-Einwohner-Stadt hat in den letzten zwanzig Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung vom Industrie- und Armeestandort zu einer von Kultur geprägten Küstenmetropole vollbracht. Ivo Biocina Ivan Sardi Das römische Amphitheater in Pula ist eines der am besten erhaltenen der Welt. Dabei konnte sich Pula den Charme einer noch nicht vollkommen vermarkteten Feriendestination bewahren. Geholfen haben ein paar optische Brüche: die historische Schiffswerft etwa, deren nächtlich beleuchtete Kräne sich fast direkt gegenüber dem über 2000 Jahre alten Augustustempel in den Himmel recken. Oder die militärischen Bauwerke aus der österreichisch-ungarischen Epoche, die zeitgleich mit eleganten Villen entstanden sind und heute unter anderem die k. u. k. Marienbibliothek, ein Aquarium und das Historische Museum beherbergen.Baden kann man in und um Pula natürlich auch. Zu den schönsten Buchten und Stränden zählen Galebove Stijene (Stoja), Gortanova Uvala (Lungomare) und Svjetionik auf der Halbinsel Verudela. Der felsige Strand Galebove Stijene bei Pula. Aleksandar Gospic Über Nacht: Das Boutiquehotel Valsabbion steht an einer malerischen Bucht, knapp drei Kilometer von Pulas Altstadt entfernt. Es bietet elf modern eingerichtete Studios mit schönen Holzböden und bequemen Betten, einen privaten Badestrand, einen Pool und ein ambitioniertes Spa. Doppelzimmer ab 131 FrankenZu Tisch: Ein gemütlicher Speiseraum, eine hübsche Terrasse und grenzenlos nette Gastgeber – nicht umsonst ist die Trattoria Vodnjanka bei Einheimischen so beliebt. Serviert werden feine pulaische Hausmannskost wie Fischsuppe mit gebratener Polenta, Spargelrisotto oder Schmorbraten und die guten Weine der Region. Tel. +385 98 175 7343Nicht verpassen: Das Museum für Moderne Kunst (MSU) befindet sich in einer ehemaligen Druckerei und zeigt Werke aus dem 20. Jahrhundert bis hin zu Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Das Museum versteht sich als multikultureller Treffpunkt und soll den Künstlern Istriens eine Plattform bieten. DubrovnikWer ist die Schönste im ganzen Land? In Kroatien gibt es daran keinen Zweifel: Dubrovnik gilt nicht umsonst als die Perle der Adria. Mit ihrer einzigartigen Lage auf einer Landzunge fast mitten im Meer, ihrer Unesco-geschützten Kalkstein-Altstadt, den idyllischen Gassen, netten Läden und einer Küche, die nach Italien schmeckt, ist sie ein Reiseziel von Weltklasse. Allerdings auch ein Reiseziel, das schon seit längerem versucht, sich vor den viel zu vielen Besuchern zu schützen. Dubrovnik, die Perle der Adria, ist seit längerem ein beliebtes Reiseziel bei Reisenden. Luka Esenko Ein Spaziergang auf der 2 Kilometer langen und rund 25 Meter hohen mittelalterlichen Stadtmauer ist in Dubrovnik ein absolutes Muss. Die imposante Befestigungsanlage mit ihren Wehrtürmen zeugt von der strategischen Bedeutung der Stadt im Laufe der Jahrhunderte. Sie bietet sowohl Einblicke in die Geschichte als auch Ausblicke auf die labyrinthische Altstadt und auf die Adria.Der zentrale Stradun verbindet zwei mächtige Stadttore sowie das Festland mit einem Hafen voller bunter Boote. Dazwischen befinden sich Geschäfte, Cafés und Restaurants – besonders beliebt ist das Café Festival mit seinen Terrassentischen und feinster Patisserie. Gleich daneben steht das imposante Franziskanerkloster mit einem idyllischen, üppig begrünten Kreuzgang und einer original erhaltenen, bereits 1317 eröffneten Apotheke – die älteste Europas. Die Altstadt von Dubrovnik lädt zum Flanieren ein. Julien Duval Über Nacht: Das «St. Joseph’s» bietet sechs Suiten mit Holzbalkendecken, Kristalllüstern und Marmorbädern in einem 500 Jahre alten Privatpalais in der Altstadt. Jede Suite verfügt über eine Kitchenette, am Morgen wird das Frühstück aufs Zimmer gebracht. Im Annex sind drei schöne Doppelzimmer untergebracht. Doppelzimmer ab 390 FrankenZu Tisch: Im Restaurant Kopun erwachen traditionelle Gerichte zu neuem Leben. Der Dubrovnik Capon (Kapaun) wird wie im 16. Jahrhundert an einer Honig-Bitterorangen-Sauce serviert, der Fischeintopf Brodet im Tomaten-Zwiebel-Sud. Die besten Tische stehen vor der Tür auf dem hübschen St.-Ignatius-Kirchplatz.Nicht verpassen: Life According to Kawa ist ein Concept-Store mit ausgewählten kroatischen Designobjekten. Ob Keramik, Schmuck, T-Shirts oder Taschen – alles stammt von kleinen, unabhängigen Produzenten. Für Foodies gibt es preisgekröntes Olivenöl, geräuchertes Meersalz und kroatische Kochbücher.ZagrebJahrelang war Zagreb lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg zur inselreichen Küste des Landes. Doch das hat sich geändert. Die im Landesinneren gelegene Hauptstadt Kroatiens besticht auf ihre ganz eigene, ruhige Art sowie durch Kunst, Architektur, Café-Kultur und eine besondere Atmosphäre.Eingebettet in das Dinarische Gebirge, liegt Zagreb nur zwei Autostunden von der Adriaküste entfernt. Einheimische sagen gerne, Zagreb sei eine Grossstadt im Gewand einer Kleinstadt. Ihr entspannter Rhythmus und ihr lässiger Charme sind kaum zu übersehen. Bewohner gehen in aller Ruhe auf den offenen Dolac-Markt, um bei ihren bevorzugten Händlern Obst und Gemüse, frisch gebackenes Maisbrot, Honig und Käse zu kaufen, die grösstenteils aus dem unmittelbaren Umland stammen.Auf dem Hauptplatz und auf den Caféterrassen begegnen sich Designer, Geschäftsleute, Künstler, Hausfrauen und katholische Nonnen, um einen Rakija (Schnaps) oder einen Kava (Espresso) zu trinken. Am frühen Abend flanieren ganze Familien durch die Strassen und über die Plätze der Stadt, um sich mit Bekannten auszutauschen. Zoran Jelaca Ivo Biocina Viele architektonisch spannende Gebäude zieren die Stadt. Museen und Kunstgalerien präsentieren erstklassige Sammlungen, die sowohl dem Geschmack der Einheimischen als auch dem der neugierigen Besucher entsprechen, und auf den Theaterbühnen der Hauptstadt werden Inszenierungen für ein anspruchsvolles Publikum gezeigt. Die Stadtviertel Zagrebs bieten eine vielseitige architektonische Mischung, die von Sezessionsstil und Neobarock bis hin zu gotischen Elementen und Brutalismus reicht. Zahlreiche Parks, Gärten und grüne Hügel prägen das Stadtbild. Im Frühling zeigen sie sich in voller Blütenpracht, das ganze Jahr über dienen sie als Schauplatz für Festivals. Der Bundek-Park in Zagreb liegt in der Nähe des Flusses Save. Ivo Biocina Über Nacht: Das «Amadria Park Hotel Capital» bespielt ein schönes Art-déco-Gebäude mit fast perfekt erhaltener Fassade und prächtigen Innenräumen. Die 109 elegant eingerichteten Zimmer verbinden Jugendstildetails mit zeitgemässem Komfort, dazu kommen ein schickes Café und ein gutes Restaurant. Doppelzimmer ab 150 FrankenZu Tisch: Das «Nuré» ist ein winziges Bistro mit nur vier Tischen, dessen Küche den internationalen Hintergrund einer koreanischen Familie widerspiegelt. Zu den Spezialitäten zählen der Hummus mit Brokkoli, Scamorza und Paprika sowie der Lammrücken mit geräuchertem Kartoffelpüree und Harissa. Tel. +385 99 346 7550Nicht verpassen: In Zagreb gibt es viele ungewöhnliche Museen – vom Museum für Hangovers bis zum Pilzmuseum. Am spannendsten ist das Museum der zerbrochenen Beziehungen, in dem Alltagsgegenstände von Menschen aus der ganzen Welt gezeigt werden, die eines gemeinsam haben – das Ende einer Beziehung.InsellebenDie weitaus meisten Kroatien-Fans freuen sich auf Ferien auf einer Insel. Das Land hat eine gigantische Auswahl: Insgesamt gibt es über 1200 Inseln, von denen allerdings nur 50 bewohnt sind. Einige von ihnen sind feste Grössen im Tourismus, andere sind noch weitgehend unbekannt. Was sie alle vereint, ist eine attraktive Mischung aus Geschichte, Tradition und Natur – seien es die dichten Pinienwälder von Mljet, die violett schimmernden Lavendelfelder von Hvar, die markante, hakenförmige Sandzunge des Strandes Zlatni Rat auf der Insel Brac oder die Thalasso-Anwendungen auf Losinj. Nicht nur Lavendelfelder sind in Hvar zu finden, sondern auch romantische Buchten und das malerische Hafenstädtchen, das denselben Namen trägt wie die Insel. Ivo Biocina Weinberge schmiegen sich an malerische, auf Hügeln thronende Dörfer, während elegante Küstenorte mit historischen venezianischen Plätzen und römischen Häfen aufwarten. Hier wie dort locken traditionelle Konobas, die Spezialitäten wie Muscheln auf Buzara-Art (in Tomatensauce) oder Crni Rizoto (Risotto mit schwarzer Tintenfischtinte) servieren.Die gute Nachricht ist: Man muss sich nicht auf eine einzige Insel festlegen. Ein effizientes Fährnetz und die relativ kurzen Distanzen machen das Inselhüpfen zum Kinderspiel. So lässt sich der Glamour von Hvar wunderbar mit der Ruhe von Vis oder der unberührten Natur von Mljet verbinden.Ein Geheimtipp ist Lopud. Die kleine Insel gehört zu den 13 Elaphiten, die rund zehn Kilometer vor Dubrovnik in der Adria liegen. Auf der autofreien Insel leben knapp 200 Menschen, die wenigen Feriengäste sonnen sich am Sandstrand, bummeln durch das Hafendorf und besuchen das im Jahr 1483 errichtete Kloster, in dem es dank der Intervention der Kunstsammlerin und Mäzenin Francesca Thyssen-Bornemisza grossartige Kunst zu sehen gibt. Man muss sich nicht für eine Insel entscheiden. Cres oder . . . Zoran Jelaca . . . Pakleni sind bloss zwei von über 1200. Hrvoje Serdar Über Nacht: Die zwölf Mönchszellen der Kunst-Klosteranlage Lopud 1483 wurden in fünf grosszügige Gästesuiten mit minimalistischem Designermobiliar verwandelt. Dazu gibt es Salons, einen Speisesaal, einen Meditationspark, jede Menge Kunst und direkten Zugang zum Meer. Suite ab 2000 FrankenZu Tisch: Die besten Tische im «La Villa» stehen direkt am Meer in Lopuds einzigem Inseldorf. Aus der Küche kommen vor allem Fischgerichte, die aus dem Fang der lokalen Fischer zubereitet werden. Es gibt auch Foie gras und sous-vide gegartes Biftek. Tel. +385 99 222 5115Nicht verpassen: Private Schnellboot-Touren sind ideal, um die 13 meist unbewohnten Elaphiten-Inseln zu besichtigen. Sie sind für ihre unberührte Natur, idyllische Sandstrände und das kristallklare Wasser bekannt. Typische Routen kombinieren Badestopps in Höhlen und Buchten rund um Kolocep mit einem Besuch auf Sipan. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Von Istrien bis Pula: Kroatien hat mehr zu bieten als Strände
Die Küste Kroatiens kennen alle. Doch das Land hat mehr zu bieten: kultivierte Städte, malerische Dörfer und grünes Hinterland. Eine Reise in fünf Stationen.









